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Nach der TV-Telefonaktion: Die besten Tipps bei posttraumatischen Belastungsstörungen.

Trier : Das hilft nach schrecklichen Erlebnissen

Hilfe bei „Posttraumatischer Belastungsstörung“: Die Tipps unserer Expertinnen an die TV-Leser.

Meine Frau und meine 8-jährige Tochter hatten vor einem halben Jahr einen Autounfall. Es ist nichts Schlimmeres passiert. Anfangs sah es so aus, dass beide das gut verkraftet hätten. Allerdings hat meine Frau, die als Kind ihre Mutter bei einem Unfall verloren hat, seitdem Ängste. Sie kann nicht mehr Auto fahren und nicht über den Unfall sprechen, ohne stark zu weinen. Meine Tochter hat seit ein paar Wochen starke Alpträume, hat viele Ängste und sie weigert sich seit ein paar Tagen, das Haus zu verlassen.

Dr. Kerstin Jacob, Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin in der Institutsambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen, Trier: Teilweise zeigen sich Symptome erst Wochen oder Monate nach einer traumatischen Situation. Ihre Frau scheint durch den Unfall sehr belastet, was häufig dazu führt, dass Kinder – um das Elternteil zu schützen – nicht über das Trauma reden.  Es zeigt sich nun deutlich, dass auch ihre Frau dringend Hilfe benötigt. Wahrscheinlich wurden frühere Erinnerungen angetriggert (aktiviert). Auch wäre es gut, ihre Tochter würde therapeutische Hilfe bekommen, um außerhalb der Familie über den Unfall sprechen zu können. Eine traumatherapeutische Behandlung, etwa mit der  Methode EMDR, kann sehr hilfreich sein. Dabei kann es Ihrer Tochter schon nach wenigen Sitzungen besser gehen. Wichtig ist auch, Ihrer Tochter zu Hause immer wieder das Gespräch über den Unfall und dessen Folgen anzubieten und ihr die Möglichkeit geben, über ihre Ängste und Sorgen sprechen zu können.

Mein Vater ist letztes Jahr plötzlich verstorben. Mein 16-jähriger Sohn hatte eine sehr enge Beziehung zu ihm. Der Opa war für ihn Vaterersatz, da der leibliche Vater uns vor Jahren verlassen hat und es seitdem keinen Kontakt mehr gibt. Seit dem Tod seines Opas hat sich mein Sohn sehr zurückgezogen, macht nichts mehr für die Schule und kifft sehr viel, was er früher nicht gemacht hat. Er redet kaum mit mir.

Jakob: Ihr Sohn scheint sehr unter dem Verlust zu leiden. Dies ist der zweite plötzliche Verlust eines geliebten Menschen. Mit 16 Jahren ist es vielleicht auch nicht so einfach, sich der eigenen Mutter zu öffnen. Bieten Sie ihm dennoch immer wieder „unaufdringlich“ das Gespräch an. Gibt es in Ihrem Bekannten- oder Verwandtenkreis Personen, die einen Draht zu ihrem Sohn haben? Und Sie könnten ihm anbieten, dass er mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten spricht. Außerhalb der Familie ist es manchmal einfacher für Jugendliche, über Gefühle wie Trauer, Verlust, Wut und Einsamkeit zu sprechen.

Ich bin 30 Jahre alt und bei mir wurde eine Posttraumatische Belastungsstörung festgestellt. Nun warte ich auf einen Psychotherapie-Platz. Kann ich bis dahin selbst etwas tun, damit es mir besser geht?

Dr. Jutta Gradel, niedergelassene Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Trier: Ja, Sie können bereits etwas tun: Nutzen Sie, wenn möglich, gute Kontakte innerhalb der Familie und zu Freunden. Kontakte können ein Gefühl der Sicherheit und Unterstützung geben. Wichtig ist, dass Sie sich nicht komplett zurückziehen. Versuchen Sie, in kleinen Schritten wieder Dinge zu tun, die Ihnen sonst immer gutgetan haben. Sport und Entspannungsverfahren können hilfreich sein, vor allem bei starker Anspannung und Schlafstörungen. Wichtig ist auch, dass Sie sich bei all den Schritten nicht überfordern, sondern die eigenen Möglichkeiten und Grenzen berücksichtigen.

Ich, 48, kämpfe schon lange mit Depressionen und einer Essstörung. Bisher hat nichts, was ich versucht habe, zu einer wirklichen Besserung geführt. Kann es damit zusammenhängen, dass ich früher viele schlimme Dinge erlebt habe?

Gradel:Ja, es kann einen Zusammenhang geben. Traumatische Belastungen verursachen sehr häufig Essstörungen und Depressionen, aber auch körperliche Beschwerden, für die Ärzte keine Ursache finden, oder Suchterkrankungen. Um eine wirkliche Besserung Ihrer Erkrankungen und Symptome zu erreichen, ist eine spezielle Psychotherapieform angebracht, die die erlittenen Traumatisierungen bearbeitet. Bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten oder einer Therapeutin kann Ihnen Ihre Krankenkasse behilflich sein. Außerdem können Sie bei der kassenärztlichen Vereinigung nachfragen.

Ich denke dauernd daran, dass der Täter unbestraft davongekommen ist.

Nicole Adrian, Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin in der Erwachsenenpsychiatrie im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen, Trier: Bei manchen Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung stehen Ärger und Wut im Vordergrund – darüber, dass ihnen von anderen Leid angetan wurde oder dass sie im Vergleich zu anderen Personen schwerer an den Folgen leiden. Sie grübeln ständig über die Ungerechtigkeit oder Rachepläne nach und können das Ereignis und die Folgen nicht annehmen. Es ist auch wünschenswert, dass Opfer einer Gewalttat, Ärger und Wut empfinden und einen Weg in die Therapie finden. Wichtig ist, die Gefühle auszudrücken und zu erkennen, dass der Täter der Verantwortliche war und der damit verbundene Ärger bedeutsam ist.  Doch eine übermäßige Beschäftigung mit Ärger auslösenden Kognitionen und Racheplänen ist jedoch auch für Opfer von Gewalttaten destruktiv, da sie verhindern, dass der Patient mit dem Trauma abschließt.

Ich habe gehört, dass es eine Psychotherapieform EMDR zur Behandlung von Traumafolgestörungen gibt. Wo finde ich EMDR-Therapeuten?

Dr. rer. nat. Birgit Albs,  Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin, Leiterin des Fachpsychologischen Zentrums im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Trier:Sie finden EMDR-Therapeuten auf der Seite der Fachgesellschaft unter www.emdria.de im Internet. Geben Sie dann bei „Therapeutensuche“ ihre Postleizahl an.