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Es geht doch nur ums Geld

Gewerbe

Zum geplanten Gewerbegebiet Maring-Noviand (der TV berichtete mehrfach) erhielten wir folgende Zuschrift:

Als langjährige TV-Leser hatten wir immer den Eindruck, der TV stehe Themen der Natur und Ökologie positiv gegenüber und sei gerade wegen seiner Monopolstellung um Objektivität bemüht. Bei den Berichten und Fotos zum Gewerbe-/Industriegebiet Maring-Noviand ist das jedoch nicht so. Der Kommentar vom 24. August „Eine Chance für alle“ vertritt einseitig und ohne Abwägung das Vorhaben der Verbandsgemeinde. Was ist da los?

Ein Industriegebiet von 75 Hektar im Landschaftsschutzgebiet „Moselgebiet von Schweich bis Koblenz“. Laut Bundes- und Landesnaturschutzgesetz sind in Landschaftsschutzgebieten „alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen“. Zu diesen Schutzzwecken gehören: „die Vielfalt, Eigenart und die kulturhistorische Bedeutung der Landschaft sowie ihre besondere Bedeutung für die Erholung.“ Dieses Industriegebiet nimmt den kompletten Rückhang der berühmten Lage Brauneberger Juffer ein. Die Landschaft wird massiv verändert, von allen umgebenden Höhen hat man einen vollen Blick auf das in der eher kleinräumigen Landschaft riesige Industriegebiet, auch vom Dorf aus hat man es vor Augen. Dazu kommen die für Industriegebiete erlaubten erhöhten Emissionen mit nicht auszuschließenden gesundheitlichen Gefährdungen. Der TV erwähnt das aus Gründen des Artenschutzes abgelehnte Gewerbe-/Industriegebiet bei Longkamp. Es ist ja richtig, dass man den Fledermäusen ihren Wohn- und Lebensraum lässt, aber doch bitte auch den Menschen von Maring-Noviand und all denen, die hier Urlaub machen und wandern.

 Und wo bleibt der Lebensraum für die hier lebenden „ganz normalen“ Tiere wie die Rehe, die Feldlärchen, der Kuckuck und die Nachtigall, die Wildbienen von der Jufferhöhe. Dazu kommt die Bodenversiegelung, die zu einer Grundwasserbeeinträchtigung führt. Werden die Brunnen in Noviand noch laufen und die Jufferweinlagen noch genug Wasser haben? Wie rechtfertigt sich der Verlust einer so großen landwirtschaftlichen genutzten Fläche?

Auch Pflanzen werden durch Emissionen geschädigt, zum Beispiel die Obstanlagen direkt oberhalb des Gebiets, und je nach Wetterlage werden sich die Emissionen auch auf die Trauben ergießen.

Und was die Zukunft betrifft, die im Kommentar angesprochen werden: Die Themen der Zukunft werden Klimawandel, Nachhaltigkeit und Verhinderung von Bodenversiegelung sein, was auch gerade viele junge Einwohner der Gemeinde so sehen.

In Maring-Noviand gibt es Weinbau seit 2000 Jahren und wird es auch weiterhin geben. Industriegebiete gibt es in der näheren Umgebung genug, ebenso Arbeitsplätze. Ist es nicht Aufgabe der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues mit ihrer wohl europaweit einzigartigen Weinkulturlandschaft, diese zu pflegen und zu erhalten? Man kann eben nicht alles haben.

Seien wir doch ehrlich: Es geht ums Geld, erst recht, wenn wie vorgesehen ein Investor das Ganze übernimmt. 

 Man kann nicht ein Dorf, das sich „das kleine Weinjuwel“ nennt und eine geschützte Kulturlandschaft zerstören wegen eines finanziellen Vorteils der Verbandsgemeinde und der nicht betroffenen Dörfer.

Uta und Hans Günther Müller-Lindenlauf, Maring-Noviand