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Leidenschaft und Temperament

Leidenschaft und Temperament

"Ich wünsche Ihnen eine gute Fahrt nach Südamerika", begrüßt Mariano Chiacchiarini, Dirigent des Collegiums Musicum, die gut 500 Zuhörer in der ehemaligen Abtei St. Maximin in Trier. Mehr als 130 Musiker und Sänger von Chor und Orchester der Universität Trier sowie Gäste sorgen für eine unterhaltsame musikalische Reise - von Beethoven bis zu Samba- und kubanischen Klängen.

Trier. Wie kann man nur so ruhig stehen bei diesen schnellen Rhythmen, die einen schier vom Stuhl reißen, bei dem Gesang, so leidenschaftlich vorgetragen von Tenor Philip Farmand und dem Chor der Universität Trier? Gerardo Estrada kann es. Der Komponist aus Venezuela hat die beiden Stücke aus Ariel Ramírez\' "Navidad Nuestra" - eigentlich für eine kleine Combo gedacht - für Sinfonieorchester arrangiert und dirigiert sie selbst: sparsam, aber nicht weniger leidenschaftlich. Die gut 500 Zuhörer in St. Maximin applaudieren stürmisch, sparen nicht mit Bravorufen - die musikalische Reise ist fast beendet.
Sie beginnt zunächst ruhig, mit "Meeresstille und glückliche Fahrt" von Ludwig van Beethoven. Dann nehmen Chor und Orchester des Collegiums Musicum Fahrt auf. Kaptain Mariano Chia cchiarini manövriert seine rund 85 Sänger und 50 Instrumentalisten durch die See, macht mit "Soon I\'ll Be Done" einen Abstecher auf die Insel, bevor es über den Ozean geht.
Dann stimmt der Chor, unterstützt von Piano und Percussionsinstrumenten, die Zuhörer mit einer Samba aus Brasilien auf südamerikanische Rhythmen ein. Beim "Danzón No. 2" von Arturo Márquez zeigen die Musiker Temperament und für ein Laienorchester erstaunliches Können zugleich. Bald zupfen die Streicher ihre Saiten, bald streichen sie im Crescendo darüber. Dazu Percussion, Soli von Klarinette, Oboe, Piano, Flöten, Blechbläsern, Violine und Bass. Da lässt sich auch der sonst eher gelassene Dirigent Chiacchiarini mitreißen.
Den Höhepunkt bildet der Tango "Adiós Nonino", getanzt von Carmen "La Rubia" und César Spengler - leider in den ersten Reihen nicht zu sehen. Normalerweise für ein Tanzorchester arrangiert, kommt das Stück von Astor Piazzolla beim Collegium sinfonisch rüber, authentisch mit typischen Schlagwerkzeugen, einem sehnsuchtsvoll singenden Farmand und - für die gebührende Melancholie - mit Bandoneon (Juan Guerra). Die Musiker haben ihre Gäste sicher ans Ziel gebracht und werden mit lautem Applaus für die Reisebegleitung belohnt.