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Sommerakademie
Klavier-Kunst der Extraklasse

Konz. Die Sonntags-Matinee der Sommerakademie in Konz beglückt mit hoher Qualität. Außerdem wird die wichtigste Frage zur Zukunft der Institution beantwortet. Von Dirk Tenbrock

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie wichtig der Fortbestand der Internationalen Konzer Sommerakademie für Klavier, Kammermusik und Orchester ist, dann wurde dieser am Sonntag bei der Auftakt-Matinee gegeben.

So viel vorweg: Es ist ein wahrer musikalischer Schatz, der hier jeden Sommer gehoben wird, immer wieder zeigt sich die außerordentlich hohe Qualität der jungen Studierenden, diesmal am Klavier. Nach dem Tod des Gründers und Organisators Paul Trein ist zwar die Nachfolge noch nicht geklärt, der Konzer Bürgermeister Joachim Weber gab jedoch ein klar positives Bekenntnis zur Sommerakademie ab: „Wir werden das in Paul Treins Sinn weiterführen!“ Musikalisch gab es an diesem sonnigen Sonntagmorgen im prachtvollen Saal des Klosters Karthaus die Crème de la Crème des Klavierrepertoires des 19. und 20. Jahrhunderts zu hören, Schubert, Chopin, Liszt und Prokofjew.

Eine sichere Bank sollte man meinen, jedoch auch höchst anspruchsvoll. Melancholisch und solide der Start mit Franz Schuberts Andantino Varié, D.823 mit vier Händen von Luca Montebugloni und Paolo Costanzo. Anspruchsvoll musiziert Nuria Capano Chopins Polonaise Nr. 2 mit tänzerischem Affekt und Intensität. Dann Franz Liszts’ berühmter Mephisto-Walzer Nr. 1 vom virtuosen Francisco Pieklo auch im rasenden Tempo noch sicher bis zum orgiastischen Höhepunkt gespielt. Großer Applaus und Bravo-Rufe schon zur Pause von den rund 80 Zuschauern. Zweimal Prokofjew nach der Pause, zuerst Sarcasmen op. 17: Florencina Caruso nimmt sich mit Verve dieses hochdramatischen und mit tatsächlich sarkastischen Untertönen belegten Werkes an. Constanza Ibarra legt dann viel Emotion und eine fast schon romantische Interpretation in die Sonate Nr.1. Die vierte im Bunde der Damen am Flügel ist Sofia Bras, sie erntet besonders viel Applaus für Chopins Ballade Nr. 3 mit ihren perlenden Läufen, aber auch den Dissonanzen.

Grundsätzlich sind alle Teilnehmer hochtalentiert, bestens vorbereitet (und ohne Notenblatt am Start) und äußerst konzentriert. Die Anspannung ist natürlich spür- und hörbar. Einzig die Wucht einiger Stücke überfordert die Akustik des kleinen Saales, manch harter Anschlag dringt dann zu intensiv bis zu den Zuhörern.

Sei es drum, zum Abschluss liefert der großartige Luca Montebugloni mit Chopins Barcarolle op. 60 ein Beispiel für perfekt im Raum klingende Musik. Vorweg schenkt er dem Publikum mit dem Prelude 20, op. 28 noch einen wunderbaren Barry-Manilow-Moment, ist dieses Stück doch auch gleichzeitig das Intro zum Popsong „Could it be magic“.

Ein beglückendes mittägliches  Konzert von hoher Qualität, das für den Fortbestand der Internationalen Sommerakademie Werbung macht.