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"Verbrennt den Judas!"

Das Osterfest wird nicht nur mit religiösen, sondern auch mit vorchristlichen Bräuchen gefeiert. Einer dieser Bräuche ist das Osterfeuer. Früher wurde bei diesem Feuer eine als Judas bezeichnete Strohpuppe verbrannt - und eine Person im Ort wurde symbolisch zum Judas, die fortan Hohn und Spott ausgesetzt war. Von unserem Mitarbeiter Alois Mayer

Daun. Ostern, das Fest der Auferstehung Christi, ist das älteste Fest der Christenheit. Anfangs wurde es nicht an einem bestimmten Tag gefeiert. Erst nach dem Konzil zu Nicäa (325 nach Christus) wurde der Termin einheitlich auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gelegt. Neuerdings sind weltweite Bestrebungen erkennbar, Ostern, genau wie Weihnachten, auf einen festgelegten Termin zu legen. Die Vereinten Nationen (UNO) empfehlen dafür den 8. April.

Viele erklären den Namen als abgeleitet von einer germanischen Frühlingsgöttin Ostara. Doch diese Göttin scheint in der Romantik erfunden worden zu sein. Zumindest ist sie bis heute nicht nachgewiesen. Wahrscheinlicher dürfte die Ableitung des Namens von dem angelsächsischen Begriff "eastron" und dem Althochdeutschen "ôstarun" sein. Beides bedeutet "die Morgenröte".

Sonnenkult wird Osterbrauch



Viele nichtchristlichen Religionen verehren die Sonne und feiern Frühlingsfeste oder Sonnenkulte. Auch hiesige Bräuche des Osterfeuers oder des brennenden Osterrades sind noch auf vorchristlichen Kult zurückzuführen. Sonne ist lebensspendend und bringt Fruchtbarkeit hervor. Symbole dieser Fruchtbarkeit sind noch als Osterbräuche im Osterei oder Osterhasen zu erkennen.

Im christlichen Glauben ist der auferstandene Jesus die lebensspendende Kraft, das Licht, das Segen und Fülle bringt. Ihm zu Ehren werden Feuer und Kerzen geweiht. "Lumen Christi" (Christus, das Licht) preisen die Gläubigen ihn in den Ostermetten. Geweihte Osterkerzen werden mit nach Hause genommen. Aber auch das gesegnete Osterwasser wird von Gläubigen im Anschluss an die Auferstehungsmesse in Flaschen und Krügen mit in die Wohnungen genommen.

Dereinst wurden sie in ein "Weihwasserkesselchen" an der Wand gefüllt und sich damit gesegnet. Ein frommer Brauch, der wahrscheinlich ausgestorben ist, genau wie folgender: Hatte eine Kuh gekalbt, gaben Bauern ihr von diesem geweihten Osterwasser zusammen mit Salz in "die iescht Sauf" zu trinken.

Ebenfalls (nach dem Ersten Weltkrieg) verschwunden sind die merkwürdigen Bräuche der "Judasjagd" und des "Judaslärmens".

Judas war einer von den zwölf Aposteln Jesu und der, der seinen Herrn verriet und ihn so dem Kreuzestod auslieferte.

Seit jener Zeit gilt er als ein verabscheuungswürdiges Wesen und als Symbol des heimtückischen Verräters (Judaskuss).

Um diese tragische Gestalt entwickelten sich in der Eifel ab dem 16. Jahrhundert Bräuche. Vor dem ersten Gottesdienst am Ostermorgen veranstalteten Gläubige lauten Lärm im Kirchenraum. Gepolter und Fußgetrappel sollten sowohl den Tumult darstellen, der bei der Gefangenschaft Jesu als auch beim Erdbeben an Jesu Tod entstand. Es war aber auch Hinweis auf die Empörung des Volkes über den Verrat des Judas.

Prozession um die Kirche



In Pfarreien zog an Ostermorgen der Priester mit den Gläubigen in einer Prozession dreimal singend um die Kirche ("Christus ist erstanden"). Bei jedem Umgang klopfte er mit einem Kreuz an die Eingangstür und sang jedes Mal in höherer Tonlage auf Latein aus Psalm 23 den Vers: "Ihr Törichten erhebet eure Häupter, dass der König der Herrlichkeit eintreten kann." Nach dem dritten Male wurden die Eingangstüren geöffnet. Alle betraten den noch dunklen Kirchenraum.

Der Letzte wurde der "Jaudes" (= Judas) genannt und ausgelacht.

In anderen Dörfern stand man an Ostermorgen besonders früh auf, um beim Läuten der Glocken zur Frühmesse schnellstens zur Kirche zu eilen.

Der Letzte wird verspottet



Derjenige, der als Letzter den Kirchenraum betrat, wurde mit Gelächter und Gespött begrüßt. Er war nun für ein Jahr lang der "Jaudes", bis nächste Ostern ein anderer "Jaudes jejaacht" wurde.

Noch 1955 schreibt der Große Brockhaus: "Judasverbrennen, ein am Funkensonntag oder beim Osterfeuer geübter Brauch, bei dem eine als Judas bezeichnete Strohpuppe verbrannt wird.” Für diesen makabren Brauch des Judasverbrennens dürfte ein uraltes Kirchenlied einige Aufklärung bringen.

In ihm heißt es: "Judas muss leiden höllische Pein, Luzifers Geselle muss er sein!" Damit stand für die Volksmeinung fest, dass jener Verräter - in Gestalt einer Strohpuppe - im höllischen Feuer brennen müsse.