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Klausen: Talent aus Wittlicher Land mit Omnipräsenz in Kaiserslautern

Fußball : Klausener mit Omnipräsenz in Kaiserslautern

Weil die Schule derzeit Vorrang hat, konnte Fußballtalent Maurice Neukirch zuletzt in der Oberligaelf des FCK kaum mitwirken. Warum er rund um den Betzenberg trotzdem allgegenwärtig ist, und welche Ziele das 19-jährige Talent aus dem Wittlicher Land hat.

Ein entschlossener Blick voller Wille und Leidenschaft, das Feuer in den Augen – das alles unter dem Motto „Betze ist Kampf“.  Mit der Rückkehr als Hauptsponsor des 1. FC Kaiserslautern startete die Firma Dr. Theiss Naturwaren mit ihren Produkten von Allgäuer Latschenkiefer zu Beginn der neuen Drittligasaison eine Marketingkampagne. Im Mittelpunkt steht dabei das Gesicht von Maurice Neukirch, dem aus Klausen (Kreis Bernkastel-Wittlich) stammenden Mittelfeldspieler der U21 des FCK, die gemeinsam mit Eintracht Trier und dem FSV Salmrohr in der Nordgruppe der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar konkurriert.

Von Bussen und Plakaten in und um Kaiserslautern sowie auf Posts im Internet prangt das Konterfei des 19-Jährigen. „Das ist eine Ehre und macht mich stolz“, bekennt Neukirch.

Irgendwann im Sommer habe er einen Anruf von der FCK-Marketingabteilung erhalten. „Sie haben mich gefragt, ob ich bereit wäre, für die Kampagne mit Allgäuer Latschenkiefer zur Verfügung zu stehen.“ Mit seinen Eltern Silke und Frank – aktuell Trainer des Mosel-B-Ligisten SV Klausen und früher Regional- und Oberligaspieler in Salmrohr, Wittlich und Klausen – fuhr er zum Fotoshooting nach Kaiserslautern. Zwei Teamkollegen aus der U21 waren auch dazu eingeladen worden: „Eigentlich dachte ich, dass wir zusammen die Gesichter der Werbekampagne sein würden, bis ich nach den ersten Aufnahmen erfuhr, dass ich mich in einem Auswahlverfahren befunden hatte und sie mich als alleinigen Werbeträger ausgesucht hatten.“ Offenbar wirkte Neukirch am fotogensten.

Zum  Hintergrund der Werbekampagne erklärt FCK-Pressesprecher Stefan Roßkopf auf TV-Anfrage: „Unser Partner wollte dafür einen Spieler der U21. Zum einen, weil Allgäuer Latschenkiefer auch Partner unseres Nachwuchses ist, zum anderen wollte man keinen Profi nehmen, da die Kampagne dann immer mit einem Spieler verknüpft wird. Man wollte also eine neutrale Person, die allgemein für den FCK und nicht für einen bestimmten Akteur steht. Unter mehreren fiel die Wahl dann letztlich auf Maurice.“

Fußballerisch fehlte Neukirch zuletzt aber die Präsenz bei den Roten Teufeln, zu denen er 2013 als D-Jugendlicher gemeinsam mit dem heutigen Salmrohrer Hendrik Thul von Eintracht Trier (war drei Jahre beim FCK aktiv, ehe er zurückging) gewechselt war. Auf ganze zwei Einsätze mit neun Minuten bringt es der einst als Stürmer gestartete, später zum Innenverteidiger umfunktionierte und nun am liebsten ob seiner Übersicht und Kampfkraft auf der Sechs agierende Neukirch in dieser Saison. Doch die fehlende Berücksichtigung durch FCK-II-Trainer Alexander Bugera hat einen guten Grund. Mitte Januar stehen die Abiturprüfungen am Trierer Max-Planck-Gymnasium (MPG) an: „Ich bin mit Sportdirektor Boris Notzon so verblieben, dass ich nur einen reduzierten Trainingsaufwand fahre und dann zur Wintervorbereitung im Januar wieder voll einsteige.“

Bei dem großen Konkurrenzkampf im Talentschuppen der Roten Teufel blieb ihm da zwangsläufig zuletzt meist nur die Rolle des Bankdrückers. Sein Vertrag beim FCK ist zunächst bis Mitte kommenden Jahres befristet, kann aber sowohl von ihm, wie auch vom Verein per Option um gleich zwei weitere Spielzeiten verlängert werden. „Nach der Schule will ich mich zunächst voll auf den Fußball konzentrieren, auch von Klausen nach Kaiserslautern umziehen und es zu den Profis packen – am allerliebsten bei meinem Herzensverein, dem FCK“, betont er.

Oft nahm Neukirch, der als Vorbild den 2014er Weltmeister und früheren FC-Bayern-Star Bastian Schweinsteiger nennt („Sein Wille, seine Leidenschaft und seine Mentalität haben mich beeindruckt.“) während der ersten Wochen in der neuen Saison nur an knapp der Hälfte der Übungseinheiten im Lauterer Nachwuchsleistungszentrum am wenige Kilometer vor der Stadt gelegenen Fröhnerhof teil. Ansonsten konzentrierte er sich aufs Lernen.

Der Besuch des als „Eliteschule des Sports“ ausgewiesenen Lauterer Heinrich-Heine-Gymnasiums hätte Neukirch womöglich mehr Zeit für den Fußball gelassen. Doch am Trierer MPG, wo er als Fünftklässler einst in die Sportklasse einstieg, fühlt er sich „einfach total wohl“. Auch hier nehme man Rücksicht auf sein fußballerisches Engagement. „Wenn es da mal zu Fehlzeiten kommt, kann ich das nacharbeiten – die Schule ist da sehr kooperativ.“

Wie viel Zehntausende Kilometer er mit dem FCK-Fahrdienst, aber auch dank des Engagements seiner Eltern und Opa Eberhard Zimmer im Laufe der vergangenen siebeneinhalb Jahre von Klausen nach Kaiserslautern zurückgelegt hat, weiß Neukirch nicht genau. Die Entbehrungen sind groß. Wenn Kumpels am Wochenende mal feiern gehen, muss er sich auf das nächste Spiel vorbereiten.

Doch der klare Plan, es zu den Profis zu schaffen, treibt ihn an. Und Neukirch weiß zu kämpfen. Im ersten B-Jugendjahr zog er sich gleich zu Beginn einen Bruch des Sprunggelenks zu. Monatelang fiel er aus, biss sich dann aber wieder rein, um im zweiten A-Jugendjahr vergangene Saison nicht nur zum Stammspieler, sondern auch zum Co-Kapitän zu avancieren. 

In den pathetischen Worten der FCK-Werbekampagne mit dem Hauptsponsor heißt es unter anderem „(…) In der ‚Hölle auf dem Betzenberg‘ ist das Feuer nicht erloschen. Die lodernden Flammen mögen aktuell an Kraft verloren haben, aber die Glut ist noch lange nicht aus (…)“.

Mit dem Abitur in der Tasche würde Neukirch nur allzu gerne auf dem Platz seinen Teil dazu beitragen, dass es wieder aufwärts geht mit dem traditionsreichen 1. FC Kaiserslautern.

 Maurice Neukirch
Maurice Neukirch Foto: FCK

Zunächst weiß er aber, dass er sich mühsam ins U21-Team kämpfen muss. Als Werbeträger der großangelegten FCK-Kampagne sieht er sich da besonders in der Pflicht.