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Fußball-WM 2022: Menschenrechte und Tote - was in Katar passiert

Fußball-WM : Menschenrechtsverletzungen, Homophobie und Ausbeutung – Wie ist die Lage zwei Monate vor der WM in Katar?

Die WM in Katar steht seit ihrer Vergabe in der internationalen Kritik. Aber was ist dran an den Vorwürfen? Die Fakten zum anstehenden Fußball-Spektakel.

Immer wieder steht die WM in Katar in der Kritik, wegen unmenschlicher und lebensgefährlicher Arbeitsbedingungen beim Bau der acht Fußballstadien und Infrastrukturprojekte. Im Vordergrund stehen dabei teils skrupellose Baufirmen, die Gastarbeiter aus ärmeren Regionen wie Bangladesch, Indien, Pakistan oder den Philippinen ausbeuten und Menschenrechte mit Füßen treten.

In diesem Artikel finden Sie die wichtigsten Fakten zum Thema Menschenrechte rund um die WM in Katar.

Moderne Sklaverei - Menschenrechte in Katar

Insgesamt arbeiten 2,3 Millionen ausländische Arbeitskräfte in Katar, was 95 Prozent der Arbeitskräfte entspricht. 20.000 davon arbeiten auf den WM-Baustellen im Land.

Organisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch kritisieren seit Jahren die extreme Ausbeutung der Arbeitskräfte auf den Baustellen Katars. Arbeitgeber zögen oft die Pässe ihrer Angestellten ein, würden die Bildung von Gewerkschaften unterbinden oder sie an einem Jobwechsel hindern. Das Ausbleiben von Löhnen sei nicht ungewöhnlich, was im August 2019 zu einem Streik mit über 3.000 Arbeitern führte, die über Monate keine Löhne erhalten hatten.

Tote beim Bau der WM-Stätten in Katar

In zahlreichen Recherchen sollen Arbeiter laut Amnesty International bis zur völligen Erschöpfung gearbeitet haben, ohne freie Tage oder geeignete Schutzmaßnahmen. Bei Temperaturen konstant über 40 Grad hätten sich viele Arbeiter ohne Hitzeschutz zu Tode gearbeitet.

Statistiken der katarischen Behörden zeigen laut Amnesty International, dass zwischen 2010 und 2019 mehr als 15.000 Personen nicht-katarischer Staatsangehörigkeit gestorben sind. Wie viele Tote davon aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen gestorben sind, ist bis heute unklar. Fast 70 Prozent der Todesfälle seien laut Amnesty International nicht untersucht worden. Statistiken zu den Toten gibt es kaum, Informationen werden in Katar entweder nicht erfasst oder nicht nach außen kommuniziert.

Amnesty International fordert von der FIFA Entschädigung für Arbeiter in Katar

In einem offenen Brief fordert Amnesty International die FIFA dazu auf, die ausgebeuteten Arbeiterinnen und Arbeiter in Katar in Höhe des WM-Preisgeldes von 440 Millionen zu entschädigen. Die FIFA werde mindestens sechs Milliarden Euro an der WM verdienen, heißt es in dem offenen Brief. Dass die FIFA Hunderttausende Arbeiter für erlittene Menschenrechtsverletzungen entschädigt, sei daher keine Frage des Könnens – es sei eine Frage des Wollens, sagt Amnesty International. Indem die FIFA Katar den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft erteilt habe, ohne dies an Bedingungen zum Schutz der Arbeitsrechte zu knüpfen, habe der Fußballverband zu erheblichen Verstößen gegen Menschenrechte beigetragen.

LGBTQ+ in Katar

In dem islamisch geprägten Emirat sind Homosexualität und Sex außerhalb der Ehe verboten. Wer Sex mit einer gleichgeschlechtlichen Person hat, muss mit einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren rechnen. Sodomie ist ebenfalls strafbar. Eine Möglichkeit von LGBTQ-Mitgliedern sich in Katar frei zu entfalten, gibt es laut der Organisation Human Rights Watch nicht, weshalb viele in der Vergangenheit aus Katar geflüchtet seien, da sie um ihr Leben fürchteten.

Gemäß der eigenen Statuten bekennt sich die FIFA zu den international geltenden Menschenrechten und verbietet Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung. Mit der WM in Katar bewegt sich die FIFA jedoch auf sehr dünnem Eis. Während sich Katar selbst als gastfreundliches und tolerantes Land inszeniert, warnte der Turnierchef Nasser Al-Kather in einem CNN-Interview: Katar sei konservativ, was offen gezeigte Zuneigung in der Öffentlichkeit angehe, so Al-Khater. Fans müssten dies respektieren, und dementsprechend zurückhaltend sein. Zur Sicherheit von Personen der LGBTQ-Community während der WM in Katar bleiben von Seiten katarischer Behörden viele Fragen unbeantwortet.

Die Regenbogenflagge als Streitpunkt bei der WM in Katar

Ein möglicher Eskalationspunkt bei der WM könnte bereits das zeigen von Regenbogenflaggen sein. Während die FIFA beteuert, dass alle Menschen bei der WM willkommen sind und innerhalb der Stadien die Regeln der FIFA gelten würden, warnte der katarische Sicherheitsvorsitzende der WM Abdulaziz Abdullah Al Ansari vor dem Zeigen der Regenbogenflagge. In einem Interview mit der Agentur Associated Press (AP) sagt Al Ansari, man werde Regenbogenfahnen zum Schutz der Personen abnehmen. Die Sicherheit der Fahnenträger vor Attacken könne man nicht garantieren. Die Meinungen der LGBTQ-Mitglieder sollten dort demostriert werden, wo sie akzeptiert seien, sagt Al Ansari.