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Mega-Investition in Pronsfeld

Das rot umrandete Feld ist bereitet: Nachdem Muh-Vorstand und -Aufsichtsrat das 60-Millionen-Investitionsprogramm genehmigt haben, entstehen in Pronsfeld unter anderem ein neues Milchtrockenwerk und ein Butterwerk. Foto: Muh
Das rot umrandete Feld ist bereitet: Nachdem Muh-Vorstand und -Aufsichtsrat das 60-Millionen-Investitionsprogramm genehmigt haben, entstehen in Pronsfeld unter anderem ein neues Milchtrockenwerk und ein Butterwerk. Foto: Muh
Pronsfeld. In den kommenden drei Jahren wird die Milch-Union Hocheifel (Muh) an ihrem Standort in Pronsfeld rund 60 Millionen Euro investieren. Für Muh-Chef Rainer Sievers ist dieses Engagement der wichtigste Schritt seit Gründung der Molkerei vor gut 40 Jahren. Von unserem Redakteur Heribert Waschbüsch

Mit einer Mega-Investition von rund 60 Millionen Euro will sich die Muh in Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) für die Zukunft aufstellen. Schon heute ist das Unternehmen die fünftgrößte Molkerei in Deutschland.

Täglich werden bei der Muh 3,5 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet, macht im Jahr rund 1,3 Milliarden Kilogramm. Sämtliche Milch, die die rund 2600 Erzeuger anliefern, wird im Pronsfelder Werk verarbeitet. Damit ist Pronsfeld bundesweit der zweitgrößte Einzelstandort für Milchverarbeitung. Mit den zusätzlichen Verarbeitungs- und Verwertungskapazitäten will das Unternehmen vor allem eins erreichen: "Wir konzentrieren uns nur auf uns. Unsere Selbstständigkeit ist uns wichtig", sagt der Geschäftsführende Vorstand der Muh, Rainer Sievers. Bis 2014 werden in der Eifel eine neue Butterei entstehen, ein Milchtrockenwerk sowie eine neue Milchannahme und weitere Gebäude für die Be- und Verarbeitung von Milch.

Mehr Produkte - mehr Exportchancen



Mit dem Trockenturm und dem Butterwerk stellt sich die Muh breiter auf. Bisher produziert die Molkerei ausschließlich H- und Frischmilch, Kondensmilch, Sahne oder laktosefreie Produkte.

"Mit der Neuausrichtung haben wir erstmals eine Produktschaukel", sagt Sievers, der damit auf die neuen Verwertungslinien abhebt. Im Butterwerk werden Butter und Butteröl hergestellt, der Trockenturm verwandelt Milch in Milchpulver. Beide Produkte eignen sich nach Ansicht der Molkerei ausgezeichnet, um im asiatischen Raum vermarktet zu werden. "Das ist ja nicht nur China, auch Indonesien hat mehr als eine Milliarde Menschen", so der Muh-Chef. Dabei hat der Milchmanager den Weltmarkt im Blick. "In Neuseeland zahlen die Molkereien ihren Milchbauern gerade rund 37 Cent für das Kilo Milch und damit mehr, als auf dem europäischen Markt gezahlt wird", so Sievers. Die Muh zahlt aktuell 30,75 Cent an ihre Milchlieferanten. Mit den Investitionen hat das Unternehmen neben dem weltweiten Markt auch andere Absatzwege im Sinn. Sievers: "Das Milchtrockenwerk, das wir bauen, ist eines der modernsten in Europa." Das Trockenpulver habe "Babynahrungsqualität". Und mit der nationalen und internationalen Lebensmittelindustrie möchte die Muh in Zukunft verstärkt zusammenarbeiten. "Die Kooperationsmöglichkeiten reichen im Prinzip von Arzneien bis hin zur Schokoladenproduktion", so Sievers. Es gebe konkrete Gespräche - Einzelheiten nannte er nicht.

Diese Investitionen sollen die Muh zukunftsfit machen. Denn das Unternehmen erwartet für die kommenden Jahre weiter steigende Milchmengen. "In den zurückliegenden zehn Jahren hatten wir ein durchschnittliches Wachstum im Jahr von sechs Prozent. 2010 haben wir die Milchmenge gegenüber dem Vorjahr sogar um acht Prozent gesteigert", sagt der Vorstandsvorsitzende Manfred Graff. Für Sievers und Graff war dabei wichtig, dass die Bauern hinter der Strategie stehen. "Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv mit den Vertretern der Muh diskutiert und dabei breite Zustimmung bekommen. So eine Investition ist nur möglich, wenn die Landwirte dahinterstehen." Danach haben Vorstand und Aufsichtsrat der Muh das Investitionsprogramm genehmigt.

Die Finanzierung der Mega-Investition laufe über ein Bankenkonsortium, an dem auch regionale Banken beteiligt seien. Die Muh sei gut aufgestellt, die Eigenkapitalquote des Unternehmens liege bei rund 35 Prozent, und die Investition sorge dafür, dass die Milchbauern weiter einen guten Milchpreis bekämen.

extra Die Milch-Union Hocheifel wurde 1966 in Pronsfeld gegründet. Die Molkerei hat im vergangenen Jahr rund 1,23 Milliarden Kilogramm Milch verarbeitet, die sie von ihren rund 2600 Milchlieferanten geliefert bekommen hat. Der Umsatz lag bei 613 Millionen Euro. Die genossenschaftlich organisierte Molkerei hat 2700 Mitglieder. Bisher arbeiten in Pronsfeld rund 800 Mitarbeiter. Durch den Ausbau des Werks entstehen in den kommenden Jahren rund 50 neue Arbeitsplätze. Bisher produziert die Milch-Union Hocheifel ihre Milch ausschließlich in der sogenannten "weißen Linie", also stellt H-Milch und Frischmilch her, Sahne und Kondensmilch und zudem eine ganze Reihe von laktosefreien Produkten. Nach der Investition kann die Muh aus Milch Trockenpulver und zudem Butter und Butteröl produzieren und erreicht damit eine bessere Verwertung seiner Milchfette.