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Kultur
Humorvolle und lebensnahe Tipps von der „Queen“

Nicole Staudinger bei ihrer Lesung in Gerolstein. Die Liedtexte ihrer Hitliste hatte sie für das Publikum auf Tafeln schreiben lassen.
Nicole Staudinger bei ihrer Lesung in Gerolstein. Die Liedtexte ihrer Hitliste hatte sie für das Publikum auf Tafeln schreiben lassen. FOTO: Christina Bents
Gerolstein. Nicole Staudinger hat beim Eifel-Literaturfestival aus ihrem aktuellen Bestseller, „Stehaufqueen“ gelesen. Dabei wurde gelacht, gesungen und es gab ernste Momente. Von Christina Bents

Schon gleich zu Anfang des Abends wurde es emotional, in der neuen Produktionsanlage des Gerolsteiner Brunnens. In ihrer natürlichen Art zeigte sich Nicole Staudinger beeindruckt vom Ambiente in Gerolstein, der Größe der Halle, der Menge der gestapelten Wasserkisten und den rund 500 Besuchern. „Jetzt stehe ich hier, mit meiner rutschenden Strumpfhose und finde das ganze hier extrem geil“, sagte sie, sprühend vor Lebensfreude.

Dann beginnt sie zu berichten, wie es zum Buch kam. Eigentlich hätte es ein intellektueller Klopper werden sollen, nach den Büchern „Brüste umständehalber abzugeben“ und „Die Schlagfertigkeitsqueen“, doch ihr befreundeter Autorenkollege Sebastian Fitzek meinte, dass es ihn deutlich mehr interessieren würde, wie sie mit alldem, was nach ihrem Bucherfolg und ihrer Krebserkrankung, auf sie eingestürzt ist, umgegangen ist. Und was es mit ihr gemacht hat. Darüber habe sie nachgedacht und begonnen aufzuschreiben, was ihr während ihrer Brustkrebserkrankung und in der Zeit danach, als sie überraschend zur Bestsellerautorin geworden ist, geholfen hat. Herausgekommen ist ein Buch mit 100 Stehaufregeln. Sie betont, dass sie keine Therapeutin ist und keine Ratschläge geben will, sondern aufgeschrieben hat, was ihr selbst eine Hilfe war.
Da sind beispielsweise die Lebensweisheiten ihrer Kölner Großmutter: Als sie mit 16 Jahren von ihrem ersten Freund verlassen worden ist, meinte die nur: „Männern und Straßenbahnen soll man nie hinterherlaufen, die kommen von selbst, in regelmäßigen Abständen wieder.“ Ein anderer handelt davon, dass man nicht weiß, was die Zukunft bringen wird. An den habe sich die Autorin erinnert, als sie nach einer Lesung von einer Frau angesprochen wurde, mit den Worten: „Das ist aber mutig von ihnen, sich hier so kurz nach ihrer Erkrankung hinzustellen, bei ihrer Rückfallquote.“ Sie berichtet: „Das hat mich sehr beschäftigt, aber dann habe ich mich an meine Oma erinnert und mir gesagt, dass ich die Risikogruppe kenne, aber wenn ich mir das jeden Tag vor Augen halten würde, hätte ich keine Therapie machen müssen.“ Für sich hat sie daraus den Schluss gefasst: „Ich besteige die Berge erst, wenn sie da sind.“

Weitere Tipps mit Beispielen waren „scheitere heiter“ und „Schau auf die angenehmen Seiten des Lebens.“ Durch ihre Krebserkrankung hat auch das Thema Dankbarkeit einen neuen Stellenwert erhalten. „Gesund, glücklich und schmerzfrei aufwachen, ist ein Grund sehr dankbar zu sein“, betont Nicole Staudinger. Musik hatte sie auch dabei, eine Hitliste, die ihr gut geholfen hat, mit „Für dich solls rote Rosen regnen“ oder „Sowieso“ von Mark Forster. Dabei forderte sie das Publikum auf, mitzusingen, was es dann auch tat.

Insgesamt wirkte Nicole Staudinger reifer, als noch bei ihrer Vorstellung ihres ersten Buches, kurz nach ihrer Erkrankung. Der zeitliche Abstand, mit dem sie jetzt auf die schwere und turbulente Zeit schaut, hat bei ihr bewirkt, dass sie gefestigter auf die Ereignisse reagiert und dennoch nichts an Mitgefühl und Einfühlungsvermögen eingebüßt hat. Ihre Tipps gibt sie im Buch weiter. Stehenden Applaus bekam sie dafür von den Besuchern.

Die Stehaufqueen, ist im Knaur-Verlag erschienen, hat 288 Seiten und kostet 14,99 Euro.