Leserbrief : Wie sah die Natur vor 50 Jahren aus und wie heute?

Umwelt

Zum Artikel „Großes Bienensterben in der Region Trier“ (TV vom 12. Mai):

In der Zeitung war die Rede von einem Bienensterben, und dies in vielen Regionen des Landes. Es gibt viele Gründe für dieses Phänomen: so Pestizide, die auf den Feldern ausgebracht werden, dann ein Virus, der die Bienen befällt und nicht zuletzt verhungern die Tiere, weil nicht genügend Nahrung vorhanden ist. Dabei fällt mir ein: Wie sah die Natur vor 50 und mehr Jahren noch aus und wie heute?

Ich begebe mich in mein Heimatdorf, in das Flurstück „In der Wies“. Es liegt direkt am Rande des Dorfes. Wie sah dieses Flurstück damals aus? Es gab einen Weg durch diese Flur, der bei schönem Wetter gut zu gehen war; bei Regen jedoch gab es schmutziges Schuhwerk. Links und rechts des Weges wechselten sich Felder und Gärten ab. Hier Gärten mit Gemüse, Blumen und andere Sämereien, dort Felder mit Kartoffeln, Rüben, mit Getreide oder Wiesen, dazwischen Obstbäume. Welche Vielfalt an Pflanzen! Die Zäune, die die Gärten umgaben, waren nicht unbedingt großartige gleichmäßige Drahtgeflechte in Beton eingesetzt, nein, Holzpfähle, einander durch Staketen verbunden. Und wie sieht dieselbe Fläche heute aus? Der alte Weg ist heute eine vornehme Teerstraße, eingefasst mit Randsteinen. Alle Zäune sind verschwunden, aus den vielen Kleinflächen von Gärten und Feldern ist eine einheitlich farblose Fläche geworden. Im Sommer breitet sich auf derselben Flur – soweit das Auge reicht – ein dichter Wald von Mais aus. Kaum eine Blume am Weg. Keine Biene lässt sich sehen oder hören. Diese Welt ist in gewisser Weise tot. Jede kleinste Gemeinde fühlt sich genötigt, Bauland auszuweisen.

Wo gestern noch Gärten waren, stehen heute großartige Häuser, die ebenso in einer Großstadt stehen könnten. Vor den Häusern keine Gemüsegärten, nein alles zugelegt mit Betonplatten, vielleicht noch ein exotischer japanischer Baum, der aus dem Plattenbelag herausragt. Auf der Freifläche vor dem Haus steht im Sommer ein Grill, dessen Duft am Abend sich weithin ausbreitet.

Was ist der Grund dieses Wandels? Unsere Industrie hat eine Lebensmittelvermehrung so stark in Gang gesetzt, dass der Gemüsegarten am Haus überflüssig geworden ist; Gemüse und Obst – ohne sich zu bücken und ohne Mühe - kauft man im Aldi. Erdbeeren kauft man, selbst an Weihnachten, im Edeka. Wozu, so könnte man fragen, brauchen wir noch Landwirtschaft? Was hier an Lebensmitteln fehlt, kommt sowieso aus dem Nachbarland oder aus China. Schöne neue Welt!