Polizist - und manchmal auch Sozialarbeiter

Polizist - und manchmal auch Sozialarbeiter

Lothar Schneider hat am 1. Mai seinen Posten als neuer Leiter der Polizeiinspektion Zell angetreten. Dem 52-Jährigen ist auch die Polizeiwache Traben-Trarbach unterstellt. Wir stellen den neuen Polizeichef vor.

Lothar Schneider hat sich in seinem Leben nur ein einziges Mal beworben. Das war 1980, als er zur Polizei wollte. "Diese Entscheidung habe ich nie bereut", sagt der 52-Jährige. Mit Fleiß und Können hat er sich nach oben gearbeitet. Er war bei der Bereitschaftspolizei, er fuhr Streife, er verrichtete Dienst in Koblenz, Zell, Traben-Trarbach und kurze Zeit in Bernkastel-Kues.
Jetzt ist der Polizeihauptkommissar möglicherweise auf der letzten Stufe seines Berufslebens angekommen. Er leitet seit dem 1. Mai die Polizeiinspektion (PI) Zell. Sein Vorgänger, Norbert Bidinger (62), zwölf Jahre Polizeichef in Zell, geht in den Ruhestand. Er wird am 7. Mai offiziell verabschiedet. Schneider, verheiratet und Vater zweier Töchter, kennt sich wie kaum ein anderer im Bezirk der PI Zell aus, der die Verbandsgemeinden Zell und Traben-Trarbach sowie die Orte Bad Bertrich, Beuren, Reil und Kövenig umfasst. 1993 kam der Zeller wieder zurück an die Mittelmosel. 2008 wurde er stellvertretender Leiter in Zell und gleichzeitig Leiter der Polizeiwache Traben-Trarbach.
Viele kleine Straftaten


"Der Beruf Polizist ist mehr als ein Job. Er prägt das Leben, viele Dinge sieht man anders", sagt Schneider. Oft hat er mit Außenseitern der Gesellschaft zu tun, mit Menschen, die in schwierigen Verhältnissen leben. "Manchmal komme ich mir vor wie ein Sozialarbeiter. Man begegnet Menschen, die sich nicht um ihre Kinder kümmern, Menschen, für die man kaum Verständnis aufbringen kann."
Mit solchen Fällen hat er öfter als ihm lieb ist, speziell in Traben-Trarbach, zu tun. "Traben-Trarbach ist eine der schönsten Städte an der Mosel. Aber es gibt dort auch einige Probleme - Straßen, wo Menschen leben, die der Polizei Arbeit machen." Die ganz großen Dinge passierten zum Glück nur höchst selten. Schwerkriminalität sei hier nicht zu Hause, aber die vielen kleinen Straftaten hielten die Beamten schon auf Trab.
Dabei sei die Belastung wegen der dünnen Personaldecke ohnehin schon groß. Schneider hofft, dass die präventive Arbeit der Polizei in Kindergärten und Schulen dennoch im bisherigen Umfang fortgesetzt werden kann.
Was den leidenschaftlichen Motorradfahrer - er fährt eine alte 1000er BMW - bedrückt, ist die überdurchschnittlich hohe Zahl von Motorradunfällen an der Mosel. Für mehr Aufklärung und Überwachung in diesem Bereich will er sich einsetzen.
Seit vielen Jahren ist Schneider auch in der Kommunalpolitik engagiert. Er war lange Mitglied des Zeller Stadtrates, seit 2009 ist er erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Zell.

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