Ein "Kafi" für die "Nati"

Drei Teilnahmen, drei frühe Knockouts — die bisherige Bilanz der Schweizer bei Fußball-Europameisterschaften ist wenig berauschend. Erwin Hänsli hofft diesmal auf ein besseres Abschneiden. Der Wahl-Eifeler aus der Nähe von Luzern zeigt gerne, dass sein Herz für die Eidgenossen schlägt.

Idenheim. Die Schweiz hat viele Exportschlager. Leckeren Käse zum Beispiel. Oder Uhren. Augenscheinlich gehört auch die Schweizer Fahne dazu. Erwin Hänsli zumindest ist eine Flagge abhanden gekommen. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 hatte er sie an seinem Haus in Idenheim (Kreis Bitburg-Prüm) gehisst. Eines Tages war sie weg.
"Ich dachte zuerst, es wäre ein Spaß und jemand würde sie mir kurze Zeit später wieder bringen. Doch sie blieb verschwunden. Bis heute", sagt der 47-Jährige, der in der Nähe von Luzern geboren und aufgewachsen ist, ehe er der Liebe wegen 1998 in die Eifel ausgewandert ist.
Für die anstehende Europameisterschaft hat er sich eine neue Fahne besorgt. Fußball spielt eine große Rolle im Leben der Familie Hänsli, zu der neben Erwin Ehefrau Monika, drei Kinder und ein Hund gehören. "Fußball ist der einzige Grund, zu Hause am Fernseher zu bleiben", sagt Erwin Hänsli, der ansonsten ein Tausendsassa ist. Der gelernte Bäcker und Konditor arbeitete auch schon als Koch. Aktuell ist er in Luxemburg als Haustechniker beschäftigt.
In Deutschland hat er den Jagdschein gemacht, zudem ist der Fan des FC Luzern und von Borussia Dortmund Ausdauersportler. Bei Bergläufen trotzte er wund gescheuerten Füßen, beim Luxemburg-Marathon Ende Mai wird er in einer Teamstaffel am Start sein. "Ich bin konditionell schon immer auf der Höhe. Mein Fußweg zur Schule war früher drei Kilometer lang", sagt Hänsli, der seine Kindheit auf einem Bauernhof auf einer Alm verbracht hat. Als 16-Jähriger kam er zum Fußball - das reichte, um noch in der Kreisliga Fuß zu fassen.
Hänsli fühlt sich in Deutschland vollends integriert. Er vermisst lediglich mehr Schnee im Winter und damit die Möglichkeit, öfters Ski zu fahren. Sobald er jedoch auf Heimatbesuch ist, bricht auch der Schweizer in ihm wieder durch: "Direkt nach der Grenze verfalle ich ins Schwyzerdütsch", sagt Hänsli.
Auch bei Fußball-Welt- und Europameisterschaften gibt's nur Rot und Weiß. Dann verfolgt er die Spiele der Schweizer "Nati" mit Landes-Käppi und Schal auf dem Sofa, das nach eigener Aussage nur aus Zufall ebenfalls (dunkel-)rot ist. 2006 besuchten die Hänslis das WM-Trainingscamp der Eidgenossen in Bad Bertrich, in Luxemburg waren sie 2009 Augenzeuge der Schweizer 3:0-Revanche für die schmerzliche 1:2-Heimniederlage in der WM-Qualifikation gegen das Großherzogtum rund ein Jahr zuvor.
In der EM-Gruppe A trifft die Schweiz auf Gastgeber Frankreich, Rumänien und Albanien. "Die Gruppe ist machbar. Die Schweiz hat viele gute Einzelspieler", blickt Hänsli den Partien optimistisch entgegen. Vor allem das Duell mit Albanien werde jedoch "brenzlig" - nicht nur wegen des Bruderduells Grani Xhaka (spielt für die Schweiz) und Laurant Xhaka (Albanien).
Die Schweiz hat aus Sicht von Hänsli das Zeug fürs Achtelfinale. Im Fall des Weiterkommens in die K.o.-Phase des Turniers will sich Hänsli zur Feier des Tages einen "Luzerner Kafi" gönnen. Dabei handelt es sich um einen dünnen Kaffee mit Schnaps und Zucker, der im Kaffeeglas serviert wird. Eine Spezialität, die (noch) nicht zu den Schweizer Exportschlagern gehört.Extra

Am 10. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Der TV stellt im Vorfeld die 24 Teilnehmernationen vor. Dazu treffen wir uns mit Landsleuten, die in der Region Trier verwurzelt sind. Bei einem landestypischen Essen oder Getränk plaudern wir über Land und Leute - und Fußball. Heute geht's um die Schweiz - mit Erwin Hänsli. Alle bisher erschienenen Serienteile gibt's online: www.volksfreund.de/em