Mitgliedsbeitrag für Kirchgänger

Mitgliedsbeitrag für Kirchgänger

Die Kirchen und Religionsgemeinschaften in Luxemburg sollen sich selbst finanzieren. Ein Jahr vor einem geplanten Volksentscheid darüber ist im Nachbarland eine heftige Diskussion über Trennung von Staat und Kirche entbrannt.

Luxemburg. Laurent Schley ist stolz. Vor vier Jahren hat der Biologe die kirchen- und religionskritische Bewegung AHA (Allianz von Humanisten, Atheisten und Agnostikern) in Luxemburg gegründet. Ziel: ein religionsfreies Leben und eine Trennung von Staat und Kirche.
Zumindest Letzteres strebt nun die Luxemburger Regierung an. Die Koalition aus Liberalen, Sozialisten und Grünen will den Religionsgemeinschaften künftig keine Staatsleistungen mehr zahlen. Immerhin derzeit jährlich gut 57 Millionen Euro. Überwiegend kommt das der katholischen Kirche zugute. Immerhin sind 69 Prozent der Luxemburger Katholiken. Mit dem Geld werden die 236 Pfarrer und der Erhalt der Kirchengebäude bezahlt.
Religionsunterricht vor dem Aus


Mit der geplanten Abschaffung der Staatsleistungen werden die jeweiligen Wahlversprechen der drei Parteien umgesetzt. Die Regierung stützt sich bei ihren Plänen auch auf Forderungen und die Formulierung der AHA, die laut Schley rund 800 Mitglieder hat (darunter angeblich auch namhafte luxemburgische Minister und Abgeordnete).
Dem Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich ist die "aggressive" Gruppe ein Dorn im Auge: "Obwohl es nur eine Gruppe ist, hat sie in den regierenden Parteien Einfluss", sagte Hollerich kürzlich in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (der TV berichtete). Auch das macht AHA-Gründer Schley stolz, dass die katholische Kirche die Bewegung offenbar fürchte. Bereits zu Beginn ihrer Amtszeit hatte sich die Regierung unter Regierungschef Xavier Bettel mit der katholischen Kirche angelegt. Zum einen plant Bettel den Religionsunterricht, der in Luxemburg fast ausschließlich durch katholische Religionslehrer gegeben wird, durch einen religionsneutralen Werteunterricht zu ersetzen. Außerdem wurde dieses Jahr beim Nationalfeiertag am 23. Juni zum ersten Mal nicht mehr der traditionelle Gottesdienst in der hauptstädtischen Kathedrale als offizieller Staatsakt gesehen, die Regierung feierte den Tag mit einer zivilen Zeremonie.
Religion sei etwas Persönliches und solle nicht vom Staat finanziert werden, begründet Bettel die Abschaffung der Staatsleistungen. Bereits als hauptstädtischer Bürgermeister wandte sich Bettel dagegen, dass die Stadt die Defizite der sogenannten Kirchenfabriken, also Pfarreien, tragen müsse. "So kann das nicht weitergehen", wetterte er im vergangenen Jahr.
Künftig für Hochzeiten bezahlen?


Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider fordert, dass sich die Kirchen in Luxemburg selbst finanzieren müssen. Dies könne geschehen durch Mitgliedsbeiträge, die die Kirchen und Religionsgemeinschaften selbst erheben müssten. Oder durch eine freiwillige Kirchensteuer, die nur die zahlen sollen, die auch in der Kirche sein wollen. Bislang ist in Luxemburg die Kirchensteuer in die normale Steuer integriert, und die muss auch zahlen, wer ausgetreten ist. Denkbar sei auch, sagt Schneider, dass Gläubige künftig für kirchliche Feierlichkeiten, wie etwa Hochzeiten, zahlen müssten.
Im kommenden Jahr soll es einen Volksentscheid über die Trennung von Staat und Kirche in Luxemburg geben. Bereits jetzt wird jedoch heftig Front gegen die Pläne gemacht. Erzbischof Hollerich warnt davor, dass die katholische Kirche Luxemburgs in drei Jahren pleite sei ohne Staatsleistungen. Und die im kirchlichen Besitz befindliche Tageszeitung Luxemburger Wort warnt, "das, was die Regierung mit der Luxemburger Kirche vorhat", sei ein "perfider Anschlag auf die kulturhistorische Identität der Luxemburger".

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