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350 Seiten Erinnerungen zum runden Geburtstag – Stadt Hermeskeil wird 50 Jahre alt

Feier verschoben : 350 Seiten Erinnerungen zum runden Geburtstag – Stadt Hermeskeil wird 50 Jahre alt (Fotos)

Heute wird die Stadt Hermeskeil 50 Jahre alt. Das große Feiern ist zwar aufs nächste Jahr verschoben. Doch pünktlich zum Geburtstag liegt die Chronik vor, die neben historischen Daten auch Kurioses und Unerwartetes zur Stadtgeschichte bietet.

Es sollte ein großer Tag für Hermeskeil werden: Am 4. Juli 1970 war in der Turnhalle des Gymnasiums alles vorbereitet für die Verleihung der Stadtrechte. Doch um 6.45 Uhr rückte die Feuerwehr an, weil laut Oberbrandmeister Willi Eiden ein defektes Kabel einen Schwelbrand ausgelöst hatte.

Wehrleute, Soldaten und Helfer des Technischen Hilfswerks schleppten Stühle, Fahnen und Bühnenschmuck zur Hochwaldkaserne, wohin der Festakt kurzfristig verlegt wurde. Dort nahm Bürgermeister Alfons Schmitt die Stadtrechtsurkunde vom damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Helmut Kohl entgegen, der Hermeskeil eine „friedvolle Zukunft und Gottes Segen“ wünschte.

Die turbulenten Umstände von damals schildert Autor Dittmar Lauer in der 350 Seiten starken Chronik „50 Jahre Stadt Hermeskeil“, die rechtzeitig zum runden Geburstag fertig geworden ist (siehe Info). Den Feierlichkeiten im Juli 1970 – es gab einen historischen Umzug, Gottesdienste, Musik- und Heimatabende, Ausstellungen und Kirmes – widmet er ein ganzes Kapitel. Darin schreibt Lauer auch, dass die Kriminalpolizei angesichts des Feuers wegen Brandstiftung ermittelt habe – letztlich ohne Ergebnis. „Alle waren alarmiert, das war wohl dem damaligen Zeitgeist geschuldet“, vermutet der Autor. Die Bild-Zeitung berichtete von „Dörflern, die verhindern wollten, Städter zu werden“.

Ob dem so war oder nicht – heute wären die Hermeskeiler sicher froh, wenn sie wie damals ausgiebig feiern könnten. Geplante Jubiläumsveranstaltungen musste die Stadt wegen der Corona-Pandemie absagen und will sie 2021 unter dem Motto „50 + 1“ nachholen. Pünktlich zum Geburtstag können die Bürger nun immerhin in der umfangreichen Chronik blättern.

Heimatforscher Dittmar Lauer nutzte dafür das Hochwald-Archiv mit unzähligen Büchern, Zeitungen, Urkunden und historischen Aufnahmen, die der Kulturgeschichtliche Verein Hochwald in der ehemaligen Kaserne hütet. Der 83-jährige Vereinsvorsitzende aus Kell, gebürtiger Hermeskeiler, befasst sich seit 40 Jahren intensiv mit der Geschichte der Region. In der Jubiläumschronik blickt er nicht nur auf wichtige Ereignisse der vergangenen 50 Jahre in Hermeskeil zurück. Er beschreibt auch Stationen auf dem Weg zur Stadt. „Da stehen einige Dinge, die vielen unbekannt sein dürften“, vermutet Lauer.

Das längere „Hin und Her“ vor der Stadtwerdung, findet er, sei typisch für die Hermeskeiler, die Chancen oftmals nur zögerlich ergreifen würden. Der Ort sei lange vor 1970 „als natürliches Zentrum des Hochwalds akzeptiert“ gewesen. Ab 1850 habe es mehrmals Versuche gegeben, Hermeskeil zum Zentrum eines eigenen Kreises zu machen – doch alle scheiterten. Als entscheidenden Schritt in Richtung Stadt sieht Lauer den Einzug der Bundeswehr, die das Leben in Hermeskeil ab 1961 mitgeprägt, durch ihren Abzug 2006 allerdings auch für große Herausforderungen gesorgt habe.

„Viel Neues“ können die Leser laut Lauer im Kapitel über ihren ersten Stadtbürgermeister Alfons Schmitt erfahren. Ein weiteres Kapitel handelt von der archäologischen Spurensuche im Hochwald – von ersten Dokumentationen durch Hermeskeiler Pfarrer bis zu den Forschern, die das 2012 entdeckte römische Militärlager vor der Stadt erkunden. In Passagen über die Entstehung von Stadtwappen und -fahne und die Herkunft des Stadtnamens, sagt Lauer, räume er mit „so manchen Fantastereien“ auf, die sich seit Jahren hartnäckig hielten. So erläutert er anhand historischer Dokumente, warum der Name „Hermeskeil“ mit einer Quelle nichts zu tun habe, wohl aber mit dem althochdeutschen Vornamen Hermann.

 Beim Festakt nimmt Bürgermeister Alfons Schmitt aus den Händen des damaligen Ministerpräsidenten Helmut Kohl die Stadtrechtsurkunde entgegen.
Beim Festakt nimmt Bürgermeister Alfons Schmitt aus den Händen des damaligen Ministerpräsidenten Helmut Kohl die Stadtrechtsurkunde entgegen. Foto: Hochwald-Archiv
 Ein bunter Heimatabend gehört zum Programm der Festwoche, mit der die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1970 in Hermeskeil ausgiebig gefeiert wird.
Ein bunter Heimatabend gehört zum Programm der Festwoche, mit der die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1970 in Hermeskeil ausgiebig gefeiert wird. Foto: Hochwald-Archiv
 „Hermeskeil wird Stadt!“: Plakate kündigen im Sommer 1970 das große Ereignis an. Eine Woche lang feiern die Bürger ausgiebig die Verleihung der Stadtrechte an die Hochwaldgemeinde.
„Hermeskeil wird Stadt!“: Plakate kündigen im Sommer 1970 das große Ereignis an. Eine Woche lang feiern die Bürger ausgiebig die Verleihung der Stadtrechte an die Hochwaldgemeinde. Foto: Hochwald-Archiv
 Tausende sind am 4. Juli 1970 auf den Straßen in Hermeskeil unterwegs. Sie feiern die Verleihung der Stadtrechte. Aus den Fenstern weht an vielen Häusern die neue Stadtfahne mit rotem Doppelkreuz.
Tausende sind am 4. Juli 1970 auf den Straßen in Hermeskeil unterwegs. Sie feiern die Verleihung der Stadtrechte. Aus den Fenstern weht an vielen Häusern die neue Stadtfahne mit rotem Doppelkreuz. Foto: Hochwald-Archiv
 Der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut und seine Gattin Hannelore (rechts) begleiten den ersten Stadtbürgermeister Hermeskeils, Alfons Schmitt, und dessen Frau zum Festakt zur Verleihung der Stadtrechte.
Der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut und seine Gattin Hannelore (rechts) begleiten den ersten Stadtbürgermeister Hermeskeils, Alfons Schmitt, und dessen Frau zum Festakt zur Verleihung der Stadtrechte. Foto: Hochwald-Archiv

In Grußworten loben Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landrat Günther Schartz die stetige Entwicklung der Stadt, ihre gute Infrastruktur, vielfältige Vereinslandschaft und „malerische Kulisse“. Hartmut Heck, Bürgermeister der VG Hermeskeil, urteilt, „dass Hermeskeil die 50 Jahre als Stadt in vorbildlicher Weise genutzt hat, um sich seinen Platz als Mittelzentrum im Hochwald zu sichern“. Stadtbürgermeisterin Lena Weber verspricht: „Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, auf diesem Weg zu bleiben.“ Die Funktion als Mittelzentrum herauszustellen, sei ihm auch beim Schreiben der Chronik wichtig gewesen, sagt Lauer. Für nächstes Jahr plant er schon einen Folgeband: „Ich habe noch viele Themen, die ich aufgreifen will.“

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