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Drogenbeauftragte: Weil zu viel getrunken wird, sollen Wein und Bier teurer werden

Eine Frau trinkt ein Glas Wein. Die Deutschen trinken immer noch viel zu viel Alkohol. Deshalb fordern Suchtexperten, Bier und Wein teurer zu machen.
Eine Frau trinkt ein Glas Wein. Die Deutschen trinken immer noch viel zu viel Alkohol. Deshalb fordern Suchtexperten, Bier und Wein teurer zu machen. FOTO: Oliver Berg / dpa
Trier. Die Drogenbeauftragte des Bundes fordert höhere Preise für Alkohol. Die Winzer sehen das kritisch, die Bitburger Brauerei kann sich damit anfreunden. Das Land setzt auf Aufklärung. Von Bernd Wientjes

Bier, Schnaps und Wein sollen teurer werden. Das fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Hintergrund ist der zunehmende Alkoholkonsum in Deutschland. Laut Mortler konsumierten alle Bundesbürger über 15 Jahre im Schnitt rund 10,7 Liter reinen Alkohol – das entspricht einem gefüllten Eimer. „Wir sollten darüber sprechen, ob Preise von weniger als 20 Cent für einen halben Liter Bier oder weniger als vier Euro für Spirituosen sein müssen“, sagt die CSU-Politikerin.

Müssen Verbraucher also künftig für alkoholische Getränke mehr bezahlen, damit weniger getrunken wird? In skandinavischen Ländern kosten Bier, Wein und Schnaps deutlich mehr. Grund dafür ist eine strenge Alkohol-Politik mit hohen Steuern auf Bier und Schnaps, wodurch deren Konsum verringert werden soll.

Gerd Knebel, Weinbauexperte beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, hält nichts davon, Wein teurer zu machen. Das schade den Winzern. Und: „Wein ist ein Kulturgut und in moderaten Mengen auch gesundheitsfördernd.“ Außerdem, so Knebel, gehöre Wein nicht zu den alkoholischen Getränken, die massenweise von Jugendlichen konsumiert würden. Das seien eher hochprozentige Getränke, die oft schon für unter fünf Euro in Supermärkten verkauft würden. Die Winzer seien sich ihrer Verantwortung bezüglich Suchtprävention bewusst, sagt Knebel und verweist auf die europaweite Kampagne „wine in moderation“, mit der für maßvollen Weinkonsum geworben werden soll.

Auch die Bitburger Brauerei setzt nach eigener Aussage gemeinsam mit dem Deutschen Brauer-Bund auf Aufklärungskampagnen für Jugendliche und junge Erwachsene. Darin werde Alkoholmissbrauch „in jeder Form eine klare Absage“ erteilt, sagt Unternehmenssprecherin Angelika Thielen. Die gesamte Werbung richte sich ausschließlich an Erwachsene, „Wir setzen uns seit jeher für einen verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit dem Thema Alkohol und Bier ein.“ Und dazu gehöre auch ein höherer, „angemessener“ Preis, „der auf bewussten Genuss und Konsum und nicht auf massenhafte Schnäppchenkäufe abzielt“. Eine Gesetzesänderung, dass Bier und Wein genauso wie Hochprozentiges nur noch an Erwachsene und nicht wie derzeit bereits an über 16-Jährige verkauft werden dürfen, hält sie für nicht notwendig. Immer mehr Jugendliche gingen sehr verantwortungsbewusst mit Alkohol um.

Das bestätigt die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Der Alkoholkonsum der 12- bis 17-Jährigen gehe seit Jahren deutlich zurück. Allerdings ist die Zahl der Jugendlichen, die sich ins Koma gesoffen haben und im Krankenhaus gelandet sind, im Jahr 2016 in Rheinland-Pfalz auf  1425 gestiegen, das waren laut der Krankenkasse DAK vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Es sei ein großes Anliegen der Landesregierung, „dem riskanten und schädlichen Alkoholkonsum entgegenzuwirken“, sagt Bätzing-Lichtenthäler gegenüber unserer Zeitung. Doch statt auf härtere Gesetze und höhere Preise setzt sie auf Aufklärung, in der es darum gehe, auf die Gefahren „riskanten Alkoholkonsums hinzuweisen und frühzeitig einen verantwortungsbewussten Umgang zu vermitteln“.

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