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Ex-Fußfall-Profi Najeh Braham: Was macht er nach Eintracht Trier, Magdeburg und dem Afrika-Cup?

„Kämpfen bis tot“ : Was macht eigentlich ... Ex-Fußballprofi Najeh Braham? Das verbindet ihn noch mit Eintracht Trier

Er ist der einzige Profi-­Fußballer, der während seiner Zeit bei Eintracht Trier einen internationalen Titel feierte. Aber nicht nur deshalb erinnert sich Najeh Braham (44) sehr gerne an seine alte Heimat. Wir haben mit ihm gesprochen.

Es muss ja nicht gleich die komplette Nostalgie-Breitseite sein, kein knietiefes Einsinken in die Erinnerungs-Zuckerwatte. Aber dass sich jemand aus dem guten alten Trier bei ihm meldet, das ist eine super Sache, findet Najeh Braham. Telefonieren? Sehr gerne! Nur nicht nach 17 Uhr, da ist Fußballtraining. Er coacht die U7 beim KSV Baunatal. Sein jüngster Sohn spielt dort. Der ältere, Adam, ist mit „seinen elf Jahren schon richtig gut“, sagt der frühere Stürmer: „Einmal im Monat trainiert er bei Eintracht Frankfurt mit.“ Auch ein anderer großer Bundesligist habe schon mal vorgefühlt.

Als Familienmensch – so sieht sich Najeh Braham heute. Für die vier Kinder da sein, sie fördern. Auch die beiden Töchter Emilia (15) und Eyla (13) seien sehr sportlich, „sie sind im Akrobatik-Nationalkader“. Seit elf Jahren leben die Brahams nun in Baunatal, in der Nähe von Kassel. Als er Trier verließ, zum zweiten Mal, im Jahr 2006, da war seine Frau Agatha mit Emilia schwanger. Seitdem hat sich viel verändert. 

Vor 20 Jahren: Najeh Braham wechselt nach Trier – und ist vom Aufstieg überzeugt

„Meine Erinnerungen an Trier? Ganz ehrlich: Das war meine schönste Zeit. Ich habe so viele nette Leute kennengelernt“, erinnert sich „Natsch“. Auch wenn der Kontakt nachgelassen habe, nicht nur wegen Corona. „Ich freue mich total, wenn ich was aus Trier höre. Es melden sich leider nicht mehr so viele. Aber Trier bleibt immer in meinem Herzen, hat einen richtig guten Platz.“ 24 Jahre alt war er damals, noch auf dem Weg zum Profi-Fußball. Ein bulliger Kämpfertyp mit gutem Schuss, manchmal ein bisschen eigensinnig, immer emotional. Aber einer, der auch weiß, dass er sein Ziel nur mit härtester Arbeit erreichen wird.

„Kämpfen bis tot“, sein grammatikalisch nicht ganz einwandfreies Bonmot aus späteren Zeiten in Magdeburg kam bei den Fans an, es wird an der Elbe heute noch mit ihm verbunden – und, ja, es charakterisiert den Tunesier ganz gut. 

Dreieinhalb Jahre spielte Najeh Braham insgesamt in Trier. Keine Ewigkeit, sicher. Aber es waren turbulente Zeiten. Für die Eintracht und für ihn. Vor ziemlich genau 20 Jahren zog es ihn erstmals an die Mosel, in der Winterpause 2001/02. Der Stürmer hatte zuvor beim Oberligisten Göttingen Eindruck hinterlassen, mit 15 Toren in der Hinrunde. Es war seine erste Station in Deutschland. Eintracht-Trainer Paul Linz wurde auf ihn aufmerksam.

Der SVE hatte sich für die restlichen zwölf Spiele viel vorgenommen. Im Jahr zuvor hatte den Trierern am letzten Spieltag mal wieder nur ein Törchen zum Aufstieg gefehlt. Im Oktober 2001 sprach dann nach vier Niederlagen in Folge und dem Abrutschen auf Platz zwölf nur noch wenig bis nichts für ein Ende des Unaufsteigbar-Nimbus, auch wenn die Eintracht noch als Dritter überwinterte.

„Ich habe in Trier gleich gesagt: ‚Wir steigen auf‘“, so erinnert er sich. Er kannte das Leid nicht, wusste nichts über die Historie des Scheiterns, die sich über die Jahre tief in die Fanseele gefressen hatte. Er kannte nur die Mannschaft. Das reichte für sein Urteil. „Ich weiß noch: Ich habe mit einigen Fans gesprochen und die sagten: ‚Wir warten schon seit 21 Jahren darauf. Aufsteigen? Das können wir uns nicht vorstellen‘. Aber ich habe die Mannschaft gesehen. Die Qualität war riesig.“ Sein Wille und Glaube haben der Eintracht – bei Brahams Debüt im März 2002 immer noch nicht auf einem Aufstiegsplatz – sicher nicht geschadet. Aber im Aufstiegsmärchen 2002 spielt er nur eine Nebenrolle. Sein Joker-Tor zum 2:2 in letzter Minute bei Tabellenführer Burghausen? Das war wichtig. Er wurde auch eingewechselt, als die Eintracht am 11. Mai beim 2:1-Sieg in Hoffenheim den Zweitliga-Aufstieg perfekt machte. Aber die Hauptrollen hatten andere.

Sommer 2002: Ein Mann, ein Wille – viele Tore:

Brahams Aufgabe in Trier scheint schnell beendet zu sein. In der Vorbereitung auf die erste Zweitliga-Saison rückt er bei Trainer Linz in den Hintergrund. Der Tunesier macht Probetrainings in Regensburg und Offenbach – und bleibt dann doch beim SVE. Weil er sich im Training mächtig ins Zeug gelegt hat. „Ich habe mit Willen und Qualität gezeigt, dass ich Stammspieler werden will. Damals habe ich bewiesen, dass ich in die Mannschaft gehöre“, so erinnert sich Braham. Damit überzeugte er nicht nur Paul Linz und die Fans. Als die Eintracht als Aufsteiger die zweite Liga 2002/03 aufmischte, da war Braham plötzlich Hauptdarsteller.  

Oh weh, was passiert hier? Als die Bundesliga für Trier näher rückte.

Vier Spiele, vier Siege. So startete die Eintracht in die Saison 2002/03. Braham traf in allen vier Partien, beim 3:0 gegen Karlsruhe doppelt. Zum sechsten Saisonspiel reisten die Trierer als Tabellenführer nach Oberhausen. Nach der Hinrunde lag die Eintracht auf Platz sieben, Braham hatte bereits zehn Tore erzielt. „Das war der Anfang meiner Karriere, da bin ich richtig aufgeblüht“, sagt er. Nach dem 2:3 im Heimspiel vor 13.000 Zuschauern gegen den 1. FC Köln am 8. Dezember blieb die Eintracht acht Spiele lang ungeschlagen – und spätestens nach dem 1:0-Sieg in Aachen und einem 3:2 bei Eintracht Frankfurt waren die Trierer mit nur noch zwei Punkten Rückstand auf die Aufstiegsplätze ein ernsthafter Bundesliga-Anwärter. Braham hatte sich in Aachen verletzt, er fehlte wochenlang. „Hätten wir gutes Stadion gehabt“, sagt er heute, „dann wären wir damals vielleicht in die Bundesliga aufgestiegen.“ Bundesweit hätte sich seitdem sehr viel in den Stadien getan. „In Trier leider nicht“, kommentiert er: „Und dass die Eintracht seit Jahren in der Oberliga spielt, bricht mir das Herz.“  

Während er bei Eintracht Trier unter Vertrag steht, feiert er einen internationalen Titel.

Braham brachte es in seiner ersten Zweitliga-Saison auf 13 Tore. Auch im Jahr darauf hielt die Eintracht die Klasse – auch ohne einen Treffer von Braham, der das Jahr 2004 trotzdem in bester Erinnerung behalten wird. „Ich bin in der Zeit in Trier Nationalspieler geworden“, erzählt er. Und da erlebte er im Januar 2004 etwas bisher Einzigartiges. Er wurde mit Tunesien Afrikameister – im eigenen Land. Es ist bis heute das einzige Mal, dass die Nordafrikaner den Titel holten. Dass sich das bei der aktuellen Auflage ändern wird, Tunesien steht im Viertelfinale, damit rechnet Braham eher nicht. „Das war ein Riesen-Erlebnis, ich bekomme heute noch Gänsehaut. Es war der schönste Moment in meinem Leben.“ Er habe für die Teilnahme auf manches verzichtet. Etwa auf einen Wechsel im Winter zum FSV Mainz, der wenige Monate später zum ersten Mal in die Bundesliga aufstieg. Najeh Braham blieb bis zum Saisonende in Trier, wechselte dann mit wenig Erfolg nach Erfurt. Beim bitteren Trierer Zweitliga-Abstieg war der Stürmer nicht dabei. Er kehrte aber für ein Jahr nach Trier zurück – trotz seiner zwölf Tore in 24 Regionalliga-Spielen konnte er den Sturz in die Oberliga aber nicht verhindern. Wegen eines Knorpelschadens hatte er die letzten fünf Saisonspiele damals verpasst: „Ich habe die Spieler angefleht: Gebt alles für den Verein!“ Es reichte nicht.

Nach für Braham schwierigen anderthalb Jahren in Siegen dachte wieder Paul Linz an den Tunesier – als Trainer des 1. FC Magdeburg. Wieder schoss Najeh Braham viele Tore, beim FCM hat er heute noch viele Freunde. Und an einem Zweitliga-Aufstieg war er im Jahr 2010 auch noch beteiligt: Mit seinen elf Toren in 25 Spielen half er Erzgebirge Aue bei der Rückkehr in die zweite Liga. Nach einer Knie-Operation im März 2010 machte er dann nur noch fünf Zweitligaspiele für die Sachsen. 

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