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Hobby-Detektiv auf Spurensuche

Hobby-Detektiv auf Spurensuche

WASSERLIESCH. Den Stammbaum der eigenen Familie zu erforschen, kann äußerst faszinierend sein. Wie ein Detektiv muss man sich viele Namen mühsam zusammensuchen. Richard Schons aus Wasserliesch schaffte den Nachweis bis zum Jahr 1470 und entdeckte dabei zahlreiche adelige Vorfahren inklusive deren Familienwappen.

"Wir, Ferdinand der dritte, von Gottesgnaden Erwöhlter Römischer Kaiser zu allen Zeitten Mehrer deß Reichs in Germanien, Uüngarn, […]" demnach Johann Conraden von Winterscheidt […] in den Standt und Grad deß Adels zu erheben." Dieses Zitat stammt aus der 1656 in Wien unterschriebenen Urkunde, die diesen Vorfahren mütterlicherseits von Richard Schons in den Adelsstand erhob. Nur durch Zufall hatte er vor ein paar Jahren auf einer Familienfeier eine alte Tante aus Frankreich getroffen, die ihm Kopien von alten Urkunden schickte. Insgesamt tauchen drei adelige Familien in dieser Linie auf. Die erste Eintragung stammt aus dem Jahr 1470 und lautet auf den Namen Klaus Berer. "In Frankreich zu forschen, ist wesentlich einfacher", hat Schons von seiner Tante erfahren, "insbesondere wenn Adel im Spiel ist, kommt man sehr weit zurück, weil darüber Aufzeichnungen erstellt wurden." Einer der Vorfahren soll sogar in der Kathedrale von Reims beerdigt sein. "Ich wollte immer mal einen Ausflug dahin machen, das hat bisher aber noch nicht geklappt", bedauert der Ahnenforscher. Väterlicherseits reicht der Stammbaum bis 1821 zurück. Dieser Zweig der Familie war anscheinend sehr heimatverbunden: Alle Vorfahren lebten und arbeiteten im Umkreis von 20 Kilometern von der kleinen Gemeinde Fisch bei Saarburg, in der er auch selbst geboren wurde. Ältere Daten konnten nicht mehr aufgefunden werden. "Meine persönliche Vermutung ist, dass in der Herrscherzeit von Napoleon viele Kirchen geplündert und dadurch alte Aufzeichnungen zerstört wurden." Bei seinen Nachforschungen hat sich Richard Schons insbesondere auf alte Kirchenbücher und Datenblätter von Ortsgemeinden gestützt. Auch die notwendigen Ariernachweise während des Dritten Reiches lieferten viele Namen. Erfolgversprechend sind auch alte Arbeitgeberlisten oder Vereinsregister. "Ich habe außerdem viele Friedhöfe hier in der Gegend abgeklappert und auch einige alte Gräber von Vorfahren gefunden." Da aber früher auf den alten Grabsteinen oft nur das Sterbedatum eingemeißelt wurde, ist es heute nicht mehr möglich, das genaue Geburtsdatum einiger Vorfahren zu ermitteln. Fündig wurde er auch in einem Gebetbuch seiner Oma, in dem noch einige alte Totenzettel lagen. "Besonders kniffelig war der Umstand, dass zwei Brüder zwei Schwestern geheiratet hatten", so der "Hobby-Detektiv". Bei der Auswertung aller Daten konnte er feststellen, dass sehr viele Frauen bei der Geburt des vierten oder fünften Kindes starben. Die Männer heirateten dann oft ein zweites Mal und hatten in dieser Zweitehe nochmals mehrere Kinder. 1200 Namen hat Richard Schons in den letzten zwölf Jahren zusammengetragen. Im Moment ist er dabei, vorhandene Lücken zu schließen und eine große Ahnentafel mit Fotos zu erstellen.