Fischers Erzählungen

Nicht, dass die große Koalition nach neunmonatiger Amtszeit vor dem Zusammenbruch stünde. Auch nach der verkorksten Gesundheitsreform wird Angela Merkel alles daran setzen, die Truppe beisammen zu halten.

Ansonsten wäre sie weg von der politischen Bühne. Aber es kennzeichnet schon den Zustand von Schwarz-Rot, wenn jetzt die alten Hüte alternativer Parteienbündnisse neu aufpoliert werden. Dabei hat Joschka Fischer mit seinen Äußerungen zur Koalitionsfähigkeit nur auf eine Binsenweisheit aufmerksam gemacht. Eingedenk der begründeten Annahme, dass die SPD einer Linkspartei unter Führung des einstigen Obergenossen Oskar Lafontaine auf Bundesebene kaum die Hand reichen wird, bleiben in einem Fünf-Parteiensystem neben der großen Koalition lediglich zwei Konstellationen für den Machtwechsel: SPD oder Union müssten sich jeweils mit FDP und Grünen verständigen. Schon die beiden kleinen Parteien sind sich jedoch in herzlicher Feindschaft verbunden, weshalb die Sache bereits im Vorjahr schief ging. 2005 hatten FDP und Grüne nicht einmal Sondierungsversuche unternommen, die ausgetretenen politischen Pfade zu verlassen. Auch ist es so, dass die Union noch nie am Kabinettstisch mit den Grünen zu tun hatte. Die beste Chance dafür schlug zuletzt Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger in den Wind. Und bei realistischer Betrachtung des Wahlkalenders wird es auch in den nächsten zwei Jahren keine schwarz-grünen Bündnisse auf Landesebene geben. Der Exkurs des Polit-Pensionärs Fischer ist daher eher akademischer Natur und allenfalls dazu geeignet, von den Gebrechen der großen Koalition abzulenken. nachrichten.red@volksfreund.de

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