Hausarzt-Chef: Mediziner auf dem Land brauchen mehr Geld

Hausarzt-Chef: Mediziner auf dem Land brauchen mehr Geld

Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes, Burkhard Zwerenz, sieht die Pläne von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, Medizinstudenten dazu zu verpflichten, Landarzt zu werden, skeptisch.

Trier. (wie) Statt einer Quote sollte es für Landärzte mehr Geld geben. Das fordert der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes, Burkhard Zwerenz. Mit dem Arzt aus Prüm sprach unser Redakteur Bernd Wientjes.

Herr Zwerenz, was halten Sie davon, dass Medizinstudenten verpflichtet werden sollen, sich als Landarzt niederzulassen?

Zwerenz: Das wird sich so ohne weiteres nicht umsetzen lassen. Man kann keinem Studenten vorschreiben, wo er sich später als Arzt niederlassen soll. Das wäre juristisch kaum durchsetzbar. Man muss stattdessen versuchen, bei Medizinstudenten aus der Region darum zu werben, dass sie sich auch hier auf dem Land niederlassen.

Gab es in Rheinland-Pfalz nicht auch schon mal die Idee, eine Landarztquote einzuführen?

Zwerenz: Ja. Im Rahmen des sogenannten Masterplanes, den das Gesundheitsministerium und die Ärztevertretungen vor drei Jahren verabschiedet haben, sollte es auch eine festgelegte Quote für Niederlassungen auf dem Land geben. Aber auch dabei gab es bereits juristische Bedenken.

Sehen Sie auf Dauer eigentlich die medizinische Versorgung auf dem Land in Gefahr?

Zwerenz: Wir steuern auf eine Versorgungskatastrophe zu. In den nächsten fünf Jahren werden rund 30 Prozent der Hausärzte aus Altersgründen ihre Praxen aufgeben. Das sind landesweit mehrere Hundert. Nachfolger für diese Kollegen gibt es aber kaum.

Warum soll ein Medizinstudent heute überhaupt noch Landarzt werden?

Zwerenz: Weil es einfach ein toller, abwechslungsreicher Beruf ist. Ein Landarzt hat eine befriedigende Aufgabe. Ich habe täglich so viel Zuspruch von meinen Patienten, egal ob die zwei Jahre alt sind oder 90. Das macht einfach Spaß. Für mich gibt es keinen schöneren Beruf.

Dann dürfte es doch eigentlich keinen Ärztemangel auf dem Land geben, wenn der Beruf so attraktiv ist.

Zwerenz: Die Rahmenbedingungen stimmen einfach nicht. Die Arbeitsbelastung ist jetzt schon zu hoch und wird durch den Ärztemangel noch weiter zunehmen. Und das ohne bessere Bezahlung. Weil die Honorarbudgets festgelegt sind, bekommen wir nicht mehr Geld, wenn wir auch mehr Patienten behandeln. Daher verdient ein Landarzt, der zwölf Stunden arbeitet, genauso viel wie ein Kollege in Trier, der vielleicht nur acht Stunden arbeiten muss. Das schreckt viele davon ab, sich auf dem Land niederzulassen.

Also mehr Geld für Landärzte?

Zwerenz: Ohne Futter pfeift der Vogel nicht. Die Bezahlung für Landärzte muss besser werden.

Wer also seine Praxis in der Eifel eröffnet, soll mehr verdienen als jemand, der etwa nach Trier geht?

Zwerenz: Ja. Wenn ein Landarzt 30 Prozent mehr verdienen würde als jetzt, wäre es für viele angehende Ärzte attraktiver, aufs Land zu gehen.

Ein anderer Vorschlag von Rösler ist ja, mehr Leute zum Medizinstudium zuzulassen und den Numerus clausus abzuschaffen, also dass nicht nur Einser-Abiturienten Medizin studieren dürfen.

Zwerenz: Wir brauchen heute als Hausärzte nicht irgendwen, sondern wir brauchen die Besten. Es kann nicht sein, dass die guten Studenten Spezialisten werden und der Bodensatz dann Hausarzt wird. Damit ist auch keinem geholfen.

Aber ein Super-Abi sagt ja noch nichts über die Qualität des Arztes aus?

Zwerenz: Das ist richtig. Der Numerus clausus führt tatsächlich nicht dazu, dass wir nur die Besten in den Arztberuf hineinbekommen. Daher müssen die Auswahlkriterien für das Studium geändert werden. Auch die Ausbildung an sich muss reformiert werden. Medizinstudenten müssen viel intensiver in Allgemeinmedizin ausgebildet werden. Eine Praxisausbildung bei einem Hausarzt muss Pflicht werden. Zur person Burkhard Zwerenz (Foto: privat) ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Er ist seit 1987 als Hausarzt in Prüm niedergelassen. Zwerenz ist zudem Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes. Der Verband vertritt die Interessen von rund 2000 Hausärzten im Land.

Mehr von Volksfreund