jahresrückblick: Trendwende nach Tränen und Trouble – so war das Kulturjahr 2018

jahresrückblick : Trendwende nach Tränen und Trouble – so war das Kulturjahr 2018

Abschiede, Aufbruch und Rekorde – das Jahr 2018 brachte viel Bewegung in der Kulturszene der Region, auch jenseits des Karl-Marx-Jubliläums. Es bescherte dem Eifel-Literatur-Festival einen neuen Rekord und dem Trierer Stadttheater einen Besucheransturm. Rückenwind für die Entscheidungen zur Zukunft des Hauses.

Kulturell war 2018 viel mehr als Karl Marx’ Geburtstag, aber ohne ihn kam kaum eine Veranstaltungsreihe aus. Das Mosel Musikfestival griff das Motto des rheinland-pfälzischen Kultursommers „Industriekultur“ auf und siedelte seine Konzerte in Werkshalle, Holzlager oder Kraftwerk an. Das Trierer Theater lässt den Philosophen mit der Uraufführung „Marx’ Bankett“ wieder aufleben, und die Tufa feierte dessen Kapital in der erlebnisorientierten Gruppenausstellung ­„Geldrausch“.

An manchen Tagen des Jahres liefen so viele Konzerte, Lesungen, Vorträge oder Inszenierungen parallel, dass sich Tobias Scharfenberger, Intendant des Mosel Musikfestivals, schon fragte, woher denn all die Besucher kommen sollen. „Es müssen einfach alle Kulturveranstalter bemerken, dass es ein unglaubliches Überangebot gibt. Der Markt ist satt, satt, satt“, resümierte Scharfenberger nach dem ersten Jahr seiner Intendanz als Nachfolger von Hermann Lewen. Trotz Staraufgebots und häufig begeisterten Besuchern kamen in diesem Sommer deutlich weniger Menschen als sonst zum Mosel Musikfestival, rund 33 Prozent, was ein Minus von knapp 84 000 Euro mit sich brachte. Ausgerechnet die Open Airs liefen im sonnig-heißen Jahrhundertsommer nicht so gut. Mit mehr Marketing und besseren Absprachen unter Kulturschaffenden will Scharfenberger den Trend  nun wieder umkehren.

Einer, dem die Umkehr des Abwärtstrends gerade gelingt, ist Manfred Langner. Der neue Intendant des Trierer Theaters und seine Mitarbeiter füllen das Haus am Augustinerhof mit Besuchern wie schon lange nicht mehr. Viele Vorstellungen sind ausverkauft – von „Piaf“ und „Don Giovanni“ über „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ bis zum „Zauberer von Oz“. Wieder mehr Theatergänger entscheiden sich auch für ein Abonnement. Die angestrebte Besucherzahl von rund 78 000 scheint realistisch, nachdem sie zwischen 2015 und 2017 von 98 000 auf das Rekordtief von ­73 000 eingebrochen war. Langner hat das feste Ensemble vergrößert und einen Spielplan aufgelegt, der Konsolidierung verspricht – ohne große Experimente. Dabei setzt er auf junge Talente und erfahrene Spartenleiter.

Ein großer Teil des künstlerischen Personals wurde zur neuen Spielzeit ausgewechselt. Victor Puhl gab nach einem fulminanten Abschied den Stab als Generalmusikdirektor an Jochem Hochstenbach weiter. Susanne Linke, anderswo gefeierte Tänzerin und Choreographin, und ihre Compagnie verließen Trier traurig nach drei Jahren – ihr Vertrag war nach dünner Zuschauerresonanz nicht verlängert worden. Nun zeigt Ballettdirektor Roberto Scafati mit einem schwungvollen „Zorbas“ zum Einstand ein temperamentvolles, weniger experimentierfreudiges Tanztheater.  Und als Operndirektor feiert Jean-Claude Berutti mit dem Mozart-Klassiker „Don Giovanni“ einen Einstand mit viel Beifall.

Abschied aus Trier nahmen auch Schauspieldirektorin Caroline Stolz und der aus Konz stammende Alexander May, bis Sommer leitender Dramaturg am Trierer Theater. Stolz wird 2019 Intendantin am Rheinischen Landestheater in Neuss, May ihr Stellvertreter und Regisseur. Die beiden hatten die Konsolidierung nach Sibilius’ Weggang eingeleitet.

Rückenwind kann Langner gut gebrauchen, denn demnächst stehen die Entscheidungen zur Generalsanierung des Theaters an. Der diskutierte Neubau ist mittlerweile vom Tisch – es soll eine Sanierung mit minimaler Erweiterung werden, die rund 48 Millionen Euro kosten könnte. Die gewünschte Kammerspielbühne soll statt im grauen Würfelbau am Augustinerhof auf der anderen Moselseite realisiert werden, wo das Theater Räume der Europäischen Kunstakademie im ehemaligen Schlachthof nutzen kann.

Auch die Finanzprobleme, die unter Ex-Intendant Karl Sibelius eskaliert waren, sind gelöst. Das Jahr schließt mit einem Plus von 170 000 Euro ab. Langner steht allerdings auch viel mehr Geld zur Verfügung als Sibelius. Fürs nächste Jahr darf Langner mit Ausgaben von 15,1 Millionen Euro planen, wovon das Land knapp die Hälfte trägt.

Trotz viel geringerer Unterstützung duch das Land hat das Eifel-Literatur-Festival bei der 13. Auflage erneut einen Rekord aufgestellt. Mehr als 14 000 Besucher kamen zu den 24 Lesungen, 15 davon ausverkauft, die von Zugpferden wie Gregor Gysi über Ranga Yogeshwar bis zu Charlotte Link ein breites Spektrum an Genres abdeckten. Als Festival-Renner bezeichnete der unermüdlich aktive Leiter Josef Zierden die Lesungen von Thriller-Star Sebastian Fitzek und dem Benediktinermönch Pater Anselm Grün. Auch sonst hat die ländlich geprägte Eifel eine Menge an Kultur zu bieten: Neben den jährlichen Eifel-Kulturtagen von Schauspieler Rainer Laupichler locken auch die Mozartwochen Eifel ein interessiertes Publikum mit hochkarätigen Klassik-Konzerten an.

Jenseits der Grenze zu Luxemburg steht 2018 für eine tiefe Zäsur in der Echternacher Kultur. Denn nach 43 Jahren erklärten die traditionsreichen Echternacher Festspiele Anfang des Jahres das Aus in der bisherigen Form mit Klassik- und Jazzkonzerten auf hohem Niveau. Nach einer einjährigen Pause sollen die Festspiele in anderer Form unter dem Dach des  von Ralf Britten geleiteten Kulturzentrums Trifolion weitergeführt werden.

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