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Die Grenzen des Wachstums

Die Grenzen des Wachstums

Klima

Zur Berichterstattung über den Weltklimagipfel in Bonn:
In unserem Zeitalter muss alles auf einmal geschehen. Wir haben teilweise den Sinn für die Realität verloren. Seinerzeit musste die Atomenergie von heute auf morgen geregelt werden. Sie wurde durch Solar- und Windenergie ersetzt. Es wurden viele Windräder in alle möglichen Bereiche gesetzt, ohne zu berücksichtigen, wie der Strom an den Verbraucher gebracht wird. Dabei wurde viel Natur verschandelt und das eigentliche Ziel verfehlt.
Nun ist die Kohle in den Fokus geraten, diverse Politiker verlangen einen sofortigen Ausstieg, was auch viel Schaden bedeuten würde. Angela Merkel wird angegriffen, weil sie keinen Ausstiegstermin beim Weltklimagipfel genannt hat. Das konnte sie auch gar nicht, weil unklar ist, wer Deutschland künftig regiert. Beim Flüchtlingsproblem wurde sie heftig für die vorschnelle Lösung attackiert, jetzt wird dies bei der Kohle gefordert. Was wollen wir eigentlich? Überlegte und durchgeplante Aktionen oder nur Hauruck, was dann wieder im Fiasko endet?!
Die Politiker sollten daran denken, dass sie vom Volk gewählt wurden und im Sinne des Volkes handeln müssen. Manchmal hat man den Eindruck, dass es ihnen in erster Linie um das eigene Wohl geht und nicht um das ganze Volk.
Deutsche Tugenden nach dem Krieg waren: Ehrlichkeit, Fleiß, Zuverlässigkeit und gegenseitiges Helfen (wie wunderbar). Dazu sollten jetzt Sachlichkeit und Gelassenheit kommen, dann wären wir bereits nahe am Erfolg.
Josef Bach
Birresborn

Viele Aktivisten aus 200 Ländern trafen sich in Bonn mit dem Ziel, die Welt zu retten. Zu Anfang des Klimagipfels verkündete der deutsche (Noch-)Außenminister, Klimaschutz dürfe den industriellen Erfolg nicht gefährden. Das heißt im Klartext: Ihr seid umsonst nach Bonn gekommen. Ich nenne nur eine Position jener Todsünden-Liste, die weder 2015 in Paris noch 2017 in Bonn auf den Tisch durfte: Wenn eine Dose Gemüse in Bangladesch zehn Cent billiger produziert wird und der Transport über 15 000 Kilometer Seeweg in einem der 12 000 Container auf dem Schiff drei Cent kostet, bleiben sieben Cent, die heimische Landwirtschaft zu unterbieten, und der Frachter verursacht mit unversteuertem Schweröl mehr klimaschädliche Emissionen als fünf Millionen Autos auf gleicher Entfernung.
Mehr und mehr wird beim Auto die Abgas-Emission ein Verkaufsargument. Die Zahlen sind nicht zu halten, und es wird in großem Stil gelogen. Die Konsequenzen dieser Massenlüge zeigen auf, wie tief sich Politik und Justiz vor der Industrie verneigen. Weltweit ist Klimaschutz für die großen Entscheidungsträger in Politik und Industrie eine unverdauliche Kost. Bevor diese Halbgötter Schrammen an ihrer Karriere zulassen, verführen sie eher die Gesellschaft mit rhetorischen Kunstgriffen, an jenem Ast weiterzusägen, auf dem unsere Kinder sitzen.
Die Daten der Zukunft müssten den Charakter von Schrumpfung in sich tragen. Das würde bedeuten, dass die Repräsentanten der Statussymbole nicht mehr sicher sind, ob sie von der Gesellschaft bewundert oder geächtet werden.
In absehbarer Zeit wird das scharfe Schwert der Industrie - Abbau von Arbeitsplätzen - stumpf sein, und die Argumente ihrer Lobbyisten hängen wie Segel bei Flaute schlapp nach unten. Dann ist jene Zeit gekommen, in der Taxifahrer, Omnibusfahrer, LKW-Fahrer, Fließbandarbeiter, Buchhalter und andere nur noch in bescheidenem Maß gebraucht werden, und auf hoher See bewegen sich Frachter mit 20 000 Containern ohne Menschenhand satellitengesteuert von Hafen zu Hafen. Klimaschutz heißt: Einschnitt in den Wohlstand auf fast allen Ebenen unseres Daseins. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden nicht zulassen, dass der Wohlstand kleiner wird. Damit bleibt unserem Planeten nichts anderes übrig, als sich selbst zu wehren. Bevor wir dran sind, haben schon viele Millionen Menschen aus den ärmsten Ländern dieser Welt ihre Lebensgrundlage, ihr Zuhause, oder gar ihr Leben verloren.
Und wenn in unserer traumhaft schönen Region - wie in den Weiten des texanischen Flachlandes geschehen - über 1000 Liter pro Quadratmeter Regen in kurzer Zeit fallen, treffen sich Reben und Bewaldung der Nordhänge im Fluss, und aus der braunen Brühe ragen nur noch die Kirchtürme. Diese Hypothese ähnelt den Schwarzmalern von Texas. Aber dort wurden selbst die schlimmsten Voraussagen von der rauen Wirklichkeit übertroffen.
Karl-Heinz Keiser
Thomm