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Wie geht es mit den drei Trierer Kaufhäusern von Galeria Karstadt Kaufhof weiter?

Handel : Angst in Trier vor dem tragischen Kaufhaus-Finale

Die Zukunft der drei Trierer Kaufhäuser Galeria Karstadt Kaufhof ist ungewiss. Die Betriebsräte haben darüber mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gesprochen.

Für alteingesessene Trierer geht man in der Fleischstraße noch immer zum Horten, und in der Simeonstraße stehen Karstadt und Kaufhof direkt nebeneinander. Das waren einst richtige Konkurrenten um die Gunst der Kunden. Heute firmieren die drei Häuser unter dem gemeinsamen Dach des international agierenden Kaufhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof mit Sitz in Essen.

Eigentümer ist seit 2019 die österreichische Signa Holding. Das klingt nach Sicherheit, was aber für die Mitarbeiter nicht mehr der Fall zu sein scheint. Bis zu 80 der rund 170 Häuser droht bundesweit die Schließung. Noch im Dezember 2019 erschien nach dem Weihnachtsgeschäft alles im grünen Bereich. Auch der vorher angeschlagene Karstadt schien auf dem Weg der Genesung. Der Konzern führte sogar die 2013 eingestellte Flächentarifbindung für die Beschäftigten wieder ein. Doch dann folgte die Corona-Krise mit einem monatelangen Lockdown. Licht aus, Türen zu, die Beschäftigten auf Kurzarbeitergeld. Nur die Mieten liefen vieler Orts weiter, weil der Konzern teilweise seine Liegenschaften schon vor Jahren an Immo-Investoren verkauft hatte.

Inzwischen erscheint die Lage auch für die derzeit 223 Beschäftigten der drei Trierer Häuser bedrohlich. Dabei noch nicht eingerechnet sind die dort eingemieteten Firmen, etwa Friseure, Dienstleister oder die große Saturn-Filiale auf dem „alten“ Kaufhof an der Simeonstraße.

Kann die Politik helfen und wie? Wegen dieser Fragen, und um sich über die Lage aus erster Hand zu informieren, traf sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Samstag mit den Betriebsräten der drei Häuser. An dem rund zweistündigen Austausch im Karstadtgebäude an der Simeonstraße nahmen auch der Trierer Landtagsabgeordnete Sven Teuber, Heribert Wilhelmi, Chef der Trierer Arbeitsagentur, Verdi-Sekretär Thomas Müssig und der Sprecher vom Wirtschaftsausschuss der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH, Udo Feix, teil.

Es sind keine angenehmen Nachrichten, die von den Gastgebern präsentiert werden. Spürbar ist, wie angespannt die Stimmung in den drei Häusern ist. Den aktuellen Stand erläutern die Betriebsratsvorsitzenden Evelyn Johann (Karstadt), Marlies Breser (Kaufhof Simeonstraße) und Wolfgang Negwer (Kaufhof Fleischstraße). Es begann mit dem Corona-Lockdown im März. Wegen der Verluste beschloss der Konzern Ende Mai ein Schutzschirmverfahren als Insolvenzvorstufe. Dabei muss das Unternehmen bis Ende Juni in Eigenverwaltung den Beweis erbringen, dass die Fortsetzung des Betriebs noch aussichtsreich ist. Doch die Aufhebung des Lockdowns führte nicht zum Kundenansturm, die Leute halten ihr Geld zurück. Daher sei in einem nächsten Schritt eine Planinsolvenz vorgesehen. Dies ist ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung unter Aufsicht eines Sachwalters. Ziel der Planinsolvenz ist es dabei, die verkürzte Entschuldung eines Schuldners im laufenden Insolvenzverfahren durch eine Übereinkunft mit seinen Gläubigern zu erlangen.

Den Ernst der Lage umschreibt Ausschusssprecher Feix: „Der Eigentümer wäre bereit, Mittel zuzuschießen. Dazu braucht er aber Sicherheit. Weiß er denn, ob ihm die Betriebe im Juli überhaupt noch gehören? Wir befürchten, dass die Häuser nicht so bestehen bleiben, wie wir sie kennen.“ Und für den Fall, dass es bald zum Äußersten kommen könnte, hat Betriebsrat Negwer noch einen Hinweis an die Politik: „Wenn die Leute dann mit einer ohnehin knappen Abfindung heimgehen, dann müssen sie die noch versteuern. Das sollte geändert werden.“ Negwer sagt auch, dass unter dem Aus der drei Häuser das gesamte Konstrukt der Trierer Innenstadt leiden würde – auch die kleinen Geschäfte.

Die Ministerpräsidentin ist beeindruckt und fragt nach Ansätzen, an denen die Politik eingreifen könne. Antwort: „Zunächst müssten die Vermieter Konzessionen machen. Wir bitten Sie daher in Mainz darum, schnellstens mit den Vermietern zu sprechen. Die Zeit drängt.“ Die Politik müsse ihnen klar machen, dass sie am Erhalt dieser Häuser interessiert ist. „Ich möchte mich dafür bei den Vermietern einsetzen“, sagt Dreyer und fragt: „Können wir außer dieser Vermieter-Geschichte noch mehr tun?“

Da wirken die Gastgeber etwas ratlos – was sollen sie dem Gast in der Situation sagen. Einen Ansatz bringt Ausschusssprecher Feix mit Hinweis auf die Lufthansarettung durch Bundeshilfe: „Wenn das für ein Luftfahrtunternehmen möglich ist, warum dann nicht für einen Einzelhandelskonzern?“ An dem Punkt muss Dreyer mit einem „ja, aber“ antworten.

Bei der Lufthansa habe es sich im Gegensatz zu Galeria Karstadt Kaufhof um ein kerngesundes Unternehmen gehandelt, das unverschuldet in Not geraten sei. Dreyer lässt auch durchblicken, dass sie das Signal mit der Versteuerung von Abfindungen wohl vernommen habe – vielleicht auch ein Ansatz. Dann müssen die Medienvertreter die Runde verlassen – nun sollen die konkreten aktuellen Zahlen der drei Trierer Häuser auf den Tisch kommen.