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Im August geht’s los – 1,1 Millionen Euro für einen neuen Platz in Bitburg

Archiv Februar 2020 : Umgeplanung am Grünen See - 1,1 Millionen Euro für einen neuen Platz in Bitburg

Nach Protesten von Geschäftsleuten, die sich gegen den Verlust von 19 Parkplätzen an Bitburgs Grünem See gewehrt haben, wurde umgeplant. Nun liegt der neue Entwurf für die Neugestaltung des Platzes vor. Elf Parkplätze würden dennoch wegfallen.

Alles kann man nicht haben. Mehr Grün, mehr Platz, mehr Aufenthaltsqualität funktioniert nur, wenn die Stadt zumindest auf ein paar Parkplätze verzichtet. Sonst fehlt für Baum und Bank einfach der Platz. Darüber, wie viele Parkplätze weniger es maximal sein dürfen, wurde und wird in Bitburg leidenschaftlich diskutiert.

Natürlich könnte man den Grünen See ganz anders in Szene setzen. Mit Römermauer und dem historischen Ensemble von Rathaus und Liebfrauenkirche hat der Platz eine Kulisse, die in Bitburg Seltenheitswert hat. Das haben auch die Planer des Büros Greenbox erkannt, die im Herbst 2018 als Sieger des Architektenwettbewerbs hervorgingen. Der Platz grenzt ans Rathaus, gegenüber liegen Stadthalle und Tourist-Info samt Bitburger Marken-Erlebniswelt. Zudem soll hier auch der archäologische Rundweg starten. Kurzum: Für Greenbox hat der Platz eine „vorrangig repräsentative Funktion“. Doch derzeit ist der Grüne See vor allem eins: ein Parkplatz.

Das sollte nach dem ersten Entwurf der Planer anders werden. Aber hatte der Stadtrat im Februar 2019 einstimmig die Neugestaltung für die Plätze Am Markt und Grüner See beschlossen, hagelte es Kritik, weil die geplante Umgestaltung 40 Stellplätze gekostet hätte.

CDU, FBL und Liste Streit zogen die Notbremse. „Man muss sich auch mal eingestehen, wenn man zu schnell geschossen hat“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Ludwig damals und erklärte – wie auch die beiden anderen Fraktionen –, dass es im Nachhinein doch problematisch sei, an einer Stelle Parkplätze abzubauen, ohne zu wissen, wo diese dauerhaft neugeschaffen werden (der TV berichtete).

Der neue Beschluss: Maximal 15 Stellplätze weniger darf die Neugestaltung der beiden Plätze kosten. Eine Kehrtwende, die SPD und Grüne verärgert hat. Sie argumentierten, dass beim Erhalt der Parkplätze einer schöneren Gestaltung enge Grenzen gesetzt seien. Doch im Rat haben sie keine Mehrheit.

Während die Bauarbeiten Am Markt längst im vollen Gange sind und dort alle 43 Parkplätze erhalten werden, hatte der Bauausschuss nun erneut über den Grünen See zu beraten. Der soll nach der überarbeiteten Planung des Büros Greenbox in Zukunft noch 43 Stellplätze bieten. Elf weniger als heute.

Ziel der Planer ist es, die Römermauer mit Natursteinband und einer Beleuchtung, die das historische Bauwerk von unten anstrahlt, in Szene zu setzen. Direkt vor der Mauer fallen dann auch einige Stellplätze weg.

Im vorderen Bereich des Platzes, nahe dem Lokal Loum, ist eine Insel mit einem Baum geplant. Ursprünglich war an drei Bäume gedacht. Doch wegen Aus- und Zufahrten zu den Parkplätzen und der Option, in diesem Bereich auch eine Bühne aufbauen zu können, wird es nun nur ein Baum. Rundherum sieht der Plan Bänke vor, die bei Bedarf – etwa zum Folklore-Festival –  abgebaut werden können. Die Bäume entlang der Straße sollen erhalten und im nördlichen Bereich durch zusätzliche Bäume ergänzt werden.

Zudem ist geplant, den Grünen See mit einer Mittelinsel besser an die Stadthalle anzubinden. Solche Querungshilfen seien für Fußgänger sicherer als Zebrastreifen, sagte der Leiter des Landesbetriebs Mobilität Gerolstein (LBM), Harald Enders in der Sitzung des Bauausschusses. Auf den Zebrastreifen, der heute Stadthalle mit Rathaus verbindet, kann nach Auskunft der Stadtverwaltung dann verzichtet werden.

Ohne Diskussion segnete der Bauausschuss aber auch den überarbeiteten Plan nicht ab. Heinz Reckinger (Liste Streit) wies auf die Problematik der Baulast hin, die auf den Stellplätzen am Grünen See laste. Hintergrund dieser Baulast sei, dass die Stadt wegen der 2009 eröffneten Stadthalle einen Satz an Stellplätzen in unmittelbarer Umgebung nachweisen musste – und dafür den Grünen See genutzt hat. Nach Auskunft der Stadtverwaltung sind diese Stellplätze im Umkreis von 300 Metern nachzuweisen. Damit kann die Stadt die Baulast auch auf einen anderen Bereich umtragen lassen.

„Das ist rechtlich verbindlich und muss abgesichert sein, bevor wir anfangen zu bauen“, forderte Reckinger. Die Stadtverwaltung sicherte zu, dass die Frage der Baulast noch vor Baubeginn im August geklärt sei. Dann sollen aller Voraussicht nach die Bauarbeiten am Markt abgeschlossen sein. Ein Teil der Baulast könnte damit theoretisch auch dort nachgewiesen werden. Mit zwei Busparkplätzen am Görenweg sowie einem an der Römermauer hat die Stadt auch hier für Ersatz gesorgt. Denn die Busparkplätze am Grünen See fallen weg.

Zudem wird die Stadt am 1. März temporär auf dem Müller-Flegel-Gelände 25 Stellplätze einrichten. 25 weitere könnten folgen, wenn die Brauerei entsprechende Flächen nicht mehr benötigt. Da der Grüne See in zwei Bauabschnitten angegangen wird, kann im Wechsel auf einer Hälfte des Platzes geparkt werden. Der Rest wird mit den neuen Stellplätzen auf dem benachbarten Müller-Flegel-Grundstück kompensiert.

 Grüner See Bitburg: Der Platz soll umgestaltet werden.
Grüner See Bitburg: Der Platz soll umgestaltet werden. Foto: Greenbox Köln

Kritisch merkte Alexander Jutz (Grüne) am Ende der Beratung an: „Die Gestaltung ist zwar gelungen. Aber auf der Illustration fehlt das Hauptgestaltungsmerkmal: die Autos.“ Er findet es im Ergebnis „doch eine Menge Geld für einen Parkplatz“. Das sieht Projektleiter Ralf Mayeres anders: „Wir bauen hier für die nächsten 20, 30 Jahre. Wenn sich die Parksituation mal völlig neu darstellt, haben wir hier einen schönen Platz, bei dem sich auch noch mal Parkplätze wegnehmen lassen.“