Musikalisch großes Kino

Musikalisch großes Kino

Das Abschlusskonzert des Saarburger Singer-Songwriter-Festivals in der alten Synagoge in Wawern ist ein Triumph der Stuttgarter Indie-Rocker von Yasmine Tourist. Zuvor hatte Nicolas Sturm mit Gesang und Gitarre die Zuschauer aufgeheizt.

Wawern/Saarburg. Wann erlebt man so etwas schon mal? Man kommt vom Konzert einer recht unbekannten Band nach Hause, schaltet den Fernseher ein, und sieht auf ZDF-Kultur ("TV-Noir") eben diese Gruppe Yasmine Tourist, die noch vor Minuten dasselbe Lied - eine hauchzart hingetupfte Version von Lana del Rey\'s "Video Games" - als Zugabe live gespielt hat. Falscher Film? Nein, großes Kino!
Die sechs jungen Musiker aus Stuttgart haben zum Abschluss des Saarburger Singer-Songwriter-Festivals in der Wawerner Synagoge einen fulminanten Trip quer durch die Musikstile hingelegt. Angeführt von Sänger und Gitarrist Dominik Gerwald treffen sie auf ein dankbares und euphorisiertes Publikum. Leider sind wieder nur dreißig Besucher gekommen, der eigentlich als Abschlussgig geplante Auftritt von Enno Bunger am Samstag war zuvor schon abgesagt worden.
Sprühende Spielfreude


Gerwald singt außergewöhnlich gut und charismatisch, sicher in allen Tonlagen und perfekt moduliert. Er und seine fünf Kollegen (Schlagzeug, Gitarren, Bass, Keyboards und Pedal-Steel Guitar) sprühen vor Spielfreude. Ausgefeilte, selbst komponierte Melodien mit treibenden Beats, zarte Liebeslieder unplugged oder bombastische Hymnen, die Band bringt alles mit hoher Intensität. Die englischen Texte sind nachdenklich und poetisch, gleiten aber nie in zu viel Pathos ab. Yasmine Tourist sind sicher eines der vielversprechendsten musikalischen Projekte, die zurzeit in Deutschland unterwegs sind.
Zuvor hatte der 30-jährige Sänger und Songschreiber Nicolas Sturm mit Jeremy Dhôme, seinem Partner am Schlagzeug (Das Klingen Ensemble), das Publikum angeheizt.
Seine Musik erinnert zwar an Gisbert zu Knyphausen, hat aber dennoch ihren eigenen Stil. Vor allem in den temporeichen Stücken präsentiert er deutsche Texte mit Tiefgang und einer ordentlichen Prise Humor. Melodramatische Songs wie "Schiffbruch" oder "Hochhaus" transportieren darüber hinaus noch eine charmante Art von Wut und Empörung.
Die Zuschauer sind aus dem Häuschen, spenden allen Künstlern frenetischen Applaus - da sind sie auf einer Linie mit dem Studio-Publikum bei ZDF-Kultur. DT
Extra

Neue hochklassige Musik abseits des Mainstream zu präsentieren, das ist das erklärte Motto des Saarburger Singer-Songwriter-Festivals der Agentur StationK unter der Federführung von Christof Kramp. Zum Auftritt von Wallis Bird sind immerhin 200 Zuschauer ins kleine Zirkuszelt nach Beu rig gekommen, der Auftritt der Irin mit ihrer mitreißenden, akustischen Musik konnte begeistern. Maximilian Hecker, Felix Räuber und Nicolas Sturm bewiesen ihre Qualitäten als Songschreiber und Sänger. Mit Yasmine Tourist stand eine der vielversprechendsten deutschen Bands auf der Bühne. Die Publikumsstimmen waren durchweg sehr positiv. Konzertabsagen, sei es wegen Krankheit, technischer Probleme oder mangelnden Zuspruchs, trüben jedoch das Gesamtbild. Auch die schlechte Akustik beim Ersatzkonzert für Staring Girl ist ein Problem gewesen. Dennoch sind die Veranstalter zufrieden, die Bands möchten gerne im nächsten Jahr wiederkommen, die Zuschauer, die da waren, auch. Bleibt zu wünschen, dass Kramp einen langen Atem hat und das Konzept auch zukünftig aufgeht - die meisten Konzerte hätten mehr Besucher verdient gehabt. DT

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