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Mozart bringt Sonne in die Herzen

Kultur : Mozart bringt Sonne in die Herzen

Ein beeindruckender Mozart in finsteren Zeiten bei Klassik um Elf.

Dann – mitten in Mozarts wundervolles Adagio hinein – kommt er doch noch durch die hohen Fenster der prachtvollen Promotionsaula des Trierer Jesuitenkollegs: der obligatorische Sonnenstrahl bei Klassik um Elf, auch an diesem grauen, nasskalten Pandemie-Dezember-Sonntagmorgen.

Und das sagt schon fast alles über dieses Konzertformat des Trierer Theaters: Eine mittägliche Stunde Wiener Klassik oder Barock, in herrlichem Ambiente dargeboten von einem kammermusikalischen Ensemble des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier. Am vergangenen Sonntag steht Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach selbst am Pult und vierzehn Ausnahmekönner an den Instrumenten vor ihm. Bläser-Musik diesmal, nach einem beschwingten Donizetti-Sinfonia-Auftakt (Flöte: Mandryka Müller) dann zur Matinee-Zeit Mozarts größte Serenade. Und das bezieht sich nicht nur auf den zeitlichen Umfang von 50 Minuten. Die Nr. 10 für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Bassetthörner, vier Hörner, zwei Fagotte und Kontrabass in B-Dur (KV 361) von 1784. Berühmtheit erlangte das Stück durch Milos Formans Mozart-Kinofilm von 1984: Als Mozarts Widersacher Salieri mit dem Adagio zum ersten Mal mit der Musik des Konkurrenten in Berührung kommt, meinte er „die Stimme Gottes“ zu hören. Fiktion? Wahrscheinlich. Aber nachvollziehbar, wie auch Hochstenbachs Interpretation beweist. Transparent, leicht, schwebend und doch getragen von heiligem Ernst kommt die siebensätzige Bläserserenade daher. Fein ziseliert und tänzerisch in den zwei Menuetten, eindringlich und gefühlvoll in der Romanze. Das Adagio, nach dem Klarinettenkonzert in A-Moll KV 622 wahrscheinlich Mozarts schönster langsamer Satz, entfaltet im Dialog zwischen Oboe, Klarinette und Bassethorn seine ganze Kraft und Pracht. Das seit jeher stark besetzte Bläserensemble des Orchesters arbeitet die Seele der Musik heraus, der Kontrabass legt den rhythmischen Teppich darunter. Die Gedanken des Zuhörers fliegen in vollkommener Kontemplation.

Hochstenbach führt ein im wahrsten Sinne bewegliches Dirigat, tänzelnd beim Menuett, tief versunken beim Adagio. Zum furiosen Finale drückt er auf die Tube, lässt sein Orchester von der Kette.

Begeisterter Applaus des 110-köpfigen Publikums.