Spenden bei Spaßturnier in Kell am See gestohlen: Betroffene appellieren per Facebook-Botschaft an den Dieb

Diebstahl bei Benefizturnier : Spenden bei Turnier in Kell gestohlen: Betroffene appellieren per Facebook an Dieb

Eine Art Dorfolympiade haben befreundete Freizeitsportler am Samstag im Keller Dorfpark veranstaltet. Dort gesammelte Spenden wollten sie der Kita übergeben. Doch die etwa 1000 Euro sind weg. Nun bitten die Organisatoren den Schuldigen per Internetbotschaft, das Geld zurückzugeben.

Sebastian Heib und seine Mitstreiter sind noch immer „enttäuscht und niedergeschlagen“. Am Samstag haben sie mit etwa 50 Freunden im Dorfpark Dumpert in Kell am See privat eine Art kleine Dorfolympiade organisiert und die Gäste um Spenden gebeten. Das Geld sollte der Kita in Kell zugutekommen. „Es war ein rundum gelungener Tag mit viel Freude“, berichtet Heib dem TV am Dienstag. Das Ende sei dann aber „für alle ganz schmerzhaft“ gewesen. Der Grund: Die Spendenkasse ist verschwunden. Vermutlich hat sie jemand unbemerkt entwendet.

Den „Battle of the Giants“ – wie die Organisatoren ihr Turnier nennen – gab es zum dritten Mal. „Es ist alles rein privat – von Freunden für Freunde und für einen guten Zweck“, erläutert Heib. Die Ortsgemeinde unterstütze das zehnköpfige Orgateam, indem sie die Nutzung des Dorfparks erlaube. Dort haben laut Heib fünf Freizeitmannschaften in verschiedenen Spielen um den Sieg gekämpft. Alle hatten schon vorher Geld in ihren Teams gesammelt, um Fixkosten wie zum Beispiel für die Verpflegung begleichen zu können. Was nach Abzug dieser Kosten übrig geblieben wäre, sollte an die Kita übergeben werden. Laut Heib waren „um die 1000 Euro“ im Spendenglas.

Dass das Geld weg ist, bemerkten die Organisatoren erst am nächsten Tag. „Die Kasse stand im Pavillon und immer unter Beobachtung. Als wir gegen Mitternacht aufgeräumt haben, war sie weg. Aber jeder dachte wohl, dass ein anderer sie eingepackt hat“, sagt Heib. „Das war im Nachhinein vielleicht etwas blauäugig.“ Am Sonntag hätten einige aus den Teams den Park abgesucht, auch in den Autos habe man nachgeschaut – ohne Erfolg. „Wir sind natürlich sehr enttäuscht, dass sich jemand offenbar an einem wohltätigen Zweck bereichert hat.“

Die Hoffnung aufgeben wollten die Veranstalter aus Kell aber nicht. Und so entschieden sie sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sebastian Heib veröffentlichte am Dienstagmorgen im sozialen Netzwerk Facebook eine Botschaft im Namen seiner Mitstreiter. Darin spricht er den Täter direkt an und bittet ihn, das Geld zurückzugeben. „Hiermit geben wir dir die einmalige Chance, dein Gewissen zu bereinigen und uns auf irgendeine Art und Weise das Geld zukommen zu lassen“, heißt es in der Nachricht, die bis gestern Nachmittag mehr als 190-mal geteilt wurde.

Die Battle-Organisatoren geben dem vermeintlichen Dieb bis Freitag, 21. Juni, Zeit für die Rückgabe des Geldes. Sie sichern ihm außerdem zu, dass er keine unangenehmen Folgen befürchten müsse: „Wir geben dir unser Wort, dass wir dich vor juristischen Konsequenzen und öffentlichem Anprangern schützen werden. Wir werden deine Identität schützen. Uns liegt es ganz allein am Herzen, das Geld übergeben zu können“, schreibt Heib in dem Beitrag. „Ich denke, wir bieten ihm damit einen guten, fairen Weg, die Sache vielleicht noch hinzubiegen“, begründet er die Initiative gegenüber dem TV. Auf welchem Weg das Geld zurückkomme, sei egal. „Es kann auch bei einem von uns im Briefkasten landen.“

Eine Anzeige bei der Polizei sei „der letzte Ausweg“, wenn sich niemand melde. Diesen Schritt musste im vergangenen Sommer auch der Musikverein in Morbach gehen. Dort waren während der Kirmes die Tageseinnahmen eines Bierstands in Höhe von rund 3000 Euro gestohlen worden (siehe Info).

Eine Reaktion mit Hinweis auf den Verbleib des Geldes gab es laut Heib bis zum späten Nachmittag nicht. Dafür sind bereits neue Spenden zusammengekommen. „Unsere Teams haben ihren Anteil noch einmal gezahlt. Aber es wollen auch einige Leute aus dem Ort und Betriebe etwas beisteuern.“ Er sei zuversichtlich, „dass es für die Kita eine richtig schöne Summe wird“, auch, wenn das gestohlene Geld nicht mehr auftauche. Kita-Leiterin Astrid Engbarth sagt dem TV, sie habe erst nach dem Diebstahl erfahren, dass Spenden für die Kita bestimmt gewesen seien. Die Einrichtung freue sich „über jede Unterstützung“. Der Diebstahl sei „natürlich sehr schade. Umso mehr, weil sich da jemand an etwas bereichert hat, das für eine gute Sache bestimmt war“.

Mehr von Volksfreund