Donald Duck wird am Sonntag 85 und ist immer noch quicklebendig eine Betrachtung

Comics : Der ewige Underduck

Der berühmteste Erpel der Welt: Donald Duck wird am Sonntag 85 und ist immer noch quicklebendig.

Von Anfang an zog er den Kürzeren. Sein Schöpfer Walt Disney bestand darauf, dass Donald an einem Freitag, dem 13., geboren worden war. So stand sein Leben ab dem ersten „Quack!“ unter einem ungünstigen Stern. Ganz im Gegensatz zu seiner Karriere: Er hat aus Pech, nun, nicht Gold, aber wenigstens Ruhm gemacht. Und den hat er sich erworben als ewiger Underduck. Egal, welche Aufgabe ihm aufgebürdet wurde (meistens von seinem irgendwo im achten Lebensjahrzehnt erstarrten und seitdem unsterblichen Erbonkel Dagobert), egal, welchen Herausforderungen er sich stellen musste – sei es als Begleiter seiner sehr kapriziösen Cousine Daisy, sei es als von drei Neffen hemmungslos überforderter Onkel: Man konnte darauf wetten, dass er versagte. Und wenn er einmal gewinnen sollte, so war es meist ein kurzer Triumph nach einem Pyrrhussieg, denn im nächsten Comic war sein Glück schon wieder verflossen; er musste wieder von vorn anfangen: ein neues Abenteuer, neue Demütigungen, neues Leid.

Zunächst stand der jähzornige, aber dennoch liebenswerte Erpel im Schatten der besserwisserischen Micky Maus. Nachdem Donald am 9. Juni 1934 das Leinwandlicht der Welt in dem Film „Die kluge kleine Henne“ erblickt hatte – natürlich nur in einer Nebenrolle –, durfte er in einigen Episoden von Micky Maus mitwirken, ebenfalls nur in kleineren Auftritten. Seine erste Hauptrolle erhielt er 1937 in „Don Donald“, ein Jahr später wurden ihm seine drei Neffen Tick, Trick und Track beigesellt, deren Herkunftsfrage nie zufriedenstellend geklärt werden konnte. Mutter Della Duck brach irgendwann zu einer Expedition auf und wurde fortan nicht mehr gesichtet; die Identität ihres Vaters, eigentlich eine Ungeheuerlichkeit sowohl in der blitzblanksauberen Disneywelt als auch im sittenstrengen God‘s own country,  ist bis heute nicht geklärt.

Nachdem dieses Land in den Krieg eingetreten war, musste auch Donald an die Front – wenn auch nur an die Leinwandfront. Dabei erlebte er den triumphalen Höhepunkt seiner Filmkarriere: Er spielte einen Fabrikarbeiter, der an den Machenschaften des Naziregimes verzweifelt. Für „The Führer‘s Face“ erhielt sein Hauptdarsteller – beziehungsweise dessen Vater – 1943 einen Oscar.

Donalds Vater – oder besser gesagt, betreuender Manager, der seinen Schützling zu jenem Charakter formte, als der er in die Comic-Geschichte eingegangen ist – war Carl Barks (1901 – 2000). Und er stattete Donald mit jenem Familien- und Bekanntenkreis aus, an dem er sich zeit seines Lebens abarbeiten muss: Dagobert Duck, der reichste Mann der Welt, an dessen Geld Donald, der Alleinerbe, ohnehin niemals kommen wird, da beide auf ewig weiterleben müssen, oder Daniel Düsentrieb, der geniale Erfinder, und die Panzerknacker, Dagobert Ducks dreifache Nemesis, die den Trilliardär in alle Ewigkeit auf Trab halten werden, weil sie es auf seine Taler abgesehen haben. Von Barks stammt übrigens auch der Name Entenhausen („Duckburg“), Mittel- und Angelpunkt aller Disney-Abenteuer.

Von allen Entenhausener Bürgern fühlte Barks sich am engsten Donald verbunden. „Ich selbst habe mich immer als einen Pechvogel gesehen, wie Donald, der ein Opfer aller möglichen Umstände ist. Aber es gibt wohl niemanden in den Vereinigten Staaten, der sich nicht mit ihm identifizieren könnte. Er ist alles, er ist jeder; er macht dieselben Fehler, die wir alle machen. Er ist manchmal ein Schurke, oft ist er wirklich ein feiner Kerl, immer aber hat er, wie ein jeder von uns, mit den Tücken des Alltags zu kämpfen, und ich glaube, dass das einer der Gründe ist, warum die Leute die Ente mögen“, erzählte Barks in seiner Biografie. Und wenn nicht alles täuscht, dürfte sich das bis zu den nächsten runden und halbrunden Geburtstagen von Donald Duck kaum geändert haben.

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