Zufriedenheit hängt vom relativen Gehalt ab

Zufriedenheit hängt vom relativen Gehalt ab

Wer auf seinen Mercedes stolz wie Oskar ist, sieht es nicht gern, wenn ihm der Nachbar mit einem Rolls Royce die Schau stiehlt. Plötzlich erscheint das eigene Auto nur noch halb so prächtig. Größe ist relativ, auch beim Gehalt.

Zufrieden macht nicht die absolute Höhe, sondern vor allem die Gewissheit: "Ich kassiere mehr als mein Kollege." Ein Experiment mit Harvard-Studenten belegt das eindrucksvoll: Sie wurden vor die Wahl gestellt, ob Sie lieber ein Gehalt von 100.000 oder 50.000 Dollar wollten. Allerdings winkten die 100.000 Dollar in einer Welt, wo der Durchschnitt 200.000 verdiente - während die 50.000 Dollar das Durchschnittsgehalt von 25.000 deutlich überstiegen.

Die Studenten zögerten keine Sekunde: Sie zogen das kleine Gehalt, aber den höheren Vergleichswert vor. Eine völlig irrationale Entscheidung! Ungerechte Gehälter sind wie ein Brunnengift: Sie killen die Motivation eines Teams. Sogar die Freude an einem hohen Gehalt vergeht, wenn ein Kollege, der es nicht verdient hätte, noch mehr verdient.

Etliche Firmen bekämpfen dieses Problem höchst eigenwillig: Statt für mehr Gehaltsgerechtigkeit zu sorgen, verbieten sie den Austausch über die Gehälter. Ein Armutszeugnis für die Führungskultur.

Quelle: Layard, R., Die glückliche Gesellschaft, Campus 2005

Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro.