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Unesco Weltkulturerbe SchUM-Städte Trier Römerbauten

Weltkulturerbe : Eine Ehre und eine Herausforderung

Das Komitee der Unesco hat entschieden, dass Rheinland-Pfalz drei neue Welterbestätten bekommt, darunter die jüdischen SchUM-Städte. Der Titel ist eine große Auszeichnung – schließlich bescheinigt er ihnen einen außergewöhnlichen universellen Wert, der über nationale Grenzen hinweg für gegenwärtige und für künftige Generationen der gesamten Menschheit von Bedeutung ist.

Damit sind weitere Spieler im Team der kulturellen Champions League, das mittlerweile auf mehr als 1130 Stätten in 167 Ländern angewachsen ist. Geld gibt es dafür nicht direkt, doch sehen Experten im Renomee des Titels enormes Potenzial für den Tourismus.
Allerdings bedeutet die Titelverleihung auch die Verpflichtung, das Erbe zu schützen und Gefährdungen abzuwenden. Ein frommer Wunsch, der an immer mehr Orten zu Konflikten führt. Nach einer 2016 veröffentlichten Studie im Auftrag des WWF ist jede zweite der Welterbestätten bedroht. 51 stehen auf der Liste der gefährdeten Stätten. Vor allem der Autoverkehr und Bauboom sind dafür verantwortlich. Sie führten vergangene Woche zum dritten Mal überhaupt in der Geschichte zur Aberkennung eines Welterbetitels, nachdem Liverpool sich um den Schutz seiner historischen Hafenanlagen nicht mehr scherte, sondern neue Infrastrukturprojekte und den Bau eines Fußballstadions plante. Über dieses drastische Mittel hinaus hat die Unesco jedoch keine Sanktionsmöglichkeiten, wenn Städte das Erbe nicht angemessen schützen. So bleibt nur der moralische Druck auf ihr öffentliches Ansehen. Und meistens lenken die Städte bei Druck auch ein, wie sich zum Beispiel in Köln zeigte. Dort stand der Dom zwei Jahre lang auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes, bis beide Seiten sich einigen: Eine Freizone auf beiden Rheinseiten schützt seitdem die Geltung des Domes. Zudem sollen Gebäude nahe der Freizone eine gewisse Höhe nicht überschreiten.
Wie Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfallen, lässt sich gut in Trier beobachten. Die Römerbauten der einstigen Kaiserresidenz mit Dom und Liebfrauenkirche erfüllen vier von sechs Welterbekriterien –, das gibt es in Deutschland unter rund 50 Titelträgern sonst nur noch in Aachen und Goslar. Und obwohl das hochrangige historische Erbe Tausende Touristen anlockt, zeigen sich einige der neun Bauwerke bis heute wenig präsentabel. Mancher Stadtführer rät eher davon ab, die Römerbrücke zu besuchen, weil der Weg durch dicksten Verkehr führt und das Bauwerk, wenn es denn nicht wie aktuell wegen Sanierung gesperrt ist, täglich von Tausenden Autos passiert wird. Der zentrale Straßenring der Stadt umgibt die römischen Kaiserthermen gleich an zwei Seiten, direkt nebenan läuft die Bahn. Das Amphitheater ist umgeben von Wohnbebauung, Busse umkreisen das Wahrzeichen, die Porta Nigra.
Klar ist, dass man all die Bauwerke nicht unter eine Glasglocke stellen kann. Denn die Stadt entwickelt sich, und die Schienen und Straßen waren schon da, als Trier 1986 die Welterbestätten bekam. Dennoch mahnen die von der Unesco beauftragten Experten seit einigen Jahren völlig zu Recht an, dass das Welterbe höhere Wertschätzung erfordert. Sie fordern einen Managementplan, der klar regelt, in welchen Pufferzonen rund um die Welterbestätten wie gebaut werden darf. Man kann nur hoffen, dass dieser ein großer Wurf wird, der nicht nur ein paar Meter Abstand der Bebauung vorsieht, sondern kühn die Verbannung der Autos von der Römerbrücke und des Porta-Nigra-Vorplatzes von Bussen und das Römererbe so in Szene setzt, dass Gäste und Einheimische staunen, es wertschätzen und genießen können; gerade wo der Tourismus in der industriearmen Stadt eines der Hauptstandbeine der Wirtschaft ist. Eine vom motorisierten Verkehr befreite Römerbrücke ließe sich sicherlich touristisch gewinnbringend inszenieren, auch mit Gastronomie, wie die weltberühmte Brücke in Avignon. Die Unesco kann eine solche Entwicklung natürlich nicht erwarten, aber sie versucht, im Gespräch mit den Kommunen die Schutzziele zu befördern.
Spannend wird sein, wie die SchUM-Städte diese Herausforderung zukünftig meistern. Denn mit der Ernennung zum Welterbe beginnt die Pflicht der Kommunen, sich für ihren Erhalt einzusetzen. a.heucher@volksfreund.de