Haushoher Sieg

Der erste politische Stimmungstest im Superwahljahr 2004 lässt die Bäume für die CDU in den Himmel wachsen. Mit der absoluten Mehrheit bei der Hamburger Bürgerschaftswahl fuhr ihr Spitzenkandidat Ole von Beust einen strahlenden Sieg ein.

Der bei den Hanse-Städtern beliebte Bürgermeister hat alles auf eine Karte gesetzt und haushoch gewonnen. Das ist um so bemerkenswerter, als die Union beim Urnengang vor zwei Jahren noch eines ihrer schlechtesten Ergebnisse an der Alster verbuchen musste. Wieder einmal zeigt sich, dass die Wählerlandschaft stark in Bewegung ist. Die alten Gewissheiten zählen längst nicht mehr. Für die SPD kommt es dann auch hammer-hart. In ihrer traditionellen Hochburg hatten die Sozialdemokraten schon Ergebnisse von weit über 50 Prozent erzielt. Nun machte nicht einmal mehr jeder dritte Wähler bei den Genossen sein Kreuz. Das mag auch dem farblosen Spitzenkandidaten Thomas Mirow geschuldet sein. Doch in erster Linie wurden die Genossen wegen ihrer chaotischen Reformpolitik abgestraft. Daran ändert auch der Zugewinn für die Grünen nichts. Die stille Hoffnung, der künftige Parteivorsitzende Franz Müntefering könnte die aufgehellte Stimmung in der eigenen Truppe auch in Wählerstimmen ummünzen, erwies sich als Fehlschlag. Der ganz große Verlierer des gestrigen Wahlabends ist freilich die kleine FDP. Auf ihren Chef Guido Westerwelle dürften jetzt ebenfalls unangenehme Wochen zu kommen. Trotz aller flammenden Bekenntnisse zur politischen Eigenständigkeit hatten sich die Hamburger Liberalen auf geradezu penetrante Weise der CDU als Partner angedient. Mit ausdrücklicher Billigung Westerwelles. Das provoziert eine neue Führungsdiskussion. Bleibt noch positiv festzuhalten, dass der Rechtspopulist Ronald Schill keinerlei Einfluss auf die Zusammensetzung der neuen Landesregierung hat. Der vormalige Senkrechtstarter landete in der politischen Bedeutungslosigkeit. nachrichten.red@volksfreund.de