Politik: Die Älteren bestimmen

Politik : Die Älteren bestimmen

Das Statistische Bundesamt hat detaillierte Daten zur Bundestagswahl veröffentlicht.

Die Bundestagswahl ist zwar schon ein paar Monate her. Das Statistische Bundesamt hat aber noch einmal genauer hingeschaut und interessante Erkenntnisse zur Wahlbeteiligung, zum Wahlverhalten und zur Wählerschaft der Parteien gewonnen. Nachfolgend die wichtigsten Punkte aus der am Freitag veröffentlichten Datensammlung:

 Welche Altersgruppen dominierten?

 Die Generation der 30- bis 59-Jährigen stellte bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 mit knapp 49 Prozent fast die Hälfte der Wahlberechtigten. Gut jeder dritte Wahlberechtigte, immerhin 22,4 Millionen Menschen, war älter als 60 Jahre. Dagegen machte die jüngere Generation der 18- bis unter 30-Jährigen mit 9,2 Millionen Menschen nur ein Sechstel (14,8 Prozent) aller Wahlberechtigten aus. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 1990 war nur etwa jeder vierte Wahlberechtigte über 60 Jahre alt, und der Anteil der unter 30-Jährigen lag noch bei 23 Prozent. Der demografische Wandel schlägt also auch bei der Wählerschaft immer stärker durch.

 Wie waren die Unterschiede bei der Wahlbeteiligung?

 Unter den 60- bis 69-Jährigen lag die Wahlbeteiligung bei stolzen 81 Prozent. Dagegen waren es bei den Erstwählern nur knapp 70 Prozent. Insgesamt gaben 76,2 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme ab, die 19- bis 39-Jährigen unterdurchschnittlich und die 40- bis 69-Jährigen überdurchschnittlich. „Berücksichtigt man zusätzlich noch die demografische Entwicklung, wird deutlich, dass das politische Einflusspotenzial der älteren Wahlberechtigten weiter steigt“, erläuterte der Bundeswahlleiter Georg Thiel.

 Wer stimmte für die großen Parteien?

 Die Union (Wahlergebnis: 32,9 Prozent) war durchweg in allen Altersgruppen stärkste Partei. Untern den 18- bis 24-jährigen Wählern mochten allerdings nur knapp 20 Prozent ihr Kreuzchen bei CDU oder CSU machen. Bei der Generation 70plus waren es dagegen 36,5 Prozent. Die SPD (20,5 Prozent) erzielte mit 25,2 Prozent ihren höchsten Stimmenanteil ebenfalls in dieser Altersgruppe. Bei den 35- bis 44-Jährigen hatte sie mit 15,6 Prozent den geringsten Zweitstimmenanteil.

 Wer votierte für die kleineren Parteien?

 Die Stärke der AfD (Wahlergebnis: 12,6 Prozent) resultierte aus dem relativ konstanten Potenzial von rund 13 bis gut 15 Prozent unter den Wählern zwischen 25 und 69. Bei den jüngsten, aber auch bei den ältesten Wählern war die AfD mit jeweils rund acht Prozent am wenigsten erfolgreich. Bei der FDP (10,7 Prozent) gab es die geringsten Schwankungen in den einzelnen Altersgruppen. Die Linke (9,2 Prozent) erzielte ihren höchsten Stimmanteil bei den 25- bis 34-Jährigen mit 10,9 Prozent. Die Grünen (8,9 Prozent) kamen in allen Altersgruppen bis 59 Jahre auf zweistellige Prozentwerte. Danach war allerdings Ebbe. Unter den über 70-Jährigen wählten nur 3,8 Prozent grün.

 Gab es Ost-West-Unterschiede?

 Ja, zum Teil sehr große. So wurde die AfD in den neuen Ländern bei der Wahl zweitstärkste Partei. Im Westen kam sie auf Platz 3. Die SPD hingegen war im Westen stärker. Im Osten lag sie durchweg unter 20 Prozent. Auch die Grünen kamen im Osten flächendeckend schlechter weg als in den alten Ländern. Bei der Linken war es umgekehrt. Unterschiede gab es auch bei der Wahlbeteiligung. Im Westen waren es durchweg mehr als 70 Prozent, die zu den Urnen gingen. Den Spitzenwert verzeichnete Baden-Württemberg mit 78,3 Prozent. Im Osten waren die Berliner (75,6 Prozent) und Sachsen (75,4) vorn. Dagegen verzeichnete Sachsen-Anhalt eine Quote von nur 68,1 Prozent.

 Welche Auffälligkeiten zeigten sich noch?

 Noch nie wurde das Stimmensplitting so häufig genutzt wie bei dieser Wahl. Nur noch knapp 73 Prozent der Wähler gaben ihre Erst- und Zweitstimme für dieselbe Partei ab. Zunehmend wird also taktisch gewählt, etwa um eine bestimmte Koalition zu ermöglichen. Auch die Zahl der Briefwähler erreichte 2017 mit einem Anteil von 28,6 Prozent einen Rekordwert.