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Diana Hartig schreibt per Mail zur Berichterstattung über die vermeintlich von Tierquälern getötete Perserkatze in Neumagen-Dhron: Mir wäre eine kurze Kritik wichtig. Der Gebrauch des Begriffs "Kadaver" (und in Erweiterung "verenden") ist etwas, auf das eine seriöse Zeitung, die auch den Zeitgeist und die gesellschaftliche Entwicklung berücksichtigt, vielleicht besser verzichten sollte.

Er ist respektlos und spiegelt eine Geisteshaltung wider, die bedauerlicherweise mit verantwortlich ist für das, was wir an Tiermissbrauch dieser Tage verstärkt sehen müssen (nicht in diesem Fall, der sich ja als Unfall herausstellte). Danke. Liebe Frau Hartig, ja, das hört sich schlimm an: eine verendete Perserkatze, von der nichts geblieben ist als ein entsetzlich zugerichteter Kadaver (ich habe das Polizeifoto gesehen, gruselig; den Zeitungslesern wollten wir es nicht zumuten). Kalte, herzlose Sprache? Hmm. Man kann die traurige Geschichte sicherlich in wärmeren Worten erzählen. Kadaver und verenden, das sind Begriffe, die das Elend technisch und bürokratisch beschreiben. Sie sind nicht falsch, sie sind nicht tabu. Aber äußerst nüchtern. Kadaver: totes Tier, entlehnt aus dem Lateinischen (der gefallene, tot daliegende Körper). Abwertend auch für verbrauchte, kraftlose menschliche Körper. Synonyme: Tierleiche, Aas. In der Jägersprache: Luder. Interessant auch der Kadavergehorsam: bezieht sich auf die Vorschrift der jesuitischen Ordensregeln, dass die Ordensbrüder den Oberen widerspruchslos, wie ein toter Körper (auf Latein: si cadaver essent), zu gehorchen hätten; im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts auf die preußisch-militärische Mentalität übertragen (nach Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache). Verenden: uraltes deutsches Wort; meint: langsam, qualvoll sterben; meistens auf Tiere bezogen, noch in der Goethe-Zeit beim Ableben von Menschen verwendet (wäre heute politisch unkorrekt!). Waidmannssprech: Wild kommt durch Schussverletzung zu Tode. Alles in allem: Kadaver und verenden zählen zu den Wörtern, die ungute Gefühle auslösen. Nicht schön, nicht wohlklingend. Doch respektlos? Nein. Herzliche Grüße! Peter Reinhart, stellvertretender Chefredakteur Lob, Kritik, Anregungen? E-Mail: forum@volksfreund.de Mehr Kolumnen im Internet: http://forum.blog.volksfreund.de