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Kultur
So sexy kann der Tod sein

Totentänze von Horst Janssen, Tony Munzlinger, Lutz Friedel und aus alter Zeit. Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich.
Totentänze von Horst Janssen, Tony Munzlinger, Lutz Friedel und aus alter Zeit. Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich. FOTO: TV / Katharina de Mos
Trier. Eine Ausstellung im Alten Rathaus in Wittlich zeigt ab Sonntag zig Totentänze – ganz alte, ganz junge, ganz unerhörte. Von Katharina de Mos

Bleiche Knochen und blanke Brüste – ein Tabuthema kommt selten alleine. Als wäre es nicht schon provokant genug, den Tod zurück in die Mitte des Lebens zu holen, so kommt dieser in Wittlich nun auch noch ausgesprochen lüstern daher. Die Ausstellung „Danza Macabra“ im Alten Rathaus zeigt ab Sonntag Totentänze von Horst Janssen, Tony Munzlinger, Lutz Friedel und aus alter Zeit.

Beginnen wir mal mit der alten Zeit, in der der Tod noch zum Leben gehörte und Totentänze ein vertrauter Anblick waren. Sie zierten Friedhofsmauern und wurden in Drucken massenhaft verbreitet, um die Menschen zu ermahnen. Und sie daran zu erinnern, wie vergänglich sie sind. Wie machtlos im Angesicht des Todes.

„Seit dem Mittelalter gibt es die Idee, dass die unerlösten Seelen über den Gräbern tanzen“, sagt Kurator Richard Hüttel. Eine Vorstellung, die in den Pestepidemien des 14. Jahrhunderts auch sozialkritisch genutzt wurde. Denn der Sensenmann macht vor niemandem Halt. „Der Tod ist ein Gleichmacher“, sagt Hüttel. König und Bischof raffte er genauso dahin wie das gemeine Volk. Über all das wird die Ausstellung mit Hilfe von großformatigem Anschauungsmaterial informieren. Das wichtigste Exponat aus dieser alten Zeit ist der Trierer Totentanz. „Eine sehr, sehr wertvolle Handschrift aus dem 15.Jahrhundert, die die Stadtbibliothek Trier uns leiht“, sagt Elke Scheid, die Leiterin des Wittlicher Kulturamts.

Doch nicht nur alte, auch neue Totentänze sind unter den rund 50 ausgestellten Gemälden und Grafiken. „Man sollte meinen, dass Totentänze in Zeiten der Röntgenbilder und Tumormarker keine Rolle mehr spielen“, sagt Hüttel. Dabei gebe es eine Unmenge aus dem 20. Jahrhundert. Die Ausstellungsmacher haben drei Künstler ausgewählt, deren Bilder repräsentativ für die Flut an Werken sind.

Toni Munzlinger, der 1934 in Wittlich geboren wurde und nun in Italien lebt, hat seinen gesamten Nachlass der Stadt Wittlich vermacht. Seine musizierenden, bunten Schweine und Katzen kommen allerdings hier sicher nicht an die Wand. Dafür Bilder mit ebenso schwarzem Hintergrund wie schwarzem Humor, bei denen Skelette die Hauptrolle spielen. Mal tanzen sie sexy Tango oder knutschen, mal schütteln sie einander die Hand (und schwupps, reißt sie ab).

Ernster und noch deutlich düsterer geht es in den Bildern des international bekannten Hamburger Zeichners und Grafikers Horst Janssen zu (gestorben 1995). Das alte Thema „der Tod und das Mädchen“ spielt laut Hüttel eine große Rolle in den ausgestellten Zeichnungen. „Er fusioniert Beischlaf und Todesschlaf“, sagt der Kurator. Knochige Todeshände greifen da nach den zarten Brüsten gekreuzigter Frauen....

Auch im Werk von Lutz Friedel (1948 geboren in Leipzig) vereinen sich öfter mal Tod und Eros. Hunderte Totentänze hat er gemalt. Warum denn das? „Jeder Maler hat irgendwann die Idee, man müsste mal was mit Totentanz machen“, sagt er, während er seine Bilder auspackt. Bei Friedel brachte eine überdachte Brücke in Luzern den Ball zum Rollen. Denn in den Giebeln dieser Brücke zeigen bemalte Holztafeln die Szenen eines Totentanzes. Aus einem Bild seien fünf geworden, dann zehn, dann 300. Von Blockade keine Spur. Er stehe auf und habe Totentanz-Bilder im Kopf. „Das ist ein glücklicher Zustand“, sagt der Maler.

Auch seine Bilder haben Witz: Hier fühlt ein Skelett dem Doktor den Puls. Dort liegt ein Päckchen Tempos neben einem Totenschädel. „Tempus fugit“ (die Zeit rast) mag sich der lateinkundige Betrachter denken – das alte Vanitasmotiv, ja, ja – und schmunzeln. Von wegen! Total daneben! „Wo sterben die meisten Kinder?“, fragt der Künstler und lacht. „Im Tempo“, lautet die Antwort. Bei den Franzosen werde der Orgasmus ja auch „der kleine Tod“ genannt. Nun gut. Tod und Sex sind in dieser Schau nun mal vereint. Schön provokant, dabei lehrreich und sicher kurzweilig.

In der Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich, sind unter anderem Bilder von Tony Munzlinger (links), Lutz Friedel (mitte) und der bekannte Trierer Totentanz aus dem 15. Jahrhundert (rechts) zu sehen.
In der Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich, sind unter anderem Bilder von Tony Munzlinger (links), Lutz Friedel (mitte) und der bekannte Trierer Totentanz aus dem 15. Jahrhundert (rechts) zu sehen. FOTO: TV / Katharina de Mos
Totentänze von Horst Janssen, Tony Munzlinger, Lutz Friedel und aus alter Zeit. Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich.
Totentänze von Horst Janssen, Tony Munzlinger, Lutz Friedel und aus alter Zeit. Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich. FOTO: TV / Katharina de Mos
Totentänze von Horst Janssen, Tony Munzlinger, Lutz Friedel und aus alter Zeit. Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich.
Totentänze von Horst Janssen, Tony Munzlinger, Lutz Friedel und aus alter Zeit. Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich. FOTO: TV / Katharina de Mos