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Kunstradfahren
Die Weltspitze zu Gast in Trier

Norbert Krewer (links) und Jürgen Steuer erinnern sich gerne an die Deutsche Meisterschaft 1991 in Trier und die alten Zeiten beim RV Germania Zewen zurück. Ihr Archiv hält viele Bilder und Zeitungsartikel bereit.
Norbert Krewer (links) und Jürgen Steuer erinnern sich gerne an die Deutsche Meisterschaft 1991 in Trier und die alten Zeiten beim RV Germania Zewen zurück. Ihr Archiv hält viele Bilder und Zeitungsartikel bereit. FOTO: TV / Mirko Blahak
Trier. Im September 1991 richtete der RV Germania Zewen in der Mäusheckerweghalle die Deutsche Meisterschaft im Hallenradsport aus. Der ehemalige Geschäftsführer und der Ex-Kunstradsportfachwart erinnern sich an zwei Tage mit Topsport und Bierknappheit. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Die Mappe von Jürgen Steuer zeugt von der guten, alten Kunstradfahrzeit. Eine Fülle von alten Zeitungsartikeln aus dem Trierischen Volksfreund belegen, wie erfolgreich die Kunstradfahr-Abteilung des RV Germania Zewen in den 1980er und 90er Jahren war. Zwei ehemalige Vorzeige-Sportler: Wolfgang Bayer, Rheinland- und Rheinland-Pfalz-Meister, sowie Astrid Bergmann, die ebenfalls überregional von sich reden machte.

„Wir hatten zur Hoch-Zeit zwölf bis 15 Aktive. Sechs, sieben von ihnen waren regelmäßig bei Wettbewerben dabei“, berichtet der heute 78-jährige Steuer, damals Kunstradsportfachwart beim RV Germania.

Ein Höhepunkt in der Abteilungsgeschichte: 1991 richtete Zewen die deutsche Hallenradsport-Meisterschaft aus. Am Start war damit gleichzeitig die Weltspitze. „Das war schon eine Ausnahme, dass wir die Meisterschaft bekommen haben. Wir hatten einen guten Namen“, erinnert sich Norbert Krewer, seinerzeit Geschäftsführer beim RV Germania Zewen und heute Vorsitzender des Radsportverbands Rheinland. Bei der Hauptversammlung des Bunds Deutscher Radfahrer hatte der Verein seine Bewerbung präsentiert. „Das war eine aufwendige Sache. Zum Glück hatten wir gute Gespräche mit der Stadt, um die Mäusheckerweghalle als Austragungsort zu bekommen“, sagt Krewer.

Von wegen Zirkus ...: So berichtete der Trierische Volksfreund am 23. September 1991 über die Deutsche Meisterschaft im Hallenradsport in Trier.
Von wegen Zirkus ...: So berichtete der Trierische Volksfreund am 23. September 1991 über die Deutsche Meisterschaft im Hallenradsport in Trier. FOTO: TV / privat

Am 20. und 21. September 1991 war es dann so weit. An die 600 Teilnehmer in den Einzel- und Teamwettbewerben reisten an. Auf dem Programm standen Kunstradfahr-Entscheidungen im Einer, Zweier, Vierer und Sechser sowie ein Radball-Turnier. „Die Radball-Tore mussten wir uns in Saarbrücken besorgen und mit einer Spedition liefern lassen. Und die Bälle bezogen wir direkt vom Hersteller – als Gegenleistung bekam er eine Werbebande in der Halle. Es gab im Rheinland keine Radballabteilung mehr, deshalb dieser Aufwand“, berichtet Krewer.

Die Publikumsresonanz empfand er als erstaunlich: „Es waren an beiden Tagen jeweils mehrere Hundert Zuschauer in der Halle. Sie kamen teilweise mit Bussen und haben eine Wahnsinnsstimmung gemacht.“

Finanziell war die Deutsche Meisterschaft für den RV Germania einträglich. „Wir hatten Werbebanden ohne Ende und ein Festzelt hinter Halle, in dem nach den Wettbewerben kräftig gefeiert wurde. Unser damaliger Vorsitzender Wolfgang May war bei der Königsbacher Brauerei beschäftigt und hat dafür gesorgt, dass wir am Abend des zweiten DM-Tags den nötigen Biernachschub bekamen. Und ich habe zu Hause noch eine Kiste Sekt organisiert, die wir verkaufen konnten“, blickt Krewer zurück.

Nach der Meisterschaft erlebte die Kunstradfahr-Abteilung des RV Germania einen (kleinen) Aufschwung. 1995 war jedoch Schluss. Die Abteilung musste dicht machen. „Irgendwann fehlte uns ein Trainer, und wir haben keinen neuen gefunden. Es ist traurig, dass es so gekommen ist“, sagen Steuer und Krewer. Die Erinnerung an bessere Zeiten kann ihnen jedoch niemand nehmen.