KULTUR

Zur Berichterstattung über die Zukunft des Trierer Theaters:

In der Diskussion über den Fortbestand des Trierer Stadttheaters wird immer wieder die Forderung erhoben, das Theatergebäude abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Als Begründung dafür werden genannt hohe Kosten für die Instandhaltung und Reparaturen am Gebäude sowie das Fehlen zusätzlicher Funktionsräume. Die Ermittlung der Kosten für Reparaturen und Instandhaltung wurde dem Vernehmen nach von Mitarbeitern des städtischen Hochbauamtes vorgenommen. Das Theatergebäude wurde nach Plänen von Professor Gerhard Graubner, Hannover, in den 1960er Jahren gebaut und war das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs. Graubner, vormals Assistent von Paul Bonatz, der jahrzehntelang die Architekturszene in Deutschland dominierte (Stuttgarter Bahnhof und andere), war ein bedeutender und im Theaterbau erfahrener Architekt. Auch das Trierer Theatergebäude ist von herausragender Qualität, vor allem seine innenräumliche Disposition. Der Zuschauerraum und die großzügige Treppenanlage mit dem Foyer überzeugen auch heute eindrucksvoll durch ihre gelungene Form und ihre fantasievolle Gestaltung. Das erfolgreiche Wirken des städtischen Orchesters vor fast immer ausverkauftem Haus beweist, dass sich der Raum auch für Konzertveranstaltungen hervorragend eignet. Sowohl ästhetische Qualität als auch Zweckmäßigkeit prägen diesen Bau. Wenn man dennoch das Finanzielle allein zum Maßstab für seine Erhaltung macht, was ich in dieser Einseitigkeit schwer nachvollziehen kann, sollte eine solche schwerwiegende Entscheidung nur auf der Grundlage einer soliden Kostenermittlung erfolgen. Eine solche erfordert gründliche Erfahrungen im Theaterbau. Mitarbeiter des städtischen Hochbauamtes können solche Erfahrungen nicht haben und sind mit dieser komplexen Aufgabe überfordert. Ich empfehle deshalb, hier unbedingt einen qualifizierten, im Theaterbau erfahrenen Architekten zu beauftragen, um ein Gutachten zu erstellen, das als Entscheidungsgrundlage geeignet ist. Prof. Günter Kleinjohann, Trier