"Die Welt ins Haus holen"

"Die Welt ins Haus holen"

TRIER. Preise vergleichen, mitreden können, auf dem Stand der Technik bleiben, mit Familie und Freunden weltweit schnell kommunizieren: Das sind häufig die Gründe, wenn ältere Nutzer sich mit Computer und Internet anfreunden. Für viele ist ein Einstiegskurs der erste Kontakt mit dem weltweiten Netz.

"Silver Surfer" werden sie in Medien plakativ genannt. Die Generation von nicht mehr ganz jungen Neueinsteigern, die entweder noch nie etwas mit dem Internet zu tun hatte oder ausschließlich beruflich mit einem Computer arbeitete, ohne im Internet zu surfen. Wie weit gefasst die Alters-Gruppe von möglichen Internet-Neulingen ist, zeigt die bundesweite Initiative "Online-Jahr 50plus - Internet verbindet". Mit diversen Kooperationspartnern - in Trier die Deutsche Angestellten Akademie (DAA) - soll in einzelnen Themenmodulen wie Reisen, Finanzen oder Einkaufen ins Netz geschnuppert werden - Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. AIn manchen Kursen hätten tatsächlich "blutige" Anfänger teilgenommen, die noch nie eine Mouse in der Hand gehabt hatten, sagte Dozentin Silvia Denys. Dennoch habe der erste Einstieg geklappt - "Die Leute sind wahnsinnig interessiert." Völlige Stille herrscht beim Thema Sicherheit. Die Gruppe der "50plus-Menschen", von denen einige weder in das Senioren-Klischee noch in die "Silver Surfer"-Kiste passen, lauscht hoch konzentriert Denys' ausführlichen Erklärungen. Einen Computer zu Hause hat jeder. "Internet kriegen wir morgen, so Gott will", bemerkt eine Frau. Es geht um Viren und Troyaner, Firewall und automatische Updates. Während eine Frau immer wieder Fragen stellt, bleiben die anderen verdächtig ruhig. "Die vielen englischen Wörter" meint später jemand. "Das muss man nochmal in Ruhe nachlesen", bestätigt eine Frau. Aber es geht ja hauptsächlich darum, einen ersten Eindruck von dem Medium zu gewinnen. Eine Vielzahl von nützlichen und praktischen Tipps gibt Denys den Netz-Neulingen mit auf den Weg, appelliert an ihr Sicherheitsdenken. "Dann fummelt er ständig dazwischen"

"Hat denn jemand ein automatisches Update", fragt Denys in die Runde. Einer hat es installiert, weiß aber nicht, woher. "War wohl der Sohn!" Überhaupt scheint das Vermitteln von Internet-Kenntnissen durch andere Familienmitglieder nicht ganz einfach zu sein. "Wenn mir mein Sohn etwas zeigen will, fummelt er ständig dazwischen, dann kann ich das alles nicht mehr nachvollziehen", sagt eine 57-Jährige. Das Lernen im Kurs sei leichter als mit jungen Leuten, die mit der Technik aufgewachsen seien. "Ich will auf dem neuesten Stand sein, Kosten vergleichen oder Überweisungen machen", sagt ein 64-Jähriger. "Dann brauche ich nicht mehr zu Fuß zur Bank zu gehen." "Dabei ist es doch ganz gut, sich zu bewegen", entgegnet seine Sitznachbarin lachend. Ein ganz anderer praktischer Grund hat eine 65-jährige Triererin zur Teilnahme am Kurs bewogen. Der "blöde" Computer habe sie bislang nicht interessiert, Internet-Surfen sei - noch - Domäne ihres Partners. "Wenn ich damit umgehen kann, werde ich mal gucken, dass mich mein Partner auch an den PC lässt", schmunzelt sie. Dahinterbleiben will sie, es nicht bei den zwei Modulen, die sie belegt hat, bewenden lassen. Das Internet zur Reisevorbereitung zu Hause, Fahrpläne, Zimmerbuchung, Kartenbestellung seien möglich, sagt eine weitere Frau erfreut. Auch sie sieht nicht gerade nach einer silbernen Surferin aus. Ein Folgekurs ist wegen starker Nachfrage bereits ausgebucht. Die DAA bietet ab 17. Januar 2007 einen weiteren Internetkurs mit Blockunterricht an. Anmeldungen und weitere Informationen unter Telefon 0651/9186700.