Wenden: 14-Jähriger erwürgte Mitschüler weil er Gefühle nicht erwiderte

Prozess in Siegen : 14-Jähriger erwürgte Mitschüler, weil er Gefühle nicht erwiderte

Ein 14-Jähriger soll seinen älteren Mitschüler erwürgt haben, der seine Gefühle nicht erwiderte. Dem Teenager wird Totschlag vorgeworfen. In Siegen beginnt der Prozess mit einem Geständnis.

Während die Schüler im sauerländischen Wenden in der zweiten Stunde dem Unterricht folgen, spielt sich ganz in ihrer Nähe ein grausiges Drama ab. In einem angrenzenden Waldstück soll ein 14-Jähriger seinen zwei Jahre älteren Mitschüler im Oktober 2018 mit bloßen Händen erwürgt haben. Weil der Ältere keine Beziehung zu ihm wollte, seine Annäherungen zurückwies. Der verstörende Fall hatte bundesweites Entsetzen ausgelöst. Am Donnerstag begann nun der Totschlagsprozess vor dem Siegener Landgericht - mit einem Geständnis des Angeklagten.

Sein Mandant habe schon zuvor eingeräumt, für den Tod des 16-Jährigen verantwortlich zu sein, sagte sein Verteidiger Martin Kretschmer vor Journalisten. „Das ist heute so geblieben“. Das ungewöhnliche Verfahren startete vor der Jugendkammer des Gerichts unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Zunächst wurde die Anklage verlesen. Dem zufolge sollen der damals 14-jährige T. und sein späteres 16-jähriges Opfer am 30. Oktober die zweite Stunde geschwänzt und sich zu einer Aussprache im Waldstück getroffen haben. Der Jüngere war von kräftiger Statur und körperlich überlegen. Der Ältere wird beschrieben als eher schmächtig und noch wie ein jüngeres Kind.

T. hatte der Anklageschrift zufolge schon mit 13 Jahren seine homosexuelle Neigung offenbart. Er sei verliebt gewesen in den Älteren. Die beiden waren trotz des Altersunterschieds in einer Jahrgangsstufe, besuchten einige AGs zusammen. Am Tag der Tat habe der 14-Jährige auf sexuelle Handlungen gehofft. Der 16-Jährige erwiderte die Gefühle des Jüngeren aber nicht, es kam zum Streit. Der Jüngere reagierte mit Gewalt auf die Zurückweisung. Er würgte seinen Mitschüler laut Anklage, „bis Blut aus Mund und Nase austrat“, das Gesicht des Jugendlichen lief blau an.

Anschließend schleppte der 14-Jährige demnach die Leiche zu einem anderen schulnahen Waldstück. Dort fand ihn ein Feuerwehrmann am Abend des nächsten Tages bei einer Suchaktion. Der Vater des Opfers hatte seinen Sohn vermisst gemeldet. Der 14-Jährige war zunächst als Zeuge befragt worden, verstrickte sich dann in Widersprüche. Mitschülern war dessen verdreckte und durchnässte Kleidung aufgefallen. T. sitzt in Untersuchungshaft.

Am ersten Verhandlungstag äußerte sich der inzwischen 15-jährige Deutsche nicht. Sein Verteidiger verlas eine Erklärung, die sein Mandant aber selber formuliert habe. T. sei „einigermaßen gefasst“ vor die Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst getreten.

Kretschmer beschrieb ihn als „einen sehr, sehr jungen Angeklagten, der sich jetzt einem gewaltigen Justizapparat gegenübersieht“. Er müsse „die Tat und alles, was damit in Zusammenhang steht“, nach knapp sechs Monaten erst noch verarbeiten. „Das ist sehr schwer für ihn und sicherlich für die anderen Verfahrensbeteiligten auch.“ Die Eltern des Opfers sind Nebenkläger, sie kamen am Donnerstag nicht nach Siegen. Ihr Anwalt machte zu Prozessbeginn keine Angaben.

Konnte der Teenager das Unrecht einer solchen Tat einsehen? Ein von der Staatsanwaltschaft angefordertes Gutachten sagt Ja. Es handele sich um einen Jugendlichen „mit Verantwortungsreife“. Auch das Gericht hat zu der Frage einen Gutachter bestellt, wie Sprecher Sebastian Merk sagte. Außerdem seien rund 30 Zeugen vorgesehen, darunter auch die Eltern des Opfers, Schüler, Lehrer. Ob es erforderlich sei, alle Zeugen tatsächlich zu befragen, sei offen, meinte Kretschmer mit Blick auf das Geständnis seines Mandanten.

Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Nach weiteren vier Verhandlungen soll das Urteil schon am 11. Juni fallen.

(skr/dpa)