Die Bürgermeister-Brüder

Die Bürgermeister-Brüder

Politikverdrossenheit? Wahlmüdigkeit? Gemeinden, die keinen Ortsvorsteher mehr finden? Das Eifeldorf Meckel hält die Fahne hoch: Die dort beheimatete Familie Junk stellt gleich drei amtierende Bürgermeister. Das dürfte in Deutschland einzigartig sein: Im 400-Einwohner-Ort Meckel stellt eine einzige Familie gleich drei amtierende Bürgermeister.

Zwei von ihnen sind ehrenamtliche Ortsbürgermeister, der dritte im Bunde ist hauptamtlicher Verwaltungschef einer Verbandsgemeinde (VG) mit 72 Ortsgemeinden und rund 25 000 Einwohnern. Die Amtssitze der Kommunalpolitiker liegen in einem Radius von unter 15 Kilometern. Und die drei Brüder gehören nicht etwa ein und derselben Partei an.

Josef Junk (61) ist 2010 zum ersten "roten" Bürgermeister der VG Bitburg-Land gewählt worden (inzwischen, nach der Fusion mit Kyllburg: VG Bitburger Land). Johannes Junk (59), seit gut zehn Jahren Ortschef in Meckel, sitzt schon ebenso lange als Vorsitzender der Freien Wähler (FWG) Bitburg/er Land im Rat derselben VG. In gar keiner Partei, "nach allen Seiten offen", ist Heinz Junk, mit 63 der älteste der drei Bürgermeister-Brüder. Er leitet seit 21 Jahren die Geschicke in der Meckeler 1000-Einwohner-Nachbargemeinde Wolsfeld.

Was muss passieren, damit eine Eifeler Familie gleich drei kommunale Politikerkarrieren hervorbringt? Die Antwort fällt so unspektakulär aus, wie normalerweise das Leben in Meckel abläuft - wenn nicht gerade der Bundespräsident im Hubschrauber auf der Dorfwiese landet (1989 Richard von Weizsäcker) oder Meckel Bundessieger im Dorfwettbewerb wird (1991).

Wie also gerät man auf die politische Spur? "Über das Vereinsleben." Heinz Junk war lange Jahre Spieler, Trainer, Jugendleiter und Kassenwart des SV Wolsfeld, sein Bruder Josef spielte Fußball in Alsdorf, Wolsfeld und bei Eintracht DIST und ist immer noch im Angelverein DIST aktiv. Im knapp 500 Einwohner zählenden Nachbardorf Idenheim kam er einst "als Zugezogener" in den Gemeinderat - und wurde Ortsbürgermeister. 15 Jahre lang hat Josef Junk den Job gemacht - neben seinem eigentlichen Beruf als Polizist: 39 Jahre lang, "von unten auf durchgedient" und am Ende Dienststellenleiter - "das war ja auch nicht schlecht." Mitte der 1990er Jahre hat er "das Parteibuch vom Pap übernommen" - und dann 2010 als erster SPD-Kandidat die Wahl zum VG-Bürgermeister gewonnen.

Hört!, hört! - der Vater also. Hermann Junk (1928-2011) war ab Juli 1969 knapp eineinhalb Jahre lang für die SPD Mitglied der damaligen Amtsvertretung Bitburg-Land. Sohn Josef: "Zu der Zeit in der SPD zu sein, das war schon allerhand - und in einem CDU-Dorf nicht immer einfach." Dazu passt: Trotz der heutigen parteilichen Nuancen sind die Bürgermeister-Brüder "im Herzen alle eher rot." Und noch etwas hat geprägt: die soziale Lage. Josef Junk: "Wir sind nicht in reichen Verhältnissen groß geworden …" Das ist heute überstanden, aber nicht vergessen. Josef Junk zur Parteipolitik: "Sie spielt in meiner Arbeit als Bürgermeister keine Rolle." Was auch daheim gilt: Wir sind keine politische Familie. Manche Leute meinen vielleicht: Die machen jetzt sicher Politik. Aber im Gegenteil: gar nix."

Ach ja: "Wir haben ja auch ein schwarzes Schaf", konstatiert Heinz Junk. Gemeint ist Schwester Erna. Sie war Anfang der 1990er Jahre Chefin des Bitburger CDU-Stadtverbands. Da wird sie von den Brüdern gewiss gelegentlich aufgezogen, oder? Josef Junk: "Nein, gar nicht. Als überzeugte CDU-Frau hat sie mich im Wahlkampf am meisten unterstützt." Bei Familie Junk zählt der große Zusammenhalt. So werden alle Geburtstage gefeiert - mit Mutter Katharina "Käthi" Junk, lange Jahre Vorsitzende der Meckeler Frauengemeinschaft. Dann schenkt Eifel-Premium-Brenner Heinz Junk auch schon mal seine edlen Erzeugnisse aus.Fast wären es vier geworden


Was ist den Bürgermeister-Brüdern wichtig? Johannes Junk legt als Meckeler Ortschef Wert darauf, "dass jeder im Gemeinderat eine besondere Aufgabe übernimmt". Ach ja: Meckel steht auch wieder im Dorfwettbewerb und hat nacheinander den Kreis-, Bezirks- und Landesentscheid gewonnen (2014). Fehlt nur noch der erneute Bundessieg.
Josef Junks Hauptziel: "Dass die VG nach der Fusion zusammenwächst." Heinz Junk würdigt den Rückbau der Wolsfelder Europastraße: "Da sind wir innerhalb der Kosten geblieben."

So walten die drei Bürgermeister-Brüder in Ruhe ihres Amtes. Alle drei sind seit vielen Jahren der deutsch-polnischen Freundschaft mit Klein-Strehlitz verbunden, "eine der besten in Rheinland-Pfalz. Darüber müsste die Zeitung noch viel mehr berichten!" Apropos Zeitung: Alle drei Junks haben in jungen Jahren den Volksfreund ausgetragen - "in der Regel vor der Frühmesse". Johannes Junk: "Damit habe ich mir mein Fahrrad verdient." Das dann "völlig verbogen" war, nachdem Josef damit einmal "voll in den Hang mit den Brennnesseln reingefahren ist."

Jahrzehnte später wird nun ab und an auch mal ein gemeinsamer dienstlicher Termin zum Familientreffen. "Da gibt es eine Szene von uns, bei der wir alle drei in Uniform waren", erinnert sich Johannes Junk -"leider gibt's davon kein Foto". Schwingt da etwa eine Spur Stolz mit? Heinz Junk, ältester der drei Bürgermeister-Brüder, fängt das mit trockenem Humor ab: "Wir hätten ja beinahe vier gehabt. Unser jüngster Bruder Andreas wollte eine Baustelle in Kaschenbach haben - aber der Kaschenbacher CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen hat ihm keine verkauft. Da hat sich Andreas dann doch für Meckel entschieden. Und da ist ja schon ein Junk Bürgermeister." Extra

Auch in der "großen Politik" machen Brüder Karriere. So haben etwa in Deutschland die Brüder Hans-Jochen und Bernhard Vogel über Jahrzehnte hinweg hohe politische Ämter ausgefüllt. Bernhard Vogel (82) war CDU-Landeschef und Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und Thüringen, sein Bruder Hans-Jochen (89) Bundesjustizminister und Bundesvorsitzender der SPD. Oder das Beispiel Polen: Dort bekleideten kurze Zeit die Zwillingsbrüder Kaczynski höchste Ämter: Lech als Staatspräsident, Jaroslav als Regierungschef. Amerikas berühmteste Brüder stellte der Kennedy-Clan - und zwar mit John F. (Präsident) und den Senatoren Robert und Edward sogar drei. Allerdings: Sie waren nicht zeitgleich in Amt und Würden. -pf.