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Mayito Rivera & Sons of Cuba zünden in Trier musikalisches Feuerwerk

Konzert : Besuch von einer tropischen Insel

Beim Jazz im Brunnenhof in Trier zünden Mayito Rivera & Sons of Cuba ein musikalisches Feuerwerk.

Sie sind echt nicht leicht zu knacken, los alemanos. Sitzen wie festgeklebt auf ihren Stühlen, wackeln vielleicht mal ein bisschen mit den Schultern und klopfen den Takt mit den Füßen. Und wenn mal ein Paar sich tatsächlich traut, zu den blutdrucksteigernden Salsa-Rhythmen ein geschmeidiges Tänzchen aufs Parkett bzw. Pflaster zu legen, werden sie, Karl Lauterbach hätte es mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen, sofort zurückgepfiffen. „Me disculpo“, sagt der Sänger, „lamentablemente bailar esta prohibido.“ Tanzen verboten – leider. Als sei Mario Enrique Rivera Godinez für das elende Virus verantwortlich, das sein Publikum zur weitgehenden Bewegungs- und Berührungslosigkeit verdammt.

Dabei liefern Mayito Rivera, wie er sich der besseren Einprägsamkeit halber nennt, und seine „Sons of Cuba“ (ein spanisch-englisches Wortspiel, das sowohl Töne wie Söhne Kubas bedeutet) Klänge, bei denen es Menschen, die im Vollbesitz ihrer körperlichen Kräfte sind, wohl nur schwerlich auf den Stühlen hält. Die kubanische Band um den 55-jährigen Sänger, der zu den populärsten seines Landes zählt, fackelt eine Feuerwerksmusik aus Salsa, Rumba, Jazz und Funk ab, in der eingängige Melodien über rasanten Rhythmen schweben, von einer meisterlich aufgelegten Band, bestehend aus Piano, Bass, Trompete, Posaune, Gitarre, Congas und Schlagzeug, geliefert. Es ist, als habe der Buena Vista Social Club eine Filiale an der Mosel eröffnet (Songs von dessen Mitglied Ibrahim Ferrer hat Rivera natürlich auch im Repertoire). Seine Mitstreiter stellt Rivera ausnahmslos als „maestro“ vor (den Titel haben sie sich wahrlich verdient); deren Namen verrät der Flyer leider nicht. Soviel sei jedoch gesagt: Auch der Schlagzeuger erweist sich am Ende des Abends als hervorragender Sänger.

Wenn man auf Konzerten schon nicht à deux tanzen darf, dann wenigstens jede(r) für sich. Denn es sind tatsächlich fast nur die Damen (teils scheinen sie Landsfrauen von Mayito oder zumindest hispanischer Herkunft zu sein), die dem deutschen Publikum mit ihrer „chorus line“ ganz hinten im Brunnenhof zeigen, was bei einer echten kubanischen Fete abgehen kann. Sie hält es von Anfang an nicht auf den Plätzen, die sie kaum benötigen, weil sie den ganzen Abend in Bewegung sind – vielleicht auch, weil die Temperaturen alles andere als tropisch sind. Und sie feuern sich gegenseitig an, die Musiker auf der Bühne und die Ladies im Hintergrund, sehr zur Freude der Künstler, die auf diese Weise doch noch eine Prise Heimatgefühl abbekommen.

Und dann, kaum zu glauben, wird es zum guten Schluss doch noch rasant auch vor der Bühne. Als wollte das Publikum in letzter Minute die Chance nutzen, zu Live-Musik in Bewegung zu geraten, erheben sich alle bei den hartnäckig erklatschten Zugaben und tanzen … nun ja, bewegen sich an ihren Tischen, ohne sich all zu weit von ihnen zu entfernen, die Hände zum Himmel, die Hüften rechts und links.

Auch das eingangs von Mayito Rivera zurückgepfiffene Paar tanzt erneut so hingebungsvoll, als gäbe es kein Morgen. Dieses Mal jedoch – vorsichtshalber – mit Maske ...