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Eifeler Bauern sehen beim Grüngut rot

Umwelt : Eifeler Bauern sehen beim Grüngut rot

Ein Landwirt aus der VG Prüm hat seine Grüngutsammelstelle geschlossen. Er ist nicht der einzige in der Region, der dem Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) vorwirft, die Preise zu drücken. Dagegen wehrt sich der kommunale Betrieb.

Irgendwann, sagt Gerhard Heinz, habe es ihm gereicht. Dieser Moment war im Dezember 2017. Damals schloss der Hersdorfer Landwirt seine Grüngutsammelstelle. 8000 Kubikmeter Gartenabfälle hatte der Bauer dort jährlich verarbeitet. Doch damit machte er Schluss. Denn der Betrieb des Platzes habe sich nicht mehr gelohnt. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier, kurz A.R.T., hatte 2017 neue Verträge mit den Bauern geschlossen. Und Heinz ist nicht der einzige, der dem kommunalen Entsorgungsunternehmen vorwirft, damit die Preise gedrückt zu haben.

Auch die Sammelstelle am Hof Breit nahe Wittlich ist nicht mehr in Betrieb. Und auch in Binsfeld können Bürger ihren Heckenschnitt oder Weihnachtsbaum nicht mehr hinbringen. Denn die Betreiber der beiden Anlagen haben diese aufgegeben (der TV berichtete). Beide begründeten ihre Entscheidung mit den neuen Verträgen, die der Zweckverband allen Bauern in der Region angeboten hatte. Der Tenor: Man verdient immer weniger, die Auflagen aber werden höher.

Dafür könne der Abfallverband wenig, sagt Geschäftsführer Max Monzel. Der Grund für die geänderten Verträge habe mit der geänderten Gesetzeslage zu tun. 2013 und 2017 hat die Bundesregierung Verordnungen auf den Weg gebracht, die die Verwertung von Grüngut neu regeln. Aus diesen Dokumenten folgen nicht nur eine Reihe von Auflagen, denen sich die Bauern gegenüber sehen. Der wesentliche Punkt sei, dass Felder nicht mehr mit krautigem Material, also etwa Gräsern und Heckenschnitt, gedüngt werden dürfen. So sollte verhindert werden, dass Sporen von unliebsamen Pflanzen auf die Äcker geraten.

Für Monzels A.R.T. bedeutete die „Regelungswut des Gesetzgebers“ allerdings höhere Kosten. Denn ab jetzt mussten Mitarbeiter des kommunalen Betriebs das Material bei den Sammelstellen abholen und im Entsorgungszentrum in Mertesdorf aufwendig kompostieren. Kostenpunkt: rund drei Millionen Euro im Jahr.

Die gestiegenen Ausgaben hätten zwangsläufig eine Neufassung der Verträge bedingt, sagt Monzel. Trotzdem kämen die Landwirte dabei nicht schlecht weg.

So sieht es auch Stefan Neyses vom Maschinenring Bitburg-Prüm. Der Vertreter der landwirtschaftlichen Interessengruppe hält die neuen Verträge sogar für fairer als die alten: „Das Vergütungssysstem ist nun für alle gleich und klar messbar“.

Dabei wird eigentlich kaum noch was gemessen. Die Betreiber von Sammelstellen erhalten unabhängig von der Größe und der Menge des verarbeiteten Grünguts eine pauschale Entlohnung. Der Abtransport von krautigem Material wird gesondert bezahlt.

Früher berechnete sich das Auskommen der Landwirte aus dem Umschlagvolumen des Grünguts, der Platzmiete für die Sammelstelle und den geleisteten Arbeitsstunden. Insgesamt sei es also intransparenter zugegangen, sagt Neyses: „Es gab immer wieder Diskussionen, wem wie viel Entlohnung zusteht.“

Mit den neuen Konditionen müsste nun jeder zurechtkommen, findet der Briminger. Der Maschinenring habe die Verträge von einem Fachanwalt prüfen lassen und später mit dem A.R.T. über höhere Vergütungen für die Landwirte verhandelt und diese auch erstritten. Mehr sei bei den geänderten gesetzlichen Rahmenbedinungen nicht möglich gewesen.

Unterm Strich, sagt er, bekomme mancher Landwirt heute sogar mehr Geld als früher. Nur die großen Betriebe, die viel verwertet und daran auch viel verdient hätten, müssten nun wo sie pauschal bezahlt werden, etwas zurückstecken.

Gerhard Heinz ist so ein Fall. Er sagt: Der gestiegene Arbeitsaufwand mit den neuen Auflagen habe sich für ihn nicht gelohnt – schon gar nicht bei der schlechteren Bezahlung. Der Vertrag, für ihn „ein schlechter Deal“, den er deshalb ausgeschlagen habe. Dem A.R.T. wirft er vor, mit den neuen Verträgen sparen zu wollen, dem Maschinenring, sich nicht genug für seine Schützlinge starkgemacht zu haben.

A.R.T.-Chef Monzel bestreitet das: „Wir zahlen mit den neuen Verträgen sogar drauf.“ Der Fall Hersdorf sei ihm bekannt. Viele weitere gebe es aber nicht im Eifelkreis. 2016, also vor dem neuen Vertrag, gab es in der Kommune 16 Grüngutannahmestellen. Heute sind es 15.

In Pronsfeld habe zwar ein Betreiber aus Altersgründen aufgehört. Im März eröffne dort aber eine neue Sammelstelle. Die Versorgungslücke, die es seit der Schließung der Stelle in Binsfeld gibt, hat ein Herforster Bauer geschlossen. In Hersdorf werde derzeit ein Landwirt mit einem geeigneten Arreal gesucht.

Solange müssten die Bürger die Plätze in Brühlborn und Birresborn (Vulkaneifelkreis) nutzen. Probleme gibt es aber nicht nur dort. Auch im Raum Arzfeld und in Altrich (Kreis Bernkastel-Wittlich) bemüht sich der A.R.T. um Bauern, die den Job übernehmen könnten.

Nach wie vor, sagt Neyses, gebe es also Regionen im Eifelkreis in denen es an einer Sammelstelle mangele. In solchen Gegenden, sagt Landwirt Gerhard Heinz, werfen die Bürger ihre Gartenabfälle meist illegalerweise in die Landschaft. Er habe dies vermehrt beobachtet, seit sein Platz in Hersdorf zu ist. So seien etwa in Schönecken und Mürlenbach in der Vulkaneifel wilde Kippen entstanden.  Stefan Neyses vom Maschinenring teilt diese Bedenken nicht: „Uns gegenüber hat sich kein Betreiber aus dem Eifelkreis über eine Zunahme wilder Deponien beschwert.“

Wenn es trotzdem dazu gekommen sei, liege das an den Umweltsündern selbst, nicht an der Anzahl der Sammelstellen: „Wer sein Grüngut illegalerweise im Wald abkippt, muss es aufladen und dort hinbringen. Ob man nun mit der Ladung zwei oder vier Klometer mehr oder weniger fährt, macht kaum einen Unterschied.“