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Beethoven ganz intim

Beethoven ganz intim

Ein Glücksmoment: In der Luxemburger Philharmonie spielte Joshua Bell Beethovens Violinkonzert in D-Dur. Mit ihm zu Gast waren die Londoner Philharmoniker und ihr Dirigent Riccardo Muti.

Luxemburg. Später beim Signieren seiner CDs wirkt er wie der nette Amerikaner von nebenan. Oben auf der Bühne im großen Konzertsaal der Philharmonie war er noch vor wenigen Minuten ein ganzer anderer. Fast ein wenig unbeholfen und ganz nach innen gekehrt ist er da.

So tief in die Musik versunken spielt Joshua Bell auch Beethovens berühmtes einziges Violinkonzert in D-Dur. Die Zeit ist voll von technisch virtuosen Geigern. Und doch unterscheidet sich der 1967 geborene Amerikaner eindrucksvoll von vielen seiner Kollegen. Auch wenn sein Spiel brillant ist, so war er doch nie einer von jenen kalten Hightech-Geigern, die weltweit unterwegs sind. Demut - jener altmodische Begriff im Umgang mit Kunst - steht im Raum, wenn man den wunderbaren intimen Klang seiner Geige hört und seine uneingeschränkte Hingabe an die Musik erlebt.

Erfahrung in der Kammermusik



Gewiss wird die Kammermusik-Erfahrung in Bells Spiel deutlich. Aber mehr noch: Bell hat Beethovens musikalische Gedanken tief und unauslöschbar verinnerlicht. Wie etwas ganz Kostbares geht er damit um, einfühlsam und nachdenklich. Nie gibt er den Virtuosen, immer steht er im Dienst der Musik, beim gefühlvollen Larghetto ebenso wie beim fröhlichen Schluss-Rondo und sogar bei der Kadenz. Unzählige Male hat man das Konzert gehört. Aber diesmal klingt es so wie eine Sache einzig zwischen Beethoven und Bell, und zum Glück kann man sagen, man war dabei.

Am Dirigentenpult steht der große Riccardo Muti, ein wahrer Meister des Orchesters und seiner selbst in seiner Präsenz und seinen disziplinierten Bewegungen.

Mit den Londoner Philharmonikern, die an diesem Abend einmal mehr beweisen, dass sie ein großartiges Orchester mit einer hinreißenden Spielkultur sind, hat Bell kongeniale musikalische Dialog Partner.

Mit Beethovens "Eroica" bestreiten die Londoner den zweiten Teil des Programms. Dabei wandelt Muti das allzu Heldische des Stücks in musikalisches Strahlen und menschliche Hoffnungsfreude.