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Fiktive, aber realistische Flucht

Fiktive, aber realistische Flucht

Eben noch war da diese Distanz. Doch nun müssen sie handeln.

Von draußen sind Schüsse zu hören. Sie sollen fliehen, ruft ihnen der Mann, der sie eben noch freundlich begrüßte, zu. Und sie sollen nur das Notwendigste einstecken.
Aber was ist das? Etliche Jugendliche, die im Missio-Truck in die Rolle Gleichaltriger im Osten der afrikanischen Republik Kongo schlüpfen, entscheiden sich für Trinkwasser, Essen oder Kleidung. Doch spätestens als sie ihre "Flucht" in die Großstadt Nairobi führt, ist klar: sie hätten Ausweise und Zeugnisse einstecken sollen. Denn nun müssten sie von schlecht bezahlten Aushilfsjobs leben, bedauern Joana und Lea.
Erlebnisse wie diese lassen Hermeskeiler Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren ein Stück weit nachempfinden, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Und zwar im Rahmen einer Kooperation der Klassenstufen 10 und 11 der Integrierten Gesamtschule (IGS) und einer Projektgruppe des Gymnasiums. Im realen Leben haben nur wenige von ihnen Kontakt zu Flüchtlingen. Daher ist es für sie eine wertvolle Erfahrung, sich in eine solche Situation hineinzuversetzen. Es sei wichtig, Vorurteile aus dem Weg zu räumen, bringt Svenja ihre Meinung wie die von Mitschülern auf den Punkt. Zumal es ja auch für sie selbst realistisch sei, unter Umständen flüchten zu müssen, sagt Mitschülerin Tosia im Blick auf das im Rahmen des Projektes erprobte Planspiel. Die Schüler testen, wie sie sich verhalten würden, wenn es ein Reaktorunglück im Kernkraftwerk Cattenom geben sollte.
Durchweg begrüßt wird die Gelegenheit, mit Betroffen sprechen zu können - im Islamischen Kulturzentrum Hermeskeil und in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) vor Ort. So ist Peter angenehm überrascht. Der Ablauf dort sei weniger strikt geregelt, als er sich das vorgestellt habe, sagt er. Die dort lebenden Menschen könnten offen ihre Meinung vertreten.
Während der Besuche betreuen Felix Faber und Johannes Clemens vom Verein Blast the borders, hervorgegangen aus einer Schulprojektwoche "Flüchtlinge", sowie die Lehrerinnen Elke Engel (IGS) und Kerstin Schmitz-Stuhlträger (Gymnasium). Der Missio-Truck stelle die Thematik auf eine sehr interessante Art und Weise vor, lobt Christa Breidert, Leiterin der IGS.Extra: WAS PASSIERT IM MISSIO TRUCK?