Schwierige Wahrheitsfindung

Schwierige Wahrheitsfindung

TRIER. Mit der erneuten Vernehmung des Opfers und seines Bruders ist vor dem Landgericht der Totschlagsprozess gegen drei Männer aus Bitburg fortgesetzt worden. Hintergrund ist ein zwei Jahre zurückliegender blutiger Streit zwischen einer deutschen und einer türkischen Gruppe, bei der es fast einen Toten gegeben hätte.

Der sechste Verhandlungstag vor der Ersten Großen Jugendkammer ist der Tag der Verteidigung. Wann hat man - als Angeklagtenanwalt - schon mal das Glück, dass einem Hauptbelastungszeugen nachgewiesen werden kann, die Unwahrheit gesagt zu haben? Gestern war aus Sicht der drei Verteidiger Michael Quester, Matthias Kimmlingen und Markus Schiffer solch ein Glückstag. Ein Gutachter des Landeskriminalamts hat an einer Holzlatte Fingerabdrücke eines Zeugen festgestellt. Der 25-Jährige, ein Bruder des bei dem Streit in der Echternacher Straße durch einen Messerstich schwer verletzten türkischen Opfers, hatte allerdings zuvor ausgesagt, einer aus der deutschen Gruppe habe die Latte dabei gehabt. Gestern, mit den neuen Ermittlungsergebnissen konfrontiert, macht der abermals geladene Zeuge einen Rückzieher. "Ich gebe zu: Ich hatte die Latte dabei", räumt er ein. "Und sie aus meinem Auto genommen, als ich gesehen habe, dass mein Bruder angegriffen wird." Bei dem handfesten Streit im Juni vor zwei Jahren soll ein Vater mit seinen beiden Söhnen einen damals 26-jährigen Türken attackiert haben. Laut Staatsanwalt Peter Fritzen stieß der heute 48-jährige Vater dem Opfer ein Messer in den Oberbauch, was der Angeklagte allerdings bestreitet. Fakt dagegen ist: Nur durch eine Notoperation kam das Opfer seinerzeit mit dem Leben davon. Aber auch der mutmaßliche Hauptangreifer wurde verletzt: durch Schläge mit der Holzlatte. Warum aber sagte der Bruder des Opfers vor Gericht die Unwahrheit? "Ich entschuldige mich dafür", sagt der 25-jährige Zeuge. "Ich will nicht sagen, dass man hier ausländerfeindlich ist. Aber ich hatte das Gefühl, dass man mehr Ärger bekommt..." Da schüttelt selbst der erfahrene Vorsitzende Richter Rolf Gabelmann fassungslose den Kopf: "Sie machen es uns nicht leicht, die Wahrheit herauszubekommen", meint er. "Man könnte ja auch sagen, dass Sie dort hingegangen sind, um die anderen zu verprügeln." Wie aufgeheizt die Stimmung ist, wird vor Prozessbeginn im Gang deutlich. Nur weil die Anwälte beider Seiten dazwischen gehen, wird der seit Jahren bestehende Zoff nicht im Gerichtsflur fortgeführt. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Dann ist zunächst ein Ortstermin in Bitburg, bevor mittags im Trierer Landgericht die Plädoyers folgen. Urteilsverkündung soll heute in zwei Wochen sein.