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das Trierer Stadtmuseum Simeonstift ist wieder geöffnet

Masken in der Geschichte : Endlich wieder Kultur live!

Seit gestern hat das Trierer Stadtmuseum Simeonstift wieder geöffnet. Besucht werden kann nun auch die neue Wechselausstellung „Gesammelt und gesichtet“ mit Neuerwerbungen der vergangenen sieben Jahre.

Dienstag Morgen im Trierer Simeonstift. Vor einer halben Stunde hat das Stadtmuseum nach wochenlanger, coronabedingter Schließung endlich wieder geöffnet. Die erste Besucherin ist schon da. Ausgerüstet mit der obligatorischen Maske besichtigt Marlene Witek die neue Wechselausstellung „Gesammelt und gesichtet“, deren Eröffnung urprünglich für Ende März geplant war. Dabei hält sie vorsorglich den gebotenen Sicherheitsabstand zu anderen Personen im Raum. „Ich bin so froh, Kultur wieder live zu erleben“, freut sich die Kulturliebhaberin, für die Museums-und Theaterbesuche unverzichtbar zum Leben gehören. Besonders der Kontakt zu anderen Menschen fehle ihr in diesen Tagen, bedauert die Triererin. Mit dem kulturellen Live- Streaming hat es die zierliche Frau weniger. „Digitale Museumsgänge liegen mir nicht so. Es geht nichts über ein Live-Erlebnis.“

Freudige Erleichterung auch im Haus selbst. „Nichts ist trostloser als leere Ausstellungsräume“, bestätigt Elisabeth Dühr. Die sollen sich jetzt hoffentlich schnell wieder füllen. Dabei können sich Besucher sicher fühlen, wie die Museumschefin versichert. Sämtliche vorgeschriebenen Schutzvorkehrungen sind getroffen. Besucher dürfen das Haus nur mit Mund-und Nasenschutz betreten. Desinfektionsmittel stehen bereit. Eingang und Ausgang sind voneinander getrennt. Eingelassen werden Einzelbesucher (mehrere Personen nur nach den gesetzlichen Vorgaben) wie bisher an der Kasse, ausgeleitet dagegen durch den unteren ehemaligen Arkadengang.

Die günstigen baulichen Verhältnisse der historischen Anlage hätten die Regelung des Besucheraufkommens problemlos gemacht, erklärt Dühr. Einer Empfehlung des Robert Koch-Instituts folgend, stellt das Museum derzeit keine Audioguides zur Verfügung. Touchscreens und Medienstationen werden nach jedem Gebrauch durch Mitarbeiter desinfiziert. Geschlossen bleibt auch der Museumsshop wegen der engen Raumverhältnisse.

Vollständig ausfallen muss das komplette kulturelle Bildungs-und Begleitprogramm von der Führung über Vorträge bis zu Kindergeburtstagsfeiern. „Wir haben 70 Veranstaltungen abgesagt“, berichtet die Museumsdirektorin. Natürlich habe die wochenlange Schließung auch Auswirkungen auf die Arbeit im Haus gehabt, bei der ein Teil der Mitarbeiter „ausgelagert“ war. „Dass wir jetzt wieder alle zusammen sind, ist für die Teambildung ganz wichtig“-so Dühr.

Zum ersten Mal seit Wochen sitzt dann auch oben in den Ausstellungsräumen wieder eine freundliche Aufsicht und wacht darüber, was das Museum seinem Publikum an Gesammeltem präsentiert. Wie bei den allermeisten historischen städtischen Museen gründet auch der Bestand des Simeonstifts auf bürgerlichen Sammlungen und Schenkungen. Um Stadtgeschichte in ihrer Kontinuität und Vielfalt zu vergegenwärtigen und Gegenwart zukünftigen Generationen zu vermitteln, muss die Sammlung ständig erweitert, systematisch vervollständigt und wissenschaftlich bearbeitet werden. Einmal mehr zeigt das Haus jetzt auf zwei Ebenen solche Neuzugänge.

Bei den durch Ankäufe, Auktionen und neuerlichen Schenkungen erworbenen Sammlungsstücken handelt es sich um Neuerwerbungen der letzten sieben Sammlerjahre. „Mit der regelmäßigen Präsentation unserer Neuzugänge wollen wir unsere Verbindung mit der Bürgerschaft stärken und auch unseren Dank ausdrücken“, erklärt Dühr. Überdies – so die Kunsthistorikerin – will das Museum mit der Präsentation Bewusstsein für das Kerngeschäft des Hauses schaffen: sammeln, bewahren und erforschen. Eine aufwendige Arbeit, die neben profunder Sachkenntnis, Geduld, Sorgfalt und bisweilen Spürsinn erfordert. Etwa 150 Ausstellungsstücke werden in der Schau präsentiert. Alle Exponate stehen im Zusammenhang mit der Trierer Stadtgeschichte bis hin zur städtischen Gegenwart.

Einmal mehr zeigt sich, wie vielfältig die Sammlung des Museums ist. Sie reicht von Bildender Kunst bis zum Kunsthandwerk, von der Mode bis zu den Militaria. Um die systematische Sammlungspolitik des Hauses zu verdeutlichen, ist jeder Abteilung ein Exponat aus dem bereits vorhandenen Bestand vorangestellt. Eröffnet wird die über zwei Geschosse gehende Schau mit sehenswerten Gemälden des Trierer Malers und Grafikers Johann Anton Ramboux (1790-1866), bevor man etwas weiter zu einem absoluten Highlight gelangt, das zudem eine Rarität ist. Zu sehen ist ein sehr fein gemaltes Rosenbukett der Malerin Fanny Coupette (1854-1933). Die Tochter eines Trierer Landgerichtsrates unterrichtete als Kunsterzieherin im Privatunterricht die Kinder von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach.

Sehenswert sind die Dorfansichten von Anton Veit und Karl Willems großformatiges Aquarell „Wotan“, das Teil einer umfangreichen privaten Schenkung ist. Feinsinnig kommen die Goldschmiedearbeiten von Rudi Christoffel daher. Eine weitere Abteilung gilt der ehemaligen Trierer Werkkunstschule, der Hochschule Trier sowie der Europäischen Kunstakademie (EKA) und ihren Lehrenden, darunter August Trümper, Fritz Grewenig, Heinrich Dieckmann, Hans Proppe, Kat Becker und Mila Lederer. Für die EKA stehen Erich Kraemer und Joe Allen. Die Hochschule ist mit Entwürfen ihrer weit über die Region hinaus renommierten Fachrichtung Modedesign vertreten.

Thematisiert wird die Wirtschaftsgeschichte der Stadt mit einer Serie der lange Zeit beliebten „Treveris“ Gläser. Eine Rarität dürfte die Kleinbildkamera „Foinix“ aus den Trierer Feinmechanischen Werkstätten Karl Foitzik sein.

Immer wieder war Trier Kriegsetappe und Schauplatz von Eroberungen und Besatzungen. Eine weitere Abteilung gilt folgerichtig den „Militaria“, unter denen als makabres Exponat eine Armprothese auffällt. Da geht es schon friedvoller zu in der Abteilung der städtischen Kunstpreise, der Gegenwartskunst und der beauftragten Stadtansichten. Versteht sich von selbst, dass nach dem Karl -Marx-Jahr auch der Philosoph aus Trierer neuerlich thematisiert wird.

Schöne Aussichten bieten Landschaften aus Eifel und Moselregion mit ihrem ganz unterschiedlichen Zugriff der Künstler auf ihr Sujet. Zu den Highlights unter den Neuzugängen gehört zudem das seltene, prachtvoll gestaltete Bildporzellan aus der nur wenige Jahre bestehenden Trierer Porzellanmanufaktur (1791-1865). Interessante Glasuren schmücken die Jugendstilkeramik aus den Vereinigten Servais Werken in Trier- Ehrang.

Zählt zu den Höhepunkten der Ausstellung: Rosenbukett von Fanny Coupette. Foto: TV/Eva-Maria Reuther

Jedenfalls gibt es jede Menge zu sehen in der neuen Ausstellung. Und da es ohnehin Abstand zu halten gilt, ist Muße beim Betrachten garantiert.