Der Funkmast in Wengerohr bleibt stehen

Telekommunikation : Der Funkmast in Wengerohr: Das Ärgernis bleibt stehen

Ein 35 Meter hoher Funkmast in Wengerohr in der Nähe eines Wohngebietes hat bei den Bürgern für Irritationen gesorgt. Jetzt haben sich Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch und eine Vertreterin von Vodafone kritischen Fragen gestellt.

Bei der Bürgerversammlung im Jugend- und Bürgerhaus  in Wengerohr drehte sich alles um den Mobilfunkmasten, der am Sandweg auf dem Park- und Ride-Parkplatz gebaut wurde (der TV berichtete). 35 Meter ist er hoch und nicht unbedingt das, was man eine Augenweide nennt. Entsprechend groß war die Verärgerung der Bürger Wengerohrs, als sie ihn gesehen haben.

 „Der Unmut, der hier im Ort herrscht, kommt daher, dass keiner etwas davon mitbekommen hat, dass so nah an einem Wohngebiet und in einer so massiven Bauweise ein 35 Meter hoher Mobilfunkturm gebaut wird“, meint eine Anwohnerin.

Es taucht die Frage auf, warum die Stadt die Gremien, wie den Ortsbeirat, den Bauausschuss oder die Bürger in einer Versammlung nicht eingebunden habe. Darauf antwortet Bürgermeister Joachim Rodenkirch: „Wir haben die Situation unterschätzt und sind davon ausgegangen, dass die baurechtliche Seite abgeklärt ist und kein weiterer Diskussionsbedarf besteht. In Wittlichs Innenstadt sind insgesamt zwölf Antennen installiert, und es gab bisher keine Gespräche oder Einwände.“ Er erläutert weiter: „Wir als Stadt haben es als unsere vorrangige Aufgabe gesehen, die Infrastruktur im Bereich des Mobilfunks zu verbessern. Und gerade aus Wengerohr kamen viele Beschwerden von Privatpersonen und Firmen über eine schwache und lückenhafte Mobilfunkversorgung.“

Von Vodafone war Bettina Krockel, Senior Expertin Mobilfunk und Umwelt aus der Niederlassung Südwest, anwesend. Sie referierte etwa eine Stunde allgemein zum Thema Mobilfunk. Sie berichtete von steigenden Nutzerzahlen, zeigte Wissenschaftliches und Physikalisches und ging auf Grenzwerte sowie Schutzkonzepte ein.

Konkretes zum Turm, beispielsweise warum eine Betonvariante statt einer Stahlkonstruktion gewählt wurde, für wen, in welchem Umfeld sich das Netz in Wengerohr verbessert und warum dieser Standort gewählt wurde, konnte sie nicht zur Zufriedenheit der Bürger beantworten. Allgemein erklärte sie, dass solche Türme eine Reichweite von drei bis fünf Kilometern haben und die Standorte mit den Gemeinden bestimmt werden.

Ein Besucher ergänzte: „Wer jetzt in Wengerohr vor seiner Tür ein bis zwei Balken Empfang bei seinem Handy hat, wird dann volle Netzstärke haben und draußen in Kabelqualität im Internet unterwegs sein können.“ Warum der Mast von Vodafone nur 150 Meter von der alten Molkerei entfernt, auf der die Telekom eine Antenne hat, gebaut wurde, war für die Bürger ebenfalls unverständlich. Darauf antwortete Bettina Krockel: „Wir hatten kein Mitnutzungsangebot der Telekom.“ Für Hans-Georg Teusch war es weiterhin nicht verständlich, warum man mit dem Mast in die Nähe eines Wohngebietes gegangen ist. „Die Leute haben die Grundstücke gekauft, da gab es diesen Mast noch nicht. Und ich frage mich, warum man nicht ins Industriegebiet gegangen ist?“

Auch Alfred Thetard, der sich in der Arbeitsgruppe Altdorf Wengerohr engagiert, versteht die Standortwahl nicht. „Wir versuchen die Wohnqualität im Altdorf zu erhalten. Und dann kommt dieser massive Mast.“ Dazu erklärt Joachim Rodenkirch: „Wengerohr hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten toll entwickelt, was die Wohnqualität, die Arbeitsplätze angeht und die Immobilien werden durch eine gute Infrastruktur auch aufgewertet.“ Dafür erhielt er Zustimmung.  Dennoch finden die Wengerohrer, dass ihnen jetzt genug zugemutet worden ist, gerade im Bereich Mobilfunk, denn der Mast von Vodafone ist bereits der fünfte im Ort. Diese Auffassung  will der Bürgermeister, der die konstruktive Atmosphäre der Veranstaltung lobte, mit in die Verwaltung und auch zum Landrat nehmen.

„Wir müssen sensibler werden“, sagt er. Konkret versprach er, den Vertrag mit Vodafone zu überprüfen, ob weitere Antennen auf den Mast dürfen, bei neuen Anfragen die Standorte genauer zu hinterfragen und die Gremien und Bürger auf dem Laufenden zu halten.“ Der vorhandene Mast allerdings geht in diesem Monat ans Netz. Zu den Missverständnissen zwischen Verwaltung und Ortsvorsteher beim Genehmigungsprozess sagten beide Vertreter nichts mehr.