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Trier/Luxemburg: Turbulente Zeiten für Europacup-Helden

Fußball : Turbulente Zeiten für Europacup-Helden

Mit F91 Düdelingen schrieb Dominik Stolz Luxemburger Fußballgeschichte. Warum es für den Profi bei seinem aktuellen Club noch nicht so läuft.

An den Erfolgen auf internationaler Bühne lässt Dominik Stolz seine virtuelle Fangemeinde auf Facebook ab und an noch einmal in dieser tristen fußballlosen Zeit teilhaben: Der 30-Jährige postet Ausschnitte der Highlight-Spiele mit seinem damaligen Club F91 Düdelingen. In den vergangenen beiden Saisons hat der gebürtige Mittelfranke mit dem Luxemburger Serienmeister jeweils in der Gruppenphase der Europa League mitgemischt. Klangvolle Namen wie der AC Mailand, der FC Sevilla und Olympiakos Piräus hießen da unter anderem die Gegner. Inklusive Qualifikationspartien gelangen dem offensiven Mittelfeldspieler hier in 27 Einsätzen sechs Treffer und fünf Vorlagen. An den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer vor ziemlich genau zwei Jahren, am 29. November 2018 im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion, denkt Stolz besonders gerne zurück. „Wir hatten einfach eine Topmannschaft und gerade beim ersten Mal mit Dino Toppmöller einen klasse Trainer. Mit Glück hatte das sicher nichts zu tun. Gleich zwei Mal so weit zu kommen, waren aus Luxemburger Sicht vielleicht sogar Erfolge für die Ewigkeit“, erinnert sich Stolz.

Während der inzwischen als Co-Trainer bei Bundesligist RB Leipzig tätige Toppmöller im Sommer vergangenen Jahres Düdelingen zunächst in Richtung des belgischen Zweitligisten Excelsior Virton (wegen wirtschaftlicher Probleme inzwischen in die Amateurliga zurückgestuft) verließ, folgte Stolz Mitte dieses Jahres dem Ruf von Mäzen Flavio Becca. Der Luxemburger Baulöwe und Multi-Unternehmer lotste einige Leistungsträger von Düdelingen (darunter auch den Ex-Trierer Tom Schnell) zu jenem Club, auf dessen Unterstützung er sich konzentrieren will – den Erstligaaufsteiger FC Swift Hesperingen.  

Turbulente Phasen hat der Club vom Südrand der Stadt Luxemburg seit Saisonbeginn mitgemacht. Der von Ligakonkurrent Fola Esch verpflichtete Ex-Bundesligaprofi Jeff Strasser (Stolz: „Ein Mann mit überragendem Fachwissen. Er hat einen super Job gemacht.“) trat bereits Mitte Oktober zurück – offiziell aus persönlichen Gründen. Doch auch die große Ungeduld Beccas nach dem durchwachsenen Start (aktuell belegt man mit zwölf Punkten aus acht Spielen den sechsten Rang der BGL-Ligue) und die finanziellen Unregelmäßigkeiten in Hesperingen mit der damit verbundenen Unruhe in Spielerkreisen dürften eine Rolle gespielt haben. „Es gibt Verzögerungen bei den Zahlungen. Der Verein will das schnellstmöglich klären“, lässt Stolz durchblicken. Ins Detail dürfen die Spieler nach einer Vorgabe des Vereins bei diesem Thema nicht gehen. Zweifel an der (kurzfristigen) finanziellen Potenz Beccas halten sich aber schon seit einiger Zeit in Luxemburg.

Zum Chaos in Hesperingen, das Becca nur allzu gerne so schnell wie möglich im internationalen Wettbewerb sähe, passt, dass Strassers Nachfolger Pascal Carzaniga nur wenige Wochen nach Amtsantritt schon wieder aufhören wollte. Wenige Tage später machte er dann aber einen Rückzieher und blieb. Kurz zuvor hatte der Club einige ausstehende Gehälter zahlen können.

Stolz’ Vertrag in Hesperingen ist bis Mitte 2022 datiert. Danach kann sich der siebenfache Zweitligaspieler des SV Sandhausen (Saison 2015/16) auch ein Engagement in Deutschland oder in Belgien vorstellen. „Ich bin offen für alles. Mein Lebensmittelpunkt soll aber weiter in Luxemburg bleiben.“ Mit seiner luxemburgischen Freundin Geraldine zog er erst im Sommer aus Trier-Feyen in ein eigenes Haus nach Bridel, das nur wenige Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt entfernt ist.

Nach sieben Einsätzen mit zwei Toren in der laufenden Spielzeit musste der durchsetzungsfreudige Offensivmann zuletzt passen: Ein Sehnenanriss im Oberschenkel zwingt ihn zum Pausieren. Mitte Dezember, wenn im Großherzogtum das Mannschaftstraining wieder erlaubt sein soll, will er ins Team zurückkehren, ehe es nach der aktuellen Corona-Unterbrechung am zweiten Januar-Wochenende in Luxemburg wieder um Punkte geht – so zumindest der momentane Plan.

Dann möchten Stolz und Swift Hesperingen im Kampf um die internationalen Startplätze Boden gutmachen. Nur allzu gerne würde Stolz schließlich seiner Facebook-Gemeinde noch weitere Spiele auf europäischer Ebene  präsentieren.