Paula

So, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt unbeliebt mache: An dieser Stelle möchte ich mal den Sinn der inzwischen inflationären Bürgerbefragungen, Bürgerentscheide und Bürgerbegehren - fragen Sie mich bitte jetzt nicht nach den Unterschieden - bezweifeln. Gut, es mag ja ganz hilfreich sein, wenn man etwa beim Thema Kommunalreform Volkes Stimme kennt.

Dann weiß man jedenfalls, ob beispielsweise die Malborner lieber nach Hermeskeil oder Morbach wollen. Und von den Zerfern ist ja seit kurzem schon bekannt, dass es sie fast alle nach Saarburg ziehen würde, wenn der Verbandsgemeinde Kell tatsächlich bald das letzte Stündlein schlägt. Jetzt sollen dort ja sogar die Leute in allen 13 Orten ihre Meinung sagen, wie gleich nebenan zu lesen ist. Doch wenn die Bürger unbedingt entscheiden wollen, wie ein Brunnen auszusehen hat - vor einiger Zeit gab es diese Diskussion in Gerolstein - dann wird es meiner Meinung nach des Guten ein bisschen zu viel. Gleiches gilt, wie ich finde, wenn - wie im kleinen Schwarzwalddörfchen St. Peter unlänst geschehen - der Bau eines Supermarkts am Ortsrand vom Urteil der Einwohnerschaft abhängig gemacht wird. Wenn es mit dem Druck der Straße so weitergeht, dann kommt man irgendwo irgendwie irgendwann wahrscheinlich noch auf die Idee, dass auch der Kauf eines Gemeindetraktors oder die Wahl der neuen Farbe fürs Bürgerhaus nur durch eine Volksabstimmung geklärt werden darf. Dann stellt sich allerdings die Frage, wozu wir in Deutschland überhaupt noch eine repräsentative Demokratie haben. Die politischen Entscheidungen sollen nun mal die Leute treffen, die wir dafür gewählt hatten, und man kann sie doch nicht völlig entmündigen. Ich jedenfalls hätte keine Lust, mich in einem kleinen Ort in den Gemeinderat zu setzen, in dem ich nur noch darüber zu entscheiden habe, ob es auch dieses Jahr einen Seniorentag gibt und ob beim Martinsumzug für 100 Euro weniger Brezeln gekauft werden. Diese und weitere Kolumnen finden Sie im Internet unter www.volksfreund.de/kolumne