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Neue Tafeln für jüdischen Friedhof in Thalfang

Geschichte : Ein Ort gegen das Vergessen: Neue Tafeln am jüdischen Friedhof in Thalfang

Dieter Burgard, Beauftragter für jüdisches Leben der Landesregierung, enthüllt neue Infotafeln für den jüdischen Friedhof in Thalfang.

Thaissja Bakal ist sichtlich gerührt, als sie spontan vortritt und ihre Worte an die Menschen richtet, die nach Thalfang zur Enthüllung der neuen Infotafeln des jüdischen Friedhofs gekommen sind. Bakal, Mitglied der jüdischen Gemeinde Trier, erzählt von ihrer Urgroßmutter, die den Holocaust überlebt hatte. Nach dem Krieg kehrte die Familie nach Deutschland zurück.

Eines hatte sich die Uroma geschworen, erzählt Thaissja Bakal: Sie wollte in Israel begraben werden. Die letzte Ruhe in Deutschland, dem Land, in dem Millionen Juden ermordet worden sind, zu finden – das sei unmöglich.

Letztlich hatte die Ahnin dann doch eingewilligt, im jüdischen Bereich des Trierer Hauptfriedhofs beerdigt zu werden, damit ihr Grab für ihre Angehörigen erreichbar bleibt. „Wir konnten meine Urgroßmutter dazu überreden, weil es jetzt diese Erinnerungskultur in Deutschland gibt, wie sie hier in Thalfang gelebt wird,“ sagt Thaissja Bakal und dankt den Menschen für ihren Einsatz, um die Erinnerung an die Opfer des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte lebendig zu halten.

Zuvor hatten Dieter Burgard (Landesbeauftragter für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen), Burkhard Graul (Thalfangs Bürgermeister), Bettina Brück (Landtagsabgeordnete) und Elmar Ittenbach (Historiker) die neuen Infotafeln am Friedhof enthüllt, die die aus Thalfang stammende Grafikerin Constanze Sänger gestaltet hat. Ittenbach führte die rund 50 Teilnehmer der öffentlichen Veranstaltung über den Friedhof. Anschließend ging es durch den Ort, am Platz der ehemaligen Synagoge vorbei ins Haus der Begegnung, in dem Felix Klassen, Celine Schu und Kim Spieker von der Erbeskopf Realschule plus Texte über die Pogromnacht zitierten.

Dieter Burgard betonte, dass oft die jüdischen Friedhöfe das einzige sind, was an das jüdische Leben in den Orten erinnert. Burgard: „Es ist toll, dass so viele gekommen sind. Der jüdische Friedhof ist ein wichtiger Lernort.“

Burgard mahnt vor dem in Deutschland wieder aufflammenden Antisemitismus. Jüngstes Beispiel seien Deutsch-Rap-Texte mit antisemitischem Inhalt. „Das ist in der Jugendkultur wieder angekommen. Deshalb ist Bildung an den Schulen so wichtig. Jeder Schüler sollte ein Mal an einem Lernort zur Diktatur des Nationalsozialismus gewesen sein,“ sagt Burgard.

Der jüdische Friedhof in Thalfang ist nun ein solcher Lernort. Wie Elmar Ittenbach erläutert, wurde der Friedhof von den Nationalsozialisten beim Bau der Hunsrückhöhenstraße großenteils zerstört, da die Straße über das Areal des Friedhofs führt.

Das habe die wenigen verbliebenen jüdischen Mitbürger in Thalfang bereits 1938 zutiefst getroffen, so Ittenbach. Nur wenige Grabsteine sind auf einer kleinen Spitze des vormals wesentlich größeren Areals in der Koblenzer Straße in Thalfang übriggeblieben.

 Der Grabstein der Mutter des bekannten Trierer Malers Max Lazarus, Juliane Lazarus, steht auf dem Thalfanger Friedhof. 
Der Grabstein der Mutter des bekannten Trierer Malers Max Lazarus, Juliane Lazarus, steht auf dem Thalfanger Friedhof.  Foto: TV/Hans-Peter Linz
 Elmar Ittenbach zeigt den Platz, an dem die Synagoge in Thalfang stand. Foto: Hans-Peter Linz
Elmar Ittenbach zeigt den Platz, an dem die Synagoge in Thalfang stand. Foto: Hans-Peter Linz Foto: TV/Hans-Peter Linz
 Stolpersteine in Thalfang .Foto :Hans-Peter Linz
Stolpersteine in Thalfang .Foto :Hans-Peter Linz Foto: TV/Hans-Peter Linz

Die Europäische Union hat die Infoschilder, deren Produktion 2000 Euro gekostet hat, mit 1800 Euro gefördert.