Mein Garten

Im besten Restaurant am Platze kam das Gespräch auf die weltweit übliche Sitte, mit den Fingern zu essen. Marokko-Reisende berichteten von der Kunst, das Essen mit drei Fingern aus der traditionellen Tajine, einem Lehmtopf mit dem darin gekochten, gleichnamigen Schmorgericht, in den Mund zu befördern.

Authentischer könne das Erlebnis Nahrungsaufnahme nicht sein. Und dem gestelzten Tafelbesteck, dieser neumodischen Erfindung des bürgerlichen Europas im 19. Jahrhundert, mit Messer, Gabel und Löffel zu essen, seien die Hände bei weitem überlegen. Im Falle der Mispel geben ich ihnen recht. Langsam werden die apfelähnlichen Früchte genießbar. Ihr Fruchtfleisch ist zunächst steinhart. Teigig weich und essbar wird es erst nach Frosteinwirkung oder längerem Liegenlassen. Jeden Tag sammele ich mir unterm Mispelbaum ein paar weiche Früchte auf. Dann ziehe ich die braune Außenschale vom Stielansatz her mit einem Küchenmesser ab und schlürfe das süßsäuerlich-herbe Mus aus der Frucht. Die Mispel ist die Auster unter den Obstbäumen. Man muss sie aus der Hand goutieren. Als die Römer sie an der Mosel einführten, hatte die alte Kulturpflanze bereits eine 1000-jährige Geschichte am Kaspischen Meer hinter sich. Früher gab man die Früchte dem Most bei. Das verbesserte die Haltbarkeit und den Geschmack. Heute ist sie ein Liebhabergehölz. Aber was für eines: Sie blüht wunderschön weiß im Mai und färbt ihre Blätter goldgelb. kf