Trierer Wissenschaftler überzeugt: Die Zukunft fährt elektrisch

Verkehr : TV-Serie Klimaschutz konkret – Trierer Wissenschaftler überzeugt: Die Zukunft fährt elektrisch

Der Verkauf von E-Autos verläuft noch schleppend. Viele Herausforderungen sind bei der Infrastruktur zu meistern. Bei E-Rollern und E-Fahrrädern greifen die Kunden beherzt zu.

Bei den E-Autos läuft es in Deutschland zwar überhaupt nicht wie geplant. Eine Million sollten bis zum Jahr 2020 auf den deutschen Straßen rollen. Aktuell sind es knapp 142 000. Eine Zahl, die sich mickrig ausnimmt, wenn man nach  China  (2,6 Millionen Stromer) oder in die USA (1,1 Millionen) schaut. Dennoch ist die Branche aktuell schwer in Bewegung. Große Veränderungen – vielleicht sogar der politisch lang ersehnte Boom – kündigen sich an.

Vor allem in Großstädten. In vielen europäischen Metropolen flitzen junge Leute mit kleinen, wendigen E-Tretrollern durch die Straßen. Ein eindrucksvolles Beispiel bietet Paris: Seit die Elektro-Roller 2018 eingeführt wurden, sind dort bereits 15 000 unterwegs, bis zum Jahresende könnten es 40 000 sein. Sind die leisen Minifahrzeuge doch hervorragend geeignet, um die letzte Meile zwischen Metro-Station und Haustür oder Arbeitsplatz zurückzulegen. Auch in Deutschland sollen sie bald genehmigt werden. Allerdings nach heftiger Kritik nur auf Radwegen und nicht – wie ursprünglich geplant – auch auf Bürgersteigen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sieht in ihnen zusammen mit dem öffentlichen Nahverkehr eine „echte Alternative zum Auto“.  Also: weniger Stau, sauberere Luft, weniger Treibhausgase. Hersteller und Verleiher warten nur auf den Startschuss, der noch im Mai fallen soll.

Ziemlich rund läuft es auch bei den Elektro-Fahrrädern. Zuletzt gab es Rekordzahlen: 980 000 Pedelecs und E-Bikes wurden 2018 verkauft – 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Mag mancher da auch als Erstes an Senioren auf Sonntagsausflug denken – Berufspendlern ermöglichen sie es, auch längere Strecken zügig und ohne allzu großes Schwitzen zurückzulegen.

Obwohl mehr als 90 Prozent der Pendler täglich weniger als 100 Kilometer zurücklegen – also Strecken, die sich problemlos elektrisch bewältigen lassen – geht es bei den E-Autos in Deutschland schleppend voran. Dies erklärt Professor Matthias Scherer, Leiter des neuen Studiengangs Elektromobilität an der Hochschule Trier, mit Lieferengpässen. Die Wartelisten sind lang. „Die Hersteller sind in einer schwierigen Position“, sagt Scherer. Verfügten sie doch über einen großen Personalstamm im Bereich Entwicklung und Produktion, den sie nicht von heute auf morgen austauschen könnten. Wenn man komplett umstelle und der Kunde das Produkt nicht annehme, „dann kann man innerhalb von zwei Jahren platt sein“, sagt Scherer.

VW gehe als größter Hersteller nun das maximale Risiko ein. Bisher hatte die deutsche Autobranche überwiegend die Strategie, klassische Autos wie den Golf zu elektrifizieren. „Das ist nicht der optimale Weg“, sagt Scherer. Benzin- oder Dieselfahrzeuge seien über Jahrzehnte konzeptionell gewachsen, während Tesla von null auf ein neues Fahrzeug entwickeln konnte. VW plant nun eine komplett neue Produktionsplattform, die nur auf Elektrofahrzeuge zugeschnitten ist. Fahrzeuge, die auch wegen des geplanten Preises unter 30 000 Euro massentauglich werden könnten. Sollte der Boom tatsächlich kommen, dann sind laut Scherer in Sachen Infrastruktur noch große Anstrengungen nötig: Nicht nur beim Ausbau der Ladestationen, sondern auch der Verteilernetze.

„Die Zukunft fährt elektrisch – früher oder später“, sagt der Professor und fordert eine Mobilitätswende. Es seien viel zu viele große und schwere Autos auf den Straßen. „Es ist ökologisch nicht sinnvoll, mit einem Zwei-Tonnen-SUV zur Kita zu fahren.“ Auch bei E-Autos sei es sinnvoll, kleine, leichte und sichere Fahrzeuge zu bauen.

Am Samstag können sich Interessierte beim „Erlebnistag Elektromobilität“ auf dem Trierer Viehmarktplatz über Neues aus der Branche informieren.

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